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Keuschnigg empfiehlt "marktwirtschaftliche Lösung mit staatlichem Backup" © APA
Keuschnigg empfiehlt "marktwirtschaftliche Lösung mit staatlichem Backup" © APA

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Risikokapital: Keuschnigg plädiert für "Wachstumsfonds" für Start-ups

18.09.2019

Bei der Finanzierung innovativer Unternehmen - sprich Start-ups - liegt Österreich im Vergleich zurück. Es fehle vor allem an Risiko- oder Wagniskapital, so der Wirtschaftsforscher Christian Keuschnigg. Seiner Studie im Auftrag des Rats für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) zufolge könnte hier ein mit rund 250 Mio. Euro dotierter "Wachstumsfonds" Abhilfe schaffen.

Unter Wagniskapital oder Risikokapital werden Investitionen im Rahmen von Firmenbeteiligungen in Unternehmen verstanden, die einen als risikoreich geltenden Weg gehen. Oft sind dies Jungunternehmen, die in Bereichen tätig sind, in denen Forschung- und Entwicklung (F&E) eine große Rolle spielt. Werden Unternehmen aus dieser Gruppe mit Wagniskapital unterstützt, schaffen diese im Schnitt überdurchschnittlich viele Arbeitsplätze und erzielen in der Regel hohe Wertschöpfung.

Der Vergleich mit prinzipiell wirtschaftlich ähnlich entwickelten Ländern mit ähnlicher Größe - im Rahmen der Studie waren das Israel, Dänemark, Schweden und die Schweiz - sei das Fehlen von Wagniskapital in Österreich greifbar, hieß es bei der Vorstellung der Untersuchung vor Journalisten. In Österreich könne man davon ausgehen, dass das Niveau der Wagniskapitalfinanzierung bei rund einem Zehntel des europäischen Schnitts liege, in Europa sei wiederum im Vergleich zu den USA oder Israel nur rund ein Achtel des Risikokapitals im System, so Rudolf Kinsky, Präsident des Private Equity und Venture-Capital-Verbandes AVCO.

"Dachfonds" und zehn Risiko- oder Wagniskapitalfonds

Der Weg aus dem laut Gerhard Reitschuler vom RFT und Keuschnigg "lange dokumentierten Problem" führe etwa über Umgestaltungen im Steuerrecht und Insolvenzrecht, damit beispielsweise ein unternehmerisches Scheitern als Start-up-Gründer nicht unbedingt ruinös endet. In erster Linie würde der Ex-IHS-Chef aber auf einen anfangs mit rund einer Viertelmilliarde dotierten "Dachfonds" setzen. Dieser "Österreichische Wachstumsfonds" wiederum würde jeweils 25 Mio. Euro in rund zehn private Risiko- oder Wagniskapitalfonds investieren, die dann je ein Volumen von 100 Mio. erreichen sollen. Der Staat würde demzufolge auch gewisse Ausfallsgarantien geben. Die rund zehn "Zielfonds investieren ihrerseits nach rein privatwirtschaftlichen Kriterien in innovative Start-ups", heißt es in der Studie.

Es handle sich hier um eine Konstruktion, die eine marktwirtschaftliche Lösung mit staatlichem Backup ermögliche. Ohne Garantien des Bundes könnten sich nämlich potente Investoren wie Versicherungen oder Pensionskassen nicht beteiligen, so der Forscher vom Wirtschaftspolitischen Zentrum WPZ der Universität St. Gallen (Schweiz). So ließe sich mehr Risikokapital "aus Österreich heraus" lukrieren und gleichzeitig durch das verstärkte Engagement von Venture-Capital-Fonds in vielversprechende junge Unternehmen mehr unternehmerisches Know-how in die Start-ups bringen.

Gerade beim Geben von Wagniskapital entstehe vielfach die engste Verbindung zwischen Unternehmen und Investor, was ersteren in der Selbstfindungsphase im Management oft sehr weiterhelfe, sagte Kinsky. Hier hätten etwa Ausgründungen aus dem Hochschul- und Wissenschaftsbereich vielfach Schwierigkeiten. Das und die Tatsache, dass solche Unternehmen oft nach der durch diverse Förderprogramme gut unterstützten Frühphase später in ein Unterstützungsloch fielen, verhindere in Österreich vielfach deren mittelfristiges Überleben, Erfolge am Markt und letztendlich den Sprung "vom Start-up zum Scale-up", so der AVCO-Präsident.

Service: Die Studie online: http://go.apa.at/HzJF57XA

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