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Digitalisierung hat Nimbus eines "Naturereignisses" © APA (dpa)
Digitalisierung hat Nimbus eines "Naturereignisses" © APA (dpa)

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Stadt Wien startet Forschungsinitiative zu "Digitalem Humanismus"

16.05.2019

Mit 320.000 Euro fördert die Stadt Wien Forschungsprojekte, die den Mensch in den Mittelpunkt von Digitalisierungsansätzen stellen. Angesichts zunehmend besorgniserregender, nicht unbedingt demokratiefördernder Tendenzen in Entwicklung und Einsatz neuer Technologien, wolle man das Feld "nicht nur den 'Nerds' überlassen", so Wissenschaftsstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ).

Die "Atemlosigkeit und Geschwindigkeit" mit der Digitalisierung voranschreitet, bekämen mittlerweile immer mehr Menschen zu spüren, so Kaup-Hasler vor Journalisten. Manisch datensammelnde Konzerne oder bedenkliche Anwendungen von Überwachungstechnologien durch Staaten, wie man es etwa zu Zeit in China beobachten könne, lasse mittlerweile viele Menschen daran zweifeln, dass das, was unter dem Hype um die Digitalisierung in den Alltag vordringt, auch zu gesellschaftlichen Verbesserungen führt.

Im Zuge der am 17. Mai startenden Ausschreibung mit dem Titel "Digitaler Humanismus" sollen daher Vorhaben gefördert werden, in deren Rahmen "technologische Grundlagen und Anwendungen unter das Primat demokratiepolitischer Werte der Aufklärung und des Humanismus" gestellt werden, wie es im Begleittext heißt. Pro Projekt kann die Gesamtfördersumme über zwei Jahre hinweg 40.000 Euro betragen, die Einreichfrist reicht bis zum 20. August, erklärte Daniel Löcker, Wissenschaftsreferent der Stadt Wien.

Vielfach herrscht Wild-West-Mentalität

Der Digitalisierung hafte aktuell gewissermaßen der Nimbus eines "Naturereignisses" an, das über die Gesellschaft kommt, ohne dass diese Möglichkeiten zur Gestaltung hat, so die Wissenschaftssprecherin der Wiener Grünen, Barbara Huemer. Ziel müsse es daher sein, in dem Feld, wo vielfach Wild-West-Mentalitäten herrschten, auch verstärkt gesellschafts- und demokratiepolitisch gestaltend einzugreifen.

Das sei eine Erkenntnis, die sich zunehmend auch in der Forschungsgemeinde etabliere, sagte der Geschäftsführer des Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF), Michael Stampfer: "Viele erfahrene Computerwissenschafter beginnen um Hilfe zu rufen." Nicht zuletzt habe sich auch der "Erfinder des Internets", Tim Berners-Lee, mit der Aussage "The system is failing!" ("Das System versagt!") an die Öffentlichkeit gewendet. Auf Basis von Treffen von Wissenschaftern in der Bundeshauptstadt werde in den kommenden Wochen das "Vienna Manifesto" herauskommen, in dem laut Stampfer Forscher auch auf Fehlentwicklungen in dem Bereich hinweisen werden.

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