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Elektromagnetische Verträglichkeit wird durch E-Mobilität stärker zum Thema © APA-Science
Elektromagnetische Verträglichkeit wird durch E-Mobilität stärker zum Thema © APA-Science

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TÜV Austria eröffnete neues Prüf- und Innovationszentrum

25.01.2019

Der technische Sicherheitsdienstleister TÜV Austria hat als Reaktion auf den digitalen Wandel ein neues Zentrum für Technologie und Innovation in Wien-Inzersdorf eröffnet. Das Angebot umfasst eine breite Palette an Themen - von E-Mobilität über Robotik bis zur Cyber-Sicherheit, so das Unternehmen.

Neben einem neuen Bürogebäude sind im Technology & Innovation Center nun unter anderem ein Sicherheits-Lab, Österreichs größte Prüfhalle im Bereich Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) sowie ein Werkstofftechnik-Kompetenzzentrum untergebracht. TÜV Austria-Geschäftsführer Stefan Haas zufolge ist ein weiterer Ausbau bereits geplant, ein zusätzliches Prüflabor wird voraussichtlich spätestens im Jahr 2021 fertiggestellt. Davon sollen nicht nur Kunden profitieren, sondern auch Partner aus Forschungskooperationen, wie es sie beispielsweise mit der Technischen Universität (TU) Wien gibt.

Welche Bedeutung der digitalen Transformation zukommt, zeigt sich laut TÜV Austria auch daran, dass bereits mehr als zehn Prozent des Konzernumsatzes auf den Bereich IT- und Datensicherheit entfallen. Im Safe-Secure-System-Lab ("S3 Lab") will man sich deshalb verstärkt sicherheitstechnischen Herausforderungen widmen, die unter anderem durch das Zusammenwachsen von Maschinensicherheit und IT-Sicherheit entstehen. Es geht also nicht mehr nur um die mögliche Gefährdung von Menschen, sondern auch immer stärker um den Schutz vor Hackerattacken. Die Schwerpunkte des "S3 Lab" liegen dabei auf Automotive, Produktion/Robotik und Internet der Dinge (IoT).

Sicherheitslücken bei Autos erkennen

Autos werden immer digitaler, gelten inzwischen als "Computer auf Rädern". Umso wichtiger ist es für die Hersteller, die potenziellen Gefahren bereits bei der Produktentwicklung zu identifizieren. Möglich machen soll das eine in Kooperation mit dem Austrian Institute of Technology (AIT) entwickelte Software, die Bedrohungen simuliert und Sicherheitslücken aufzeigt. Das Thema werde jedenfalls an Bedeutung gewinnen, da die Automobilfirmen ab dem Jahr 2020 bei der Typen-Zulassung ein risikobasiertes Sicherheitskonzept nachweisen müssten.

Auch im Bereich IoT bringt die digitale Vernetzung - vom Kühlschrank bis zur Industrieanlage - neue Angriffsflächen mit sich. Um die Auswirkungen auf die Sicherheit im Haushalt der Zukunft zu prüfen, greifen Experten des TÜV Austria beispielsweise Webcams mit Hackerwerkzeugen an. Risiken bestünden vor allem hinsichtlich zweier Aspekte: Gehackte Smart Home-Geräte könnten zu einem Bot-Netz zusammengeführt und für koordinierte Angriffe verwendet werden. Zudem sei es möglich, über das attackierte Gerät weitere Rechner im Netzwerk zu infizieren. Hier bringe ein Gütesiegel für sichere Geräte den Konsumenten mehr Transparenz.

Roboter werden zu "Softies"

Bei der kollaborativen Robotik, wo Mensch und Maschine zusammenarbeiten, ist Sicherheit ebenfalls der Knackpunkt. Um Roboter vor Hackern zu schützen, gibt es einerseits Firewalls und Angriffserkennungssysteme, andererseits auch Innovationen wie Airskin, eine vom TÜV Austria zertifizierte druckempfindliche Haut, die die Maschine bei einer Berührung mit einem Menschen sofort stoppen lässt. Durch das von Blue Danube Robotics, ein Spin-off der TU Wien, entwickelte Produkt könnten auch bei einem Kontrollverlust Verletzungen vermieden werden.

Das Thema Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) gewinnt unter anderem durch den Trend zur E-Mobilität an Bedeutung. Damit sich einzelne Komponenten und Geräte nicht gegenseitig stören oder lahmlegen, muss vor der Serienproduktion getestet werden. Darauf hat der TÜV Austria mit der neuen Prüfhalle reagiert, in der die Abstrahlung an die Umgebung gemessen und Grenzwerten gegenübergestellt wird. Hier werden auch hochfrequente Felder erzeugt, um zu überprüfen, ob die Geräte dem standhalten.

Der TÜV Austria setzt mit 1.700 Mitarbeitern rund 205 Mio. Euro um.

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