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Technologiegespräche: Öko-Wirtschaftsumbau braucht "frisches Geld"

27.08.2020

Auf den Bereich der Forschung und Entwicklung (F&E) sind momentan viele Augen gerichtet, soll er doch den Weg aus der Krise weisen. Dennoch trifft die aktuelle Lage forschungsstarke Unternehmen hart. Für einen ökologischen Wirtschaftsumbau nach Corona brauche es in der Forschungsförderung jedenfalls "frisches Geld", so der Geschäftsführer der Forschungsförderungsgesellschaft FFG, Klaus Pseiner.

Gerade für die forschenden heimischen Unternehmen, die meist auch stark exportorientiert sind, stelle sich die aktuelle Situation als "ganz, ganz schwierig dar", sagte Pseiner im Vorfeld eines Arbeitskreises bei den Alpbacher Technologiegesprächen, der sich unter dem Titel "Forschung in Krisenzeiten" mit dem Nutzen angewandter Forschung beschäftigt. "Unsere klassischen Flaggschiffe haben jetzt auch die größten Herausforderungen." Als Institution, die Forschung finanziert, betrachte man das dementsprechend als äußerst kritische Phase im Verlauf der Krise, in der man sich ständig fragen müsse: "Tun wir das Richtige?"

Finanzkrise: Glück im Unglück

Als Glück im Unglück erweise sich nun, dass es die Finanzkrise 2008 dem Sektor ermöglicht habe, eine Art Krisenzyklus zu erlernen. Tendenziell setzen Firmen in Zeiten guter wirtschaftlicher Gesamtlage vermehrt auf F&E-Aktivitäten, indem man versucht neue Produkte zu entwickeln oder Produktionsprozesse zu verbessern. "Das stimmt aber nicht ganz", sagte Pseiner, denn viele Unternehmen zeigen gerade am Beginn von Krisenzeiten eine hohe Bereitschaft in F&E zu investieren: "In dieser Phase stecken wir gerade." Tatsächlich sei die Nachfrage nach Forschungsförderung gerade "extrem hoch".

Im Rahmen der Basisförderprogramme liegen die Antragszahlen seit einigen Monaten um die 30 Prozent über dem Durchschnitt. Pseiner: "Dieser Trend hält nicht nur an, sondern wird jetzt im Sommer sogar leicht stärker." Zurückzuführen ist das vor allem auf Aktivitäten von klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU). Gerade dieser Wirtschaftssektor kümmere sich momentan schon intensiv um seine Positionierung nach der Krise.

Von der "Überlebensphase" in die "Stabilisierungsphase"

Forschungsfördereinrichtungen haben kurz nach Beginn der Coronakrise versucht, mit rasch umgesetzten eigenen Förderschienen, dabei zu helfen, Ansätze aus der Community zu holen, die unmittelbar bei der Auseinandersetzung mit dem Virus helfen können. Das reichte von Medikamentenentwicklung bis zur Herstellung verbesserter Schutzausrüstung. Nach dieser Art "Überlebensphase" komme man nun in die "Stabilisierungsphase". "Der F&E-Cluster und die Basis der vielen forschungsaktiven Firmen ist nämlich nicht stabil zur Zeit - so wie gerade nichts stabil ist", so Pseiner. Danach sollte wieder eine Wachstums- und kreative Phase kommen.

Damit die Stabilisierung gelinge, sollte nun in dem Bereich aber nicht gespart werden. Ein über drei Jahre laufendes, rund 300 Millionen Euro schweres Konjunkturpakt für Forschung des Umweltministeriums befinde sich gerade im Verhandlungs-Finish. Die FFG ist "sehr zuversichtlich", dann mit der Abwicklung dieses Programmes betraut zu werden. "Wenn das so kommt, ist das eine sehr gute Kompensation für das große Fragezeichen 'Finanzierung durch die Nationalstiftung'", sagte Pseiner.

Die Zukunft dieses Förderinstruments, über das heuer 103 Mio. Euro ausgeschüttet werden, steht weitgehend in den Sternen. Gebe es hier keinen Ausgleich "trifft das die FFG wirklich hart. Wir haben letztes Jahr über 60 Millionen Euro aus dem Topf zur Finanzierung bekommen", so der FFG-Ko-Geschäftsführer, der durch das neue Paket auf ein Plus hofft. Ist dem so, "können wir für die Wachstumsphase entscheidende Impulse - auch im Klima- und Umweltbereich - setzen". Ein Umbau der Wirtschaft in diese Richtung "geht nur mit frischem Geld", betonte Pseiner.

In der aktuellen Situation stecke auch Positives, weil vonseiten einer breiteren Bevölkerung, der Politik oder der Wirtschaft selbst Wünsche, Anliegen und Anforderungen an den Forschungssektor herangetragen werden. "Entscheidend ist, dass wir aus dem Krisenthema 'Covid' vieles lernen und mitnehmen. Für unser langfristiges Thema, die Klima- und Umweltkrise, müssen wir die Kräfte bündeln und unsere Wirtschaft darauf vorbereiten", sagte Pseiner, der glaubt, dass der Forschungssektor "mittelfristig gestärkt aus der Krise herauskommen wird".

Service: Technologiegespräche: http://go.apa.at/OB7vQIHl; FFG: https://www.ffg.at/

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