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Wetterkapriolen gefährden die Qualität des Grundwassers © APA
Wetterkapriolen gefährden die Qualität des Grundwassers © APA

Kooperationsmeldung

Technologiegespräche: Wasser rigoros vor Verunreinigungen schützen

27.08.2020

Wasser kommt in Österreich in famoser Qualität aus dem Hahn. Die Vorkommen muss man aber rigoros vor Verunreinigung schützen, Wetterkapriolen im Zuge des Klimawandel machen das umso wichtiger, erklärte die Hygienikerin Regina Sommer der APA am Rande der Alpbacher Technologiegespräche. Weltweit fehlen oft Abwasserentsorgungs-Infrastrukturen, sodass nicht alle Menschen sauberes Trinkwasser erhalten.

In jüngst veröffentlichen Studien habe man in strukturell mit Österreich vergleichbaren Regionen wie Neuseeland und Skandinavien nachgewiesen, dass selbst in Ländern mit guter Infrastruktur mitunter Krankheitserreger wie Noroviren, Cryptosporidien und Campylobacter durch Trinkwasser übertragen werden können, so Sommer, die am Institut für Hygiene und Angewandte Immunologie der Medizinischen Universität Wien die Arbeitsgruppe für Wasserhygiene leitet. Deshalb sei es unverzichtbar, die Vorkommen so gut wie möglich vor Verunreinigungen zu schützen. "Natürlich wird das nicht gerade dadurch erleichtert, dass wir immer mehr Land verbauen und mit unseren Aktivitäten näher an die Schutzgebiete rücken", sagte sie.

Klimawandel gefährdet Grundwasserqualität

Auch Wetterkapriolen wie Starkregenfälle, die durch den Klimawandel häufiger und intensiver werden, gefährden die Qualität des Grundwassers. "Es gibt Arbeiten, die zeigen, dass verstärkt Magen-Darm-Krankheiten auftreten, wenn es mehr regnet", erklärte die Hygienikerin, die am Freitag an einem Arbeitskreis der Technologiegespräche zum Thema "Wasser" teilnimmt: "Das ist ein Hinweis darauf, dass manche Wasservorkommen nicht ausreichend vor dem Eintrag von Oberflächenwasser geschützt sind."

In Ländern wie Kanada und den USA habe die Desinfektion des Ablauf-Wassers von Kläranlagen Tradition, was in Österreich nicht der Fall ist, sagte Sommer. "Dort hat man nicht so wie bei uns das unverdiente Riesenglück, das Trinkwasser nahezu komplett aus dem Grundwasser gewinnen zu können, sondern muss es aus Flüssen entnehmen, wo stromaufwärts Abwässer eingeleitet wurden", sagte sie. Zur Desinfektion würden sich besonders gut ein physikalisches Verfahren eignen, nämlich UV-Bestrahlung, weil dies im Gegensatz zum üblichen Chloreinsatz die Wasser-Inhaltsstoffe nicht verändert.

Chlor verleiht dem Trinkwasser einen unangenehmen Geruch und Geschmack und wirkt als Oxidationsmittel nicht nur auf Krankheitserreger, sondern auch auf organische Inhaltsstoffe, aus denen dann wiederum unangenehme oder sogar gesundheitsbedenkliche Stoffe entstehen können, erklärte die Expertin: "UV-Bestrahlung riecht nicht und schmeckt nicht, weil es ein physikalisches Verfahren ist". Sie wirke direkt auf das Erbgut der Erreger und verhindert, dass sie sich vermehren können. Weil nur vermehrungsfähige Krankheitserreger Infektionen auslösen können, macht die UV-Bestrahlung demnach die Erreger unschädlich. Mit dem "UV-Team Austria" habe sie ein Verfahren entwickelt, mit dem man die Desinfektionsleistung von UV-Geräten messen kann, berichtet sie. Die aus solchen wissenschaftlichen Arbeiten hervorgegangene ÖNORM würde mittlerweile seit Jahren auch international angewendet.

"Eine große UV-Anlage für den Ablauf der Abwasser-Kläranlage wird in Podersdorf am Neusiedlersee betrieben", sagte Sommer. "Dort wird das Abwasser zunächst biologisch gereinigt und dann desinfiziert, damit es in den See eingeleitet werden kann, sodass die Leute, die darin baden, nicht gefährdet sind."

Trinkwasserversorgung international "größte Herausforderung"

International gäbe es aber noch "größte Herausforderungen", für alle Erdenbürger sicheres Trinkwasser zu gewährleisten und ausreichend sanitäre Einrichtungen zur Verfügung zu stellen, wie es die Vereinten Nationen (UNO) als Entwicklungsziel bis 2030 anstrebt, erklärte Andreas Farnleitner vom Fachbereich Wasserqualität und Gesundheit der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften in Krems und dem Forschungszentrum Wasser und Gesundheit der Technischen Universität (TU) Wien. Dazu kämen Probleme durch den Klimawandel, der manchen Regionen mehr Wassermangel, manchen mehr Überflutungen bringen wird. "Auch Bevölkerungswachstum und die Verstädterung bedingen zusätzlichen Ressourcenstress", sagte er.

Neue Entwicklungen bei der Wassertechnik und -Analytik bringen aber auch neue Möglichkeiten, mit solchen globalen Problemen in Zukunft besser zurechtzukommen, meint der Experte: "Zum Beispiel wird sich die mikrobiologische Wasseranalyse durch molekularbiologische Methoden in den kommenden Jahren enorm weiterentwickeln". Er halte auch international vergleichbare Richtgrößen für die Qualität und den Infektionsschutz für wichtig. Als Beispiel nennt er gesundheitsorientierte Qualitätsziele, wie von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorgeschlagene "maximal tolerierbare Infektionsraten". Das hieße etwa, dass es höchstens zu einer "wasserbürtigen" Infektion kommen darf, wenn 10.000 Menschen ein Jahr Trinkwasser konsumieren. Sämtliche Informationen zu Trinkwasser sollten auch in qualitätsgesicherten Onlineplattformen der Erdbevölkerung frei zur Verfügung gestellt werden, meint er. Farnleitner arbeitet an der von der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) initierten "open access" Wissensdatenbank "The Global Water Pathogen Database" als wissenschaftlicher Facheditor mit.

Service: Technologiegespräche: http://go.apa.at/OB7vQIHl

(Diese Meldung ist Teil einer Medienkooperation mit dem AIT - Austrian Institute of Technology)

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