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Rush Holt kritisiert Geringschätzung der Wissenschaft © APA (AFP)
Rush Holt kritisiert Geringschätzung der Wissenschaft © APA (AFP)

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US-Wissenschaft unter Trump: "Die beste Zeit, die schlimmste Zeit"

10.12.2018

Einreisebeschränkungen, Klimaskeptiker in Top-Positionen und alternative Fakten - US-Präsident Donald Trump und die Wissenschaft sind keine "best friends". Hochrangige Vertreter der US-Wissenschaft zeichnen dennoch ein differenziertes Bild: "Es ist die beste Zeit, es ist die schlechteste Zeit", wandelt etwa der Chef der einflussreichen Wissenschaftsgesellschaft AAAS, Rush Holt, Charles Dickens ab.

Einerseits strotzt für Holt die Wissenschaft vor Gesundheit, es gebe kein Gebiet, in dem nicht enorme und erstaunliche Fortschritte erzielt würden. Auch die staatliche Forschungsförderung sei zwar nicht so hoch wie sie sein sollte, aber immerhin so dotiert wie in den vergangenen Jahren. Befürchtungen über Kürzungen hätten sich - dank der Beschlüsse des Kongresses - nicht bewahrheitet, sagte der Chef der American Association for the Advancement of Science (AAAS) und Herausgeber des Fachjournals "Science" bei einem Treffen mit österreichischen Journalisten in Washington D.C.

Kongress großzügig bei Forschungsförderung

Dem pflichtet auch Marcia McNutt, Präsidentin der National Academy of Science (NAS) bei: "Das Wissenschaftsbudget schaut sehr gut aus." Der Kongress sei den von der Trump-Administration vorgeschlagenen Kürzungen nicht gefolgt, und "sehr großzügig bei der Forschungsförderung" gewesen. Zudem würden derzeit die Budgets schneller beschlossen, während es in früheren Jahren immer wieder Verzögerungen gab, was für Unsicherheit bei Wissenschaftern gesorgt habe.

"Weit weg von dort, wo wir sein sollten", sind dagegen nach Ansicht von Robert Atkins, Chef des auf Innovationsthemen spezialisierten Thinktanks ITIF (Information Technology and Innovation Foundation), die USA bei der staatlichen Finanzierung der Forschung. Das ist allerdings nicht auf die aktuelle Administration zurückzuführen, sondern eine langfristige Entwicklung. "Der Anteil der öffentlichen Forschungsausgaben am BIP ist auf die Vor-Sputnik-Ära zurückgegangen", sagte er. Derzeit betrage dieser rund 0,7 Prozent, habe aber auch schon bei 1,4 Prozent gelegen. "Wir müssten 100 Mrd. Dollar pro Jahr aufwenden, um wieder dorthin zurückzukommen, wo wir waren", sagte er, erwartet aber nicht, dass sich das unter Trump ändern werde.

AAAS als "force for science"

"Schlaflose Nächte" bereitet Holt eine andere Entwicklung, die nicht auf die USA alleine beschränkt ist und ihn zu seiner Einschätzung führt, dass es auch "die schlechteste Zeit" ist: "Ich habe noch nie so viel Missachtung von wissenschaftlichen Fakten erlebt, im täglichen Leben und in der Politik. Die Wertschätzung der Idee der Wissenschaft, dieser genialen Denkweise, die uns hilft, Verzerrungen zu beseitigen und zu zuverlässigem Wissen zu gelangen, ist auf einem sehr niedrigen Niveau", so Holt, dessen Organisation sich seit kurzem als "force for science", also "Kraft für die Wissenschaft" bezeichnet und seine Anstrengungen zur Kommunikation und Förderung der Wissenschaft verstärkt hat.

NcNutt machte auf eine weitere negative Entwicklung aufmerksam: Es gebe Schwierigkeiten und Verzögerungen bei der Visa-Erteilung für ausländische Studenten und Besucher. Von vielen Dekanen habe sie gehört, dass die Zahl der Bewerbungen internationaler Studenten vor allem in technischen und naturwissenschaftlichen Fächern zurückgehe - eine Entwicklung, die auch Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) bei seinen Gesprächen anlässlich seines Besuchs in Washington D.C. immer wieder gehört hat. Mit dem Verlust der Attraktivität, speziell im Graduiertenbereich, würden die US-Unis auch finanzielle Ressourcen verlieren, sagte er.

Montanuni mit "Dual-Degree"-Programmen

Das kann aber auch positive Nebeneffekte haben. Die Montanuniversität Leoben hat vergangene Woche zwei "Dual Degree"-Programme mit der Colorado School of Mines abgeschlossen. Durch die neue Vereinbarung können Studenten in den Fächern "Mining Engineering" und "Petroleum Engineering" ein gemeinsames Masterprogramm absolvieren und damit einen österreichischen und einen US-Abschluss erlangen. "Wir haben sehr lange um diese Vereinbarung gerungen, nun ist es plötzlich sehr schnell gegangen", erklärte Montan-Uni-Vizerektor Peter Moser gegenüber der APA. Er vermutet, dass dahinter der rapide Rückgang an internationalen Master- und PhD-Studenten steht, der mit der neuen Wahrnehmung der USA unter der Trump-Administration zusammenhänge.

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