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Ein Fokus liegt auf den jüngsten nordkoreanischen Tests © APA (AFP)
Ein Fokus liegt auf den jüngsten nordkoreanischen Tests © APA (AFP)

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Überwachungs-Netzwerk für Atomwaffentests im Dienst der Forschung

26.06.2017

Mit wissenschaftlichen Methoden zum Nachweis von Atomwaffentests befassen sich ab heute, Montag, (bis 30. Juni) Forscher bei einer Tagung in der Wiener Hofburg. Im Rahmen der von der in Wien ansässigen Atomteststopporganisation (CTBTO) organisierten Konferenz "CTBT: Science and Technology 2017" geht es aber auch um die zahlreichen anderen Möglichkeiten, die das weltweite Messnetz bietet.

Die CTBTO (Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen) soll den weltweiten und vertraglich gesicherten Verzicht auf Atomtests überwachen. Die UNO-Mitgliedsländer hatten sich im September 1996 bei der Gründung der Organisation darauf geeinigt. Der seit 20 Jahren vorliegende Vertrag kann jedoch ohne die Ratifizierung durch Staaten wie die USA oder China nicht in Kraft treten.

Im Vollausbau 337 Messstationen

Trotzdem baut die Organisation ein umfassendes weltweites Überwachungsnetzwerk zum Aufspüren von Atomexplosionen auf, das im Vollausbau insgesamt 337 Messstationen umfassen wird. Die "Fühler" dieser Stationen zeichnen neben Erderschütterung, auch Infraschall, also Töne, die für das menschliche Ohr zu tief und deshalb unhörbar sind, Unterwasserschall (Hydroakustik) und kleinste Konzentrationen radioaktiver Partikel in der Atmosphäre auf. Mittlerweile seien knapp 90 Prozent der Stationen aufgebaut, wie Experten der CTBTO der APA im Vorfeld der Tagung erklärten.

Im Fokus der Konferenz stehen vor allem die Möglichkeiten, Kernwaffentests mit neuen Methoden nachzuweisen und zu orten. Einen Schwerpunkt bilden die jüngsten nordkoreanischen Tests. Anhand der seismologischen Daten lassen sich die Orte der letzten fünf Detonationen in Nordkorea mittlerweile auf Areale von wenigen hundert Metern eingrenzen. Im Rahmen der Tagung werden internationale Experten ihre Erkenntnisse dazu vergleichen und Methoden zur maschinengestützten, automatischen Auswertung der wichtigen Informationen im riesigen Datenstrom diskutieren.

Daten für die Erdbeben-Risikoeinschätzung

Die Vielfalt an verschiedenen Sensoren, die Abläufe in der Erdkruste, den Ozeanen und der Atmosphäre aufzeichnen, machen die Daten allerdings nicht nur für die momentan 134 von Regierungen eingerichteten Datenzentren und zahlreichen nationalen Katastrophenschutzeinrichtungen, sondern auch für vielfältige wissenschaftliche Anwendungen interessant. Die seismischen Messungen werden weltweit von nationalen Datenzentren, wie der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien, zur Erdbeben-Risikoabschätzung herangezogen. Obwohl die heiklen Aufzeichnungen für die Wissenschaftergemeinde nicht uneingeschränkt frei zugänglich sind, besteht die Möglichkeit, nach Unterzeichnung einer Vertraulichkeitsklausel, Daten für Forschungsprojekte zu erhalten.

Den Ideen der Wissenschafter sind dabei kaum Grenzen gesetzt, heißt es seitens der CTBTO: Mit den hydroakustischen Aufnahmen folge man etwa Walen bei ihren Wanderungen durch die Weltmeere. Anhand der Signaturen lassen sich sogar verschiedene Spezies unterscheiden. Aber auch der Weg großer Eisberge kann so nachverfolgt werden und neue Unterwasservulkane geben in den Daten nachvollziehbar über sich Auskunft.

Momentan arbeite man auf Basis der Infraschallmessungen auch am Aufbau eines Frühwarnsystems, um auf von Vulkanausbrüchen ausgelösten Aschewolken, die den Flugverkehr stören können, hinzuweisen. Mit Hilfe dieser Daten werden zudem beispielsweise Informationen über in die Atmosphäre eintretende Meteoriten gesammelt. Da diese Art der Sensoren nur das CTBTO-Netzwerk biete, entstünden hier aktuell viele Anwendungen. So auch im Bereich der Meteorologie, wo Infraschall-Messungen neue Einblicke in die Vorkommnisse in den oberen Luftschichten ermöglichen.

Service: Weitere Informationen zur Konferenz: https://www.ctbto.org/specials/snt2017

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