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Vertrauenskrise? - "Wissenschaft steht gut da"

25.10.2019

Das Fragezeichen nach "Wissenschaft in der Vertrauenskrise?", so das Motto der Veranstaltung im Wiener Presseclub Concordia, wurde von Heinz Faßmann, vormals Bildungs- und Wissenschaftsminister, gleich in seinem Eingangsstatement in Abrede gestellt. "Die Wissenschaft steht noch immer gut da. Es gibt großes Vertrauen und große Akzeptanz in ihre Aussagen", erklärte der nunmehr wieder als Professor für Angewandte Geografie an der Universität Wien tätige Forscher. Wissenschafts- und Technikforscherin Karen Kastenhofer von der Akademie der Wissenschaften sekundierte: "Es gibt keine Krise der Wissenschaft, auch keine Vertrauenskrise."

Bei einer Podiumsdiskussion des Club Research Mitte Oktober bezog sich Faßmann bei seinem Befund auf drei verschiedene Studien der letzten Jahre, darunter die weltweite Studie des Wellcome Trust, Stiftung für biomedizinische Forschung in UK (gemeinsam mit Gallup), worin im Vorjahr 140.000 Personen in mehr als 140 Ländern befragt wurden. Daraus geht hervor, dass knapp drei Viertel aller Befragten "Vertrauen in die Wissenschaft" haben; in Österreich bekundeten 84 Prozent ihr Vertrauen in wissenschaftlich tätige Personen. Im "Wissenschaftsbarometer" des deutschen Stifterverbands 2018 wurde unter mehr als 1000 Befragten erhoben, dass 54 Prozent in Wissenschaft und Forschung vertrauten, 39 Prozent unentschieden waren, sieben Prozent der Wissenschaft "nicht" bzw. "eher nicht vertrauen".

Keine Entfremdung. Zum Verhältnis Wissenschaft und Politik hielt Kurzzeitpolitiker Faßmann fest, er glaube nicht an die Entfremdung. "Wir brauchen einander ganz dringend." Im Übrigen habe es noch nie so viel wissenschaftliche Beratung gegeben wie derzeit. Dazu komme eine "Flut von wissenschaftlichen Publikationen weltweit - da ist man als Politiker hilflos." Grundsätzlich seien aber zwei Dinge notwendig: evidenzorientierte Politik und missionsorientierte Forschung.

Der Präsident des Österreichischen Wissenschaftsrats, Antonio Loprieno, plädierte für eine "Zähmung der Informationsflut": Die Präsenz der Wissenschaft habe zugenommen, während die Verbindlichkeit der Wissenschaft in der Öffentlichkeit abgenommen habe. "An der Schnittstelle zwischen Vielfalt der Wissenschaft und der Vielfalt der politischen Interpretation entsteht eine Breite, die das Publikum überfordert und zu Gleichgültigkeit führen kann", warnte Loprieno.

Quelle: uniko-Newsletter 6/19

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