Politik & Wirtschaft

(v.l.n.r.): Henzinger, Loprieno, Seidler und Tockner © APA (Punz)
(v.l.n.r.): Henzinger, Loprieno, Seidler und Tockner © APA (Punz)

APA

Wissenschafts-Organisationen fordern "mehr Mut" von Forschungspolitik

19.08.2019

Die Allianz österreichischer Wissenschaftsorganisationen hat nun ihre Empfehlungen an die künftige Bundesregierung deponiert. Gefordert werden u.a. ein Forschungsfinanzierungsgesetz und eine Exzellenzinitiative sowie ein höherer Anteil an wettbewerblicher Forschungsförderung. Von der Forschungspolitik wird "mehr Mut" erwartet, die Schwachstellen des Systems seien schon lange bekannt.

Der Allianz gehören die Universitätenkonferenz (uniko), der Wissenschafsfonds FWF, die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW), das Institute of Science and Technology (IST) Austria und der Wissenschaftsrat an. In ihren Forderungen stützen sich die Organisationen auf Empfehlungen der OECD, der EU und des Forschungsrats.

"Keine Zeit zu verschwenden"

Auf der Liste der Forderungen finden sich Maßnahmen, die bereits von der türkis-blauen Regierung geplant waren und bei einem Forschungsgipfel im Frühjahr präsentiert werden sollten. Doch der wurde auf Herbst verschoben und dann ging die Regierung in Brüche. Für FWF-Chef Klement Tockner gibt es aber "keine Zeit zu verschwenden". Die Rezepte lägen am Tisch, "jede verantwortungsvolle Regierung wird das machen wollen".

"Seit mindestens zehn Jahren ist bekannt, was die Schwachstellen im österreichischen Forschungssystem sind", sagte IST-Präsident Thomas Henzinger. So müsste die Förderung der Grundlagenforschung anteilsmäßig erhöht und der Anteil der im Wettbewerb vergebenen Fördermittel überproportional erhöht werden. "Wir müssten das FWF-Budget vervierfachen, um mit der Schweiz gleichzuziehen", so Henzinger.

Die Idee eines Forschungsfinanzierungsgesetzes geistert schon seit Jahren durch das heimische Wissenschaftssystem, die Allianz will es nun verwirklicht sehen, solange dabei einige Grundprinzipien eingehalten werden. Dazu zählte Tockner Autonomie und Unabhängigkeit der im Gesetz erfassten Forschungseinrichtungen. "Das ist ein Grundpfeiler einer aufgeklärten Demokratie, der nicht selbstverständlich ist", sagte der FWF-Chef unter Verweis auf die Entwicklung in Ungarn. Zudem müsste in einem solchen Gesetz ein kontinuierlicher Wachstumspfad festgeschrieben werden, andernfalls wäre es "nichts anderes als gesetzlich festgeschriebener Stillstand". Gefordert wird von der Allianz ein jährliches Wachstum von zumindest sieben Prozent der Förderbudgets.

Exzellenzinitiative geplant

Auch eine Exzellenzinitiative ist schon länger geplant. Mit dieser solle "der Geist des Wettbewerbs um Gelder" eingeführt werden, sagte Antonio Loprieno, Präsident des Wissenschaftsrats. Als ein zentrales Element einer solchen Initiative nannte er bestimmte Professuren, die derzeit als "Austrian Chairs of Excellence" bezeichnet werden, "die über eine Ausstattung und Strahlkraft verfügen, die es erlauben, die hellsten Köpfe anzuziehen".

Als dringend erforderlich wird eine einheitliche und verbindliche "Overhead-Finanzierung" angesehen. "Overheads" sind indirekte Kosten von Forschungsprojekten, etwa Aufwendungen für Raum- und Gerätenutzung, Strom, Verwaltung etc. "Betriebswirte sagen uns, eigentlich dürft ihr keinen FWF-Antrag stellen, weil mit der Förderung nicht eure Kosten gedeckt werden", sagte die Rektorin der Technischen Universität (TU) Wien, Sabine Seidler. Schließlich fordern die Forscher, die Nationalstiftung für Forschung nachhaltig zu dotieren. Deren Finanzierung aus Gewinnen der Nationalbank ist per Gesetz nur bis 2020 sichergestellt.

Für Seidler ist der Grund für eine Stärkung des Forschungsstandorts "total profan: Das bringt Arbeitsplätze". Konzerne würden sich hier ansiedeln, weil das Forschungspotenzial und damit interessante Leute hier seien. Und für Henzinger ist es "der einzige bekannte Weg, um den Wohlstand langfristig zu sichern".

Weitere Meldungen aus Politik & Wirtschaft
APA
Partnermeldung