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Aus dem Mark eines Schweinezahns kann man prähistorische DNA gewinnen. © Vetmeduni Vienna/Hammer
Aus dem Mark eines Schweinezahns kann man prähistorische DNA gewinnen. © Vetmeduni Vienna/Hammer

Kooperationsmeldung

Lange Nacht der Forschung: Mit Zahn-DNA auf der Spur von Schweinen der Hallstätter Bronzezeit

22.04.2016

Die Lange Nacht der Forschung bringt auch dieses Jahr Hobbyforschern die Wissenschaft auf verständliche und unterhaltsame Weise näher. Das Naturhistorische Museum Wien lädt dafür zu einer Reise nach Hallstatt an die älteste industrielle Speckproduktion Europas ein. An verschiedenen Stationen informieren ForscherInnen wie Sabine Hammer von der Vetmeduni Vienna über die Erkenntnisse, die man aus den prähistorischen Proben ziehen kann. Sie erklärt, wie man aus Schweinezähnen das Erbgut gewinnt und damit erfährt, welche Schweine in Hallstatt verarbeitetet wurden, woher sie kamen und wie sie mit den heutigen Hausschweinen verwandt sind.

Die Menschen in Hallstatt nutzten schon in der Bronzezeit die Salzablagerungen im Berg des Weltkulturerbes zur Haltbarmachung von Fleisch. Rings um prähistorische Surbecken, die der Herstellung von Speck und Pökelfleisch dienten, finden sich deshalb viele, gut erhaltene Überreste von verarbeiteten Schweinen. Diese sind nicht nur Anschauungsmaterial in den Schaukästen des Hallstattsaales des Naturhistorischen Museums in Wien. Sie können auch für die Analyse des Erbgutes, der DNA, verwendet werden. Damit kann man wichtige Rückschlüsse auf die Schweinehaltung und die Verbindungen zu den heutigen Hausschweinen ziehen.

Schweine-DNA aus prähistorischem Zahnmark

"Wir möchten den Besuchern nicht nur die Forschung in und um Hallstatt vorstellen, sondern sie auch darüber informieren, welche Geschichten und Fakten die Forschung aus den prähistorischen Funden herausholen kann. Dafür reicht schon das Zahnmark", erklärt Sabine Hammer vom Institut für Immunologie der Vetmeduni Vienna. Sie arbeitet in Kooperation mit ForscherInnen des Naturhistorischen Museums an der Entschlüsselung der DNA, die sie aus den Zähnen der Schweine gewinnt.

Ausgewählte Stücke der in Hallstatt gefundenen Zähne werden dafür zermahlen. Aus dem Zahnpulver wird das Erbgut aufgereinigt und mit PCR vervielfältigt. Durch Sequenzierung erhält man schließlich den DNA-Code der prähistorischen Schweine und kann diesen mit dem Erbgut von anderen Schweinen vergleichen.

Erstellung eines Stammbaums

Hammer kann aufgrund der genetischen Zusammenhänge zwischen dem entschlüsselten, alten Erbgut und den Informationen in Datenbanken einen Stammbaum erstellen. "So können wir feststellen, welche Schweinerassen in der Bronzezeit gehalten wurden, woher sie kamen und ob sie in Verbindung mit unseren Hausschweinen stehen."

Präsentiert wird das interessante Projekt im Rahmen des Forschungsschwerpunktes Hallstatt im gleichnamigen Saal 12 des Naturhistorischen Museums. Neben einer interessanten Präsentation werden auch die verwendeten Laborgeräte und eine Live-Analyse vervielfältigter DNA für die Öffentlichkeit zu sehen sein. Themengerecht erwartet die Besucher zur Stärkung natürlich eine Kostprobe Speck.

Informationen zur Langen Nacht der Forschung

Die Lange Nacht der Forschung findet österreichweit am Freitag, 22.April 2016, in Forschungseinrichtungen und Museen statt. Beginn ist 17:00. Bis 23:00 können sich Forschungsinteressierte in Wien an insgesamt 48 Ausstellorten und 418 Stationen über unterschiedliche Themen informieren.

Quelle: Veterinärmedizinische Universität Wien

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