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Basiskenntnisse fehlen © APA
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Wiener Betriebe beklagten schlechtes Bildungsniveau von Lehrlingen

17.11.2017

Der Bedarf an Lehrlingen wird in Wien in drei bis fünf Jahren um rund ein Zehntel steigen. Gleichzeitig konnten die Betriebe 2016 rund 600 Lehrstellen gar nicht besetzen. Denn das Bildungsniveau der Schulabgänger sei nicht ausreichend, wird beklagt. Deshalb fordert die Wirtschaftskammer nun, dass Jugendliche die Pflichtschule nur dann verlassen dürfen, wenn sie gewisse Standards erfüllen.

"Je höher die Bildung, desto besser die Jobaussichten. In der Pflichtschule gibt es aber großen Nachholbedarf", sagte Stefan Ehrlich-Adam, Industrie-Spartenobmann in der Wiener Wirtschaftskammer, in einer Pressekonferenz. Basis dafür lieferte eine alle zwei Jahre unter Hauptstadt-Unternehmen durchgeführte "Bildungsbedarfsanalyse". Diesmal wurden gut 1.500 Betriebe, die insgesamt etwa 100.000 Mitarbeiter beschäftigen, befragt, welche Art von Fachkräften sie benötigen, welche Fähigkeiten sie sich von Bewerbern wünschen und wo Handlungsbedarf besteht.

Ein Fokus lag dabei auf der Lehre: Fast zwei Drittel der Unternehmen meinen, das Niveau der Stellenbewerber sei in den vergangenen Jahren schlechter geworden, sagte Edith Jaksch vom Institut Jaksch & Partner, das mit der Umfrage beauftragt worden war. Dabei geht es um Basiskenntnisse wie Lesen, Rechnen und Schreiben sowie Englisch.

Situation verfestigt

Das Problem dabei: Schon vor zwei und vier Jahren war die Bewertung ähnlich schlecht. "Die Situation verfestigt sich", gab Ehrlich-Adam zu bedenken. Allerdings: "Lehrlinge mit Migrationsgrund machen sich sehr gut", so Jaksch. 92 Prozent der Betriebe würden hier über sehr positive Erfahrungen berichten.

Was also tun, um das Bildungslevel von Pflichtschulabsolventen zu heben? Die Kammer wünscht sich eine "Bildungspflicht". Soll heißen: Am Ende der achten Schulstufe darf man die Schule nur dann verlassen, wenn gewisse Bildungsziele - etwa in Deutsch, Mathematik oder Englisch - erfüllt werden. Außerdem müsse das Modell Polytechnikum überdacht werden. Denn die Betriebe sind unzufrieden mit dessen jetziger Form und können sich etwa Alternativen wie ein weiteres Schuljahr oder ein Berufseinführungsjahr vorstellen.

Was die Berufschancen anbelangt, melden die Wiener Betriebe vor allem Nachfrage nach HAK-, HTL- und Fachhochschulabsolventen an. Gewünscht werden allerdings bessere Englischkenntnisse. Uni-Absolventen - vor allem mit Masterstudium - werden ebenfalls vermehrt gesucht. Besonders gefragt seien hier die Fachrichtungen Ingenieurswissenschaften und Informatik, im Bereich Wirtschaftswissenschaften und bei Geistes- und Sozialwissenschaften herrsche indes ein "Überangebot", hieß es.

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