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Sexualpädagogik: Steirische Bildungslandesrätin warnt vor Rückschritt

01.07.2019

Für die Beibehaltung externer Sexualpädogoginnen und -pädagogen in steirischen Schulen ist die steirische Bildungslandesrätin Ursula Lackner (SPÖ) eingetreten. Das Aus für externen Experten in diesem Bereich erachte sie als "Rückschritt um pädagogisch mehrere Jahrzehnte", wie Lackner im Pressegespräch formulierte. Ihr Ressort fördert entsprechende Vereine mit jährlich rund 140.000 Euro.

"Es ist schon verwunderlich, dass ein Entschließungsantrag von ÖVP und FPÖ eingebracht wird, der eine für Schüler und Lehrer wichtige Unterstützungsmaßnahme entzieht", sagte Lackner. Den Jugendlichen müsse ein vertrauenswürdiger Rahmen und Ansprechpartner für das Stellen von intimen Fragen und das Reden über ihre Probleme gegeben werden. "Deshalb unterstützen wir den Einsatz von ausgebildeten Sexualpädagoginnen und -pädagogen, deren Aufgabe es ist, sexuelle Bildung dorthin zu bringen, wo sie am nötigsten gebraucht wird. Mir fehlt jedes Verständnis, dass man den Initiativen den Garaus machen will", zeigte sich die Landesrätin empört.

Von einer "völlig überhöhten Landessubvention" sprachen hingegen die steirischen Freiheitlichen in ihrer Aussendung. "Diesen hochsensiblen Unterricht diversen Vereinen unterschiedlichster Weltanschauungen in die Hände zu legen, halte ich für grob fahrlässig", so der geschäftsführende Klubobmann Stefan Hermann. Die Freiheitlichen wollen Lackner in der Landtagssitzung am 2. Juli auch noch einmal zu diesem Thema befragen.

"Aufklärung nicht den Medien überlassen"

"Wir dürfen die Aufklärung von Jugendlichen nicht den Medien überlassen, insbesondere nicht der Pornografie", betonte Heidi Fuchs, Geschäftsleiterin vom Zentrum für Sexuelle Bildung im Pressegespräch. "Wir führen bereits Wartelisten von über 60 Workshops für das nächste Schuljahr und können die Nachfrage seit Jahren bei weitem nicht abdecken", schilderte Fuchs. Das Frauengesundheitszentrum ist eine weitere steirische Institution, die Workshops in Schulen und Jugendzentren anbietet. Viele Bedingungen für eine qualitätvolle Sexualpädagogik seien laut Sprecherin Hanna Rohn derzeit an den Schulen nicht gegeben: So bilde etwa nur ein einziges Schulbuch in Österreich die gesamte Klitoris der Frau ab.

Im Wissen, dass die Qualitätssicherung ein wichtiges Fundament sei, habe man in der Steiermark bereits vor zehn Jahren das Netzwerk Sexuelle Bildung Steiermark aufgebaut, wo die Qualität der zwölf Mitgliedsorganisationen ständig weiterentwickelt werde. Im Vorjahr haben die Mitglieder mehr als 16.000 Kinder und Jugendliche in Workshops erreicht und es gebe "mehr Nachfrage, als wir decken können". "Wir haben damit in der Steiermark ein Best-Practice, das nicht so einfach zerstört werden sollte", warnte auch Rohn.

Die Qualitätsprinzipien orientieren sich laut Rohn an den Standards der WHO, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sowie am Rahmen des österreichischen Erlasses für Sexualpädagogik - "und wir sind am aktuellen Stand der Wissenschaft, was Lehrer aus Zeitmangel oft nicht leisten können". Gerne würde man an einem österreichweiten Akkreditierungsverfahren für externe Anbieter mitwirken, schloss Rohn. Für den Fortbestand der sexuellen Bildung durch externe Fachkräfte an den österreichischen Schulen nach verpflichtenden Qualitätsstandards trat Denise Schiffrer-Barac, Kinder- und Jugendanwältin des Landes Steiermark.

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