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Rund 240.000 Österreicher haben Probleme mit Lesen, Schreiben oder Rechnen © APA (Pfarrhofer)
Rund 240.000 Österreicher haben Probleme mit Lesen, Schreiben oder Rechnen © APA (Pfarrhofer)

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"Alle lernen dasselbe": Kritik an neuen Regeln für Basisbildung

09.09.2019

Seit Anfang September gelten neue Studienpläne für Basisbildung: Erwachsenenbildungseinrichtungen müssen nun beim Vermitteln von Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen prüfen, ob vorgegebene Lernziele erreicht werden. Die Änderung sei Anreiz zum Weiterlernen, so das Bildungsministerium. "Alle lernen dasselbe, ob sie es brauchen oder nicht", kritisieren indes Forscher der Uni Klagenfurt.

Rund 240.000 Österreicher fallen insgesamt in die Zielgruppe für Basisbildungskurse. Das sind jene Erwachsenen, die Probleme mit den grundlegenden Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen haben. Das neue Curriculum gilt mit dem aktuellen Kursjahr verpflichtend für alle Erwachsenenbildungsorganisationen und gibt vor, dass zu Beginn, begleitend und am Schluss eines Kurses der Kompetenz- und Lernstand der Teilnehmer erhoben wird.

"Keineswegs" ein Paradigmenwechsel

Einen Paradigmenwechsel stelle das "keineswegs" dar, betont man im Ministerium. Durch die Neuordnung sollen Kursteilnehmer leichter weiterführende Bildungsangebote nutzen oder Arbeit finden können. Die Kriterien seien dabei so gestaltet, dass auch wenig leistungsfähige Kursteilnehmer oder solche mir geringen Vorkenntnissen nicht diskriminiert werden. Die Gestaltung der Lehrinhalte, bei denen unterschiedliche Niveaus kombinierbar sind, orientiere sich an den individuellen Lernvoraussetzungen und der Leistungsfähigkeit der Teilnehmer. Von der Bestätigung, welche Kompetenzstufen schon erreicht wurden, erhofft sich das Ressort außerdem mehr Lernzufriedenheit und Selbstbewusstsein der Kursteilnehmer.

Für die Fachgruppe Basisbildung der Uni Klagenfurt steht diese Umstellung weg von rein individuellen Lernzielen allerdings im krassen Gegensatz zu erwachsenenpädagogischen Grundsätzen. Wissen und Fähigkeiten der Teilnehmer würden nicht mehr berücksichtigt, durch die Neuausgestaltung der Studienpläne 30 Jahre Erwachsenenbildungsentwicklung und -forschung nicht berücksichtigt, kritisiert die Gruppe im Vorfeld des am Sonntag stattfindenden Weltalphabetisierungstags. "Es reiht sich in den Reigen der behavioristischen Pädagogik ein, die Lernergebnisse - und zwar nur mess- und vergleichbare - höher bewertet als Lerninteressen und die konkrete Handlungsfähigkeit der Lernenden", schreiben sie in ihrer Stellungnahme. Die Wissenschafter sehen gar eine Rückkehr zu einer "autoritären Vorstellung von 'Alphabetisierung', die prioritär im Interesse von Wirtschaft steht und die wir hierzulande überwunden glaubten."

Damit Basisbildung weiterhin Entwicklung der Kursteilnehmer ermöglichen könne, müsse das Ministerium den Dialog mit Akteuren aus Forschung, Entwicklung und Praxis wieder aufnehmen, appellieren die Forscher. Aus Sicht des Ressorts waren diese allerdings ohnehin eingebunden. Bei diversen Informationsveranstaltungen zur Einführung des Curriculums hätten Praktiker dessen Weiterentwicklung "äußerst positiv beurteilt", sie würden eine Motivationssteigerung erwarten.

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