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PISA-Studie: "Dümpeln", "Luft nach oben" und "schwerfälliger Dampfer"

03.12.2019

Der Quasi-Stillstand Österreichs bei der PISA-Studie hat auch praktisch gleichbleibende Aussagen von Politik und Organisationen zur Bildungspolitik hervorgerufen. Die SPÖ fordert etwa einen Ausbau der Ganztagsschulen, die FPÖ sieht "große Probleme in der Integration", und NEOS wollen Parteipolitik zurückdrängen.

SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid verlangt in einer Aussendung "mehr Anstrengungen für Chancengerechtigkeit in der Schule und einen Fokus auf Leseförderung und Lesemotivation". Wichtigste Maßnahmen sind für sie ein rascher Ausbau der Ganztagsschulen, mehr Mittel für Schulen mit besonderen Herausforderungen - Stichwort Chancenindex - sowie mehr Unterstützungspersonal für die Schulen. "Luft nach oben" gebe es auch beim Thema Lesen. "Die Anstrengungen, die im Schulsystem in den letzten Jahren für die Leseförderung unternommen wurden, werden offenbar von gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen und der zunehmenden Smartphone-Nutzung schon bei jüngeren Kindern konterkariert."

Für ihr FPÖ-Pendant Hermann Brückl zeigen die PISA-Resultate "keine Veränderung, aber große Probleme in der Integration": "Österreich dümpelt nach dieser Studie eigentlich nur hinterher, gut reden kann man das freilich nicht." Eine neue Regierung unter ÖVP-Führung sei "nun gefordert, die unter Blau-Schwarz vereinbarten Punkte weiter zu verfolgen, um die Fähigkeiten unserer Schüler zu verbessern."

Grüne orten "weitere große Herausforderungen"

Die Grünen orten wiederum "weiterhin große Herausforderungen im Bildungswesen". Besonders bitter sei, dass Österreich in puncto Chancengerechtigkeit nach wie vor schlecht abschneidet, so Nationalratsabgeordnete Sibylle Hamann. "Österreich gehört zu jenen Ländern, in denen Bildung am stärksten vererbt wird. Daher ist auch hier der Hebel anzusetzen, wenn wir eine echte Trendwende anstreben."

Bestätigt sehen sich die NEOS: "Das derzeitige Bildungssystem ist wie ein schwerfälliger Dampfer, der offensichtlich - wie die österreichischen PISA-Ergebnisse einmal mehr zeigen - keine Verbesserungen zulässt", meint Bildungssprecherin Martina Künsberg Sarre. Entwicklungen im Bildungsbereich würden von Parteipolitik blockiert. Die Politik müsse sich daher "auf gemeinsame, evidenzbasierte und langfristige Ziele verständigen, die auch über Legislaturperioden hinweg verbindlich sind".

Auch die Industriellenvereinigung (IV) will die PISA-Ergebnisse als "Weckruf für grundlegende Reformen" sehen: "Wenn fast ein Viertel der 15-Jährigen beim Lesen besonders leistungsschwach ist, dann ist das ein seit Jahren beunruhigender Dauer-Befund." Daher brauche es eine Qualitätsoffensive in der Grundbildung. Auch die Wirtschaftskammer (WKÖ) sieht vor allem im Pflichtschulbereich Verbesserungen als notwendig an.

Die Arbeiterkammer (AK) wiederum fordert eine Schulfinanzierung anhand eines Chancenindex. Schulen müssten mehr Mittel bekommen, wenn sie viele Schüler haben, die zusätzliche Förderung brauchen.

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