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Klambauer (NEOS): "Jedes Kind weniger minimiert das Risiko." © APA
Klambauer (NEOS): "Jedes Kind weniger minimiert das Risiko." © APA

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Coronavirus - Warnung: Kindergärten und Krabbelstuben Infektionsherde

17.03.2020

In Salzburg warnen Elementarpädagogen davor, dass das Offenhalten von Krabbelstuben und Kindergärten die Ausbreitung des Coronavirus massiv fördert. "Die empfohlenen Schutzmaßnahmen sind de facto nicht umsetzbar. Wenn die Durchseuchungsrate steigt, wird die Krankheit über die Kinder in die systemrelevanten Berufsgruppen hineingetragen werden", sagte ein Kindergärtner der APA.

Die Gesundheit der Kinder sei in der Obhut des Personals nicht sichergestellt, sagte der Mann. "Wir putzen ihnen die Nase, gehen mit ihnen aufs Klo, wechseln Windeln. Und dass Kinder Abstand halten, ist in dem Alter unmöglich." Wenn es einen Ort gebe, wo Tröpfcheninfektion nicht verhindert werden könne, dann hier. "Wir können die Vorgaben der Regierung unmöglich einhalten."

Von den eigenen Kindern angesteckt

Wenn die Betreuungseinrichtungen vor allem für die Kinder von Eltern in systemrelevanten Berufen offen bleiben, sei das ein Problem. "Ärzte, Pfleger, Polizisten oder Mitarbeiter von Energieunternehmen mögen zwar an ihrem Arbeitsplatz strengen Schutzmaßnahmen unterliegen, so werden sie aber im Endeffekt von den eigenen Kindern angesteckt." Auch der renommierte deutsche Virologe Christian Droste habe erst gestern in einem Interview mit dem Handelsblatt eindringlich vor einer zentralen Notbetreuung gewarnt.

Das Problem habe auch eine weitere Komponente: "Es müssen derzeit auch Pädagogen arbeiten, die gar nicht arbeiten wollen. Ganz egal, ob Familienangehörige zu den vulnerablen Berufsgruppen gehören oder nicht", erklärte der Mann. "Wir haben Kindergärtnerinnen, die sind über 60 Jahre alt. Die dürfen ihre eigenen Enkelkinder nicht sehen, müssen aber in ihrer Einrichtung arbeiten."

Von der Politik allein gelassen

Er selbst fühle sich von der Politik allein gelassen, sagte der Pädagoge. "Es gibt vom Land eine offizielle Ausendung, dass, wenn der begründete Verdacht einer Erkrankung besteht, das Kind isoliert werden und die Betreuung mit Mundschutz durchgeführt werden soll. Das ist sinnlos." Vielmehr sollten alle Kinderbetreuungseinrichtung ganz geschlossen werden. "Wir wissen, dass derzeit nur ein sehr geringer Betreuungsbedarf besteht. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Kind in Betreuung infiziert, steigt mit der Durchseuchungsrate in der Gesellschaft an."

Der Kindergärtner schlägt darum vor, dass Eltern, die in kritischer Infrastruktur arbeiten, ihren Bedarf bei den Landesbehörden melden. Ihnen könnten dann binnen kürzester Zeit Freiwillige aus dem Pool der freigewordene Pädagogen, Lehrer oder Horterzieher ("Team Österreich") zugeteilt werden. "Die Kinder können so zuhause betreut werden." Auch die Berufsgruppe der Salzburger Kindergartenpädagogen schloss sich der Forderung an. "Das ist keine Arbeitsverweigerung. Aber es geht um den Schutz der Gesellschaft", sagte eine Sprecherin.

Die zuständige Landesrätin Andrea Klambauer (NEOS) versuchte im APA-Gespräch zu beruhigen. "Wir haben klar die Message an die Eltern verbreitet, nur im Notfall Kinder in Betreuung zu geben. Jedes Kind weniger minimiert das Risiko. Das hat gut funktioniert." In den Kindergärten seien am Montag und Dienstag nur vereinzelt Kinder gewesen. Zudem habe man die Träger der Einrichtungen informiert, die Gruppen nicht auf gewohnte Größen zusammenzulegen. "Ziel ist es, dass pro Pädagogin nicht mehr als drei Kinder betreut werden." Im Land habe bisher nur eine einzige Kinderbetreuungseinrichtung nach einem Verdachtsfall schließen müssen - jene des Uniklinikums. "Ansonsten sind derzeit noch alle offen", so Klambauer.

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