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Trump fordert Öffnung der Schulen ab dem Herbst

14.05.2020

Schulen und Universitäten in den USA sollten nach Ansicht von Präsident Donald Trump trotz der Coronavirus-Pandemie ab dem Herbst wieder für den Unterricht öffnen. Das neue Schuljahr solle wie geplant losgehen, zumal das Coronavirus "sehr wenig Auswirkungen" auf jüngere Menschen habe, sagte Trump im Weißen Haus.

Die Entscheidung zur Lockerung der Corona-Auflagen liege bei den Gouverneuren der 50 Bundesstaaten, Schulen seien dabei aber wichtig, erklärte Trump. "Ein Staat ist nicht offen, wenn die Schulen nicht geöffnet sind", sagte er.

Trump macht Druck auf die Gouverneure, die von ihnen erlassenen Ausgangsbeschränkungen zu lockern, damit sich die US-Wirtschaft erholen kann. Viele Bundesstaaten haben ihre Auflagen seit Anfang Mai bereits gelockert - obwohl die Pandemie in vielen Landesteilen noch nicht unter Kontrolle ist. Andere Staaten und Städte, darunter zum Beispiel die Hauptstadt Washington und die stark betroffene Metropole New York, wollen ihre Auflagen frühestens im Juni lockern.

Experten warnen

Die meisten Bundesstaaten planen derzeit, den Unterricht an Schulen und Universitäten nach dem Sommer wieder aufzunehmen. Experten warnen allerdings, dass es bisher noch unklar ist, welche Rolle Kinder und Jugendliche - die infolge einer Corona-Infektion relativ selten ernsthaft erkranken - bei der Verbreitung des Virus spielen.

Hochrangige Beamte mahnten zur Vorsicht. "Ohne klare Planung und Umsetzung der Schritte, die ich und andere Experten umrissen haben, wird 2020 der dunkelste Winter der jüngeren Geschichte sein", warnte Rick Bright, ehemaliger Direktor der dem Gesundheitsministerium untergeordneten Behörde BARDA, in einer vorab verbreiteten Aussage für einen Ausschuss des Repräsentantenhauses. Er sollte am 14. Mai im Parlament angehört werden.

Bright kritisierte Trumps Corona-Politik scharf. Es sei eine "unbestreitbare Tatsache", dass im Herbst das Coronavirus erneut auftreten werde. Mit einem gleichzeitigen Ausbruch der Grippe wäre dies eine "beispiellose Belastung" für das Gesundheitssystem. Das Land sei wegen Trumps irreführender Kommunikation und einer fehlenden landesweiten Strategie wie gelähmt. Wissenschaftliche Erkenntnisse müssten die Strategie für den Kampf gegen das neuartige Coronavirus definieren, "nicht Politik und Günstlingswirtschaft".

Bright wurde im April nach eigenen Angaben als Direktor der Behörde geschasst, weil er sich weigerte, von Trump gepriesene Behandlungsmethoden für die Lungenerkrankung Covid-19 zu unterstützen, die nicht wissenschaftlich belegt waren. Er wurde auf einen Posten im Nationalen Gesundheitsinstitut (NIH) versetzt. Trump erklärte, er kenne den Beamten gar nicht.

Warnung vor vorschneller Rückkehr zur Normalität

Auch der Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten, Anthony Fauci, hatte vor einer übertrieben schnellen Rückkehr zur Normalität gewarnt. "Das könnte wirklich ernste Konsequenzen haben", sagte der Trump-Berater in einer Video-Anhörung des Senats. Zu Beginn des neuen Schuljahres werde es wahrscheinlich keinen Impfstoff geben.

"Wir sollten wirklich sehr vorsichtig sein, besonders wenn es um Kinder geht. Denn je mehr wir erfahren, desto mehr sehen wir Dinge darüber, was dieses Virus anrichten kann, die wir bei den Studien in China oder in Europa nicht gesehen haben", sagte Fauci unter Verweis auf Berichte über schwere Covid-19-Fälle mit ungewöhnlichen Symptomen bei Kindern. Trump kritisierte seinen Berater deshalb. "Eigentlich war ich von seiner Antwort überrascht. Für mich ist es keine akzeptable Antwort - besonders, was Schulen angeht."

Wegen des enormen Anstiegs der Arbeitslosigkeit in den USA könnten einer Studie zufolge fast 27 Millionen Menschen mitten in der Corona-Pandemie ihre Krankenversicherung verlieren. Grund dafür sei, dass die meisten Menschen über den Arbeitgeber krankenversichert seien, so die Studie der Kaiser Family Foundation. Nach dem Verlust eines Jobs in den USA endet das Versicherungsverhältnis daher oft sehr schnell - oder Arbeitnehmer können es sich schlicht nicht leisten, die Police privat weiter zu bezahlen.

In den USA haben wegen der Corona-Krise seit März mehr als 33 Millionen Menschen Arbeitslosenhilfe beantragt. Die USA sind praktisch das einzige entwickelte Industrieland ohne eine allgemeine staatliche Krankenversicherung.

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