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Nur 34 Prozent von 607 befragten Betrieben wollen Lehrlinge aufnehmen © APA (dpa)/LIX LOF bwe
Nur 34 Prozent von 607 befragten Betrieben wollen Lehrlinge aufnehmen © APA (dpa)/LIX LOF bwe

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Umfrage prognostiziert Niederösterreich 800 Lehrstellen weniger

08.06.2020

Wegen der Coronakrise werden im Herbst in Niederösterreich wohl 800 Lehrstellen weniger als im Vorjahr angeboten. Laut einer kürzlich in St. Pölten vorgestellten Telefonumfrage der Peter Hajek Public Opinion Strategies GmbH wollen aus derzeitiger Sicht nur 34 Prozent der 607 befragten Betriebe mit Sicherheit Lehrlinge aufnehmen. Das Land Niederösterreich will nun gegensteuern.

38 Prozent der Unternehmen gaben in der vom Land, der Wirtschaftskammer (WKNÖ), der Industriellenvereinigung (IV NÖ), der Arbeiterkammer (AKNÖ) und dem Arbeitsmarktservice Niederösterreich (AMS NÖ) in Auftrag gegebenen Studie an, definitiv keine Lehrlinge aufzunehmen. 23 Prozent seien noch unentschlossen, davon tendierten 14 Prozent zur Aufnahme, neun Prozent dagegen.

Als Mittelwert errechnete die Studie je 2,2 neue Lehrstellen in den Betrieben, die junge Menschen ausbilden wollten. Damit würden insgesamt etwa 4.600 Plätze angeboten. Bei den Zahlen handelt es sich laut Studienautor Peter Hajek um einen "ersten Zielwert, der sich verändern kann". Man müsse weiterhin "auf Sicht fahren".

Auch AMS-NÖ-Geschäftsführer Sven Hergovich zeichnete ein düsteres Bild: Derzeit gebe es in Niederösterreich 7.448 arbeitssuchende Jugendliche, was einem Zuwachs von 98,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspreche. 1.308 junge Menschen suchten unter 664 offenen Lehrstellen. Dennoch: "Wir werden uns darum kümmern, dass wir jedem Jugendlichen in diesem Land einen Ausbildungsplatz zur Verfügung stellen", versprach Hergovich.

Angepasste Förderung

Landesrat Martin Eichtinger (ÖVP) stellte die Unterstützung für Lehrlinge und Betriebe vor und kündigte eine angepasste Förderung von 120 Euro pro Monat für Lehrlinge an. Die gemeinsam mit dem AMS ausgearbeitete Covid-Einstellungsbeihilfe soll zudem Unternehmen, die Lehrabschlussabsolventen anstellen, drei Monate lang mit bis zu 500 Euro monatlich unter die Arme greifen. Die 2019 gestartete Lehrlingsoffensive mit Investitionen von rund 46 Mio. Euro in 7.000 Ausbildungsplätze soll fortgesetzt werden.

Anhand der Hilfen hofft der Landesrat, das Lehrstellendefizit gering zu halten. Man müsse nun auch abwarten, wie die Maßnahmen der Bundesregierung wirkten. Diese könnten allfällig noch zusätzlich vom Land unterstützt werden.

Die Geschlossenheit des Landes und der Sozialpartner stimmte WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker optimistisch. "Es wird ein steiniger Weg, aber gemeinsam schaffen wir das", sagte er. Für IV-NÖ-Präsident Thomas Salzer steht die Industrie im Branchenvergleich bisher gut da, 80 Prozent der Betriebe wollten mindestens dieselbe Zahl der Lehrlinge wie im vergangenen Jahr einstellen. Dennoch müssten Betriebe noch weiter zur Ausbildungsstellenvergabe motiviert werden. "Jede Lehrstelle, die jetzt unbesetzt bleibt, führt in drei bis vier Jahren zum Fachkräftemangel", betonte Salzer und forderte eine bessere Ausbildung für Lehrlingsanfänger etwa in den Bereichen Mathematik und Informatik.

AKNÖ-Präsident Markus Wieser wünschte sich zielgerichtete Aktivitäten und Maßnahmen für Jugendliche ohne Aussicht auf Lehrstellen. Er verwies auf die überbetriebliche Ausbildung in Niederösterreich, die seit 2010 "fast 24.000" jungen Menschen, die in keinem Lehrbetrieb untergekommen waren, eine Ausbildung ermöglicht habe. 70 Prozent seien später an Unternehmen vermittelt worden.

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