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Virale und bakterielle Erkrankungen oft in einen Topf geworfen © APA (dpa)
Virale und bakterielle Erkrankungen oft in einen Topf geworfen © APA (dpa)

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Experten orten mangelndes Wissen über Viren

30.03.2017

Antibiotika zählen zu den Meilensteinen der modernen Medizin. Gegen Viren sind sie jedoch wirkungslos. Das sollte schon bei Schülern zum Allgemeinwissen gehören. Tut es aber nicht immer, wie eine Studie des Fachdidaktikzentrum für Biologie und Umweltkunde der Universität Graz aufzeigt. Die Experten haben untersucht, was Schüler und Studienanfänger sonst noch über Viren wissen.

"Unsere Studie zeigt, dass viele Schüler und Studenten relativ gut Bescheid wussten - vor allem in puncto Prävention und verursachte Krankheiten", schilderte Uwe Simon vom Fachdidaktikzentrum Biologie und Umweltkunde der Uni Graz im Gespräch mit der APA. Gemeinsam mit der in Kärnten unterrichtenden Biologin Sonja Enzinger und Andreas Fink vom Institut für Psychologie hat er mehr als 300 Schüler der 7. bis 10. Schulstufe wie auch 300 Studienanfänger an der Uni Graz befragt. Dabei haben sie aber auch "große Lücken" entdeckt. Die Ergebnisse haben sie in der aktuellen Ausgabe des Online-Magazins PLoS One veröffentlicht.

Wissenslücken in allen Altersstufen

Wie sind Viren aufgebaut, wie vermehren sie sich, wie werden sie übertragen, was hilft im Falle einer Infektion, was verhindert sie? Insgesamt erkannten die Grazer Fachdidaktiker, dass das Wissen von der siebenten bis zur zehnten Klasse zunahm. Nicht erstaunlich sei, dass das virenbezogene Wissen bei Studienanfängern der Biologie "einigermaßen gut" sei. "Es gab aber keine signifikanten Unterschieder mehr zwischen den Zehntklässlern und Studierenden von Nicht-Naturwissenschaftlichen Fächern", hob Simon hervor. Wissenslücken wurden überall geortet.

Die größten Defizite orteten die Grazer Fachdidaktiker insbesondere bei der Frage nach der Vermehrung der Mikroorganismen und wie sie sich zu Bakterien und anderen Krankheitserregern abgrenzen: Das führe u.a. dazu, dass die jungen Erwachsenen und später Erwachsenen virale und bakterielle Erkrankungen in einen Topf werfen und ihren Ärzten mit Unverständnis begegnen, wenn sie nicht das gewünschte Antibiotikum für ihren - überspitzt formuliert - Schnupfen bekommen. Wie wichtig entsprechendes Wissen jedoch wäre, zeige der Bericht zu antimikrobiellen Resistenzen der Europäischen Kommission. Laut diesem gaben mehr als die Hälfte der befragten Österreicher an, dass Viren durch Antibiotika abgetötet würden, illustrierte Simon. Andererseits drohe, dass aus fehlendem Wissen über vorhandene Vakzine, Impfangebote vernachlässigt werden. "Hier muss man in den Schulen gegensteuern und im Unterricht deutlicher eine Abgrenzung zwischen Viren und Bakterien und anderen Krankheitserregern erfolgen", empfahl der Grazer Fachdidaktiker.

Service: "The evil virus cell: Students' knowledge and beliefs about viruses" , U. K. Simon, S. M. Enzinger, A.Fink. PLoS One, http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0174402

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