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14 Privatuniversitäten mit über 200 Studiengängen © APA (dpa)
14 Privatuniversitäten mit über 200 Studiengängen © APA (dpa)

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Privatuniversitäten als rasant wachsendes Nischenphänomen

24.06.2019

Privatuniversitäten sind in Österreich nach wie vor ein Nischenphänomen, allerdings eines mit rasantem Wachstum: 2018/19 gab es laut Österreichischer Privatuniversitätenkonferenz 14.500 Privatuni-Studenten. Das sind sieben Prozent mehr als im Jahr davor und fast drei Mal so viele wie 2008/09. Insgesamt finden sich an den Privatunis allerdings gerade einmal vier Prozent der Studenten.

Die Privatunis ziehen besonders viele Studenten aus dem Ausland an, mehr als 40 Prozent sind es dort gegenüber rund einem Viertel über alle Hochschultypen hinweg. Hier gibt es laut Wissenschaftsministerium auch die meisten fremdsprachige Studienangebote (vor allem Englisch), nämlich ein Viertel der Studien. Sie beschränken ihre Aktivitäten übrigens auch nicht nur auf den heimischen Markt: So hat die Modul University 2016 Außenstellen in China und Dubai eröffnet, die Sigmund Freud PrivatUniversität (SFU) hat neben Wien auch Niederlassungen u.a. in Berlin, Ljubljana, Mailand und Paris.

Von Kunst bis Rechtswissenschaften

Insgesamt gibt es in Österreich derzeit 14 Privatuniversitäten mit über 200 Studiengängen. Thematische Schwerpunkte sind Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Rechtswissenschaften, Medizin, Theologie, Philosophie sowie Kunst und Musik. Die größte heimische Privatuni ist die Sigmund Freud Universität, wo neben Psychologie und Psychotherapiewissenschaften mittlerweile auch Medizin und Rechtswissenschaften belegt werden können. Letzter Neuzugang war die Bertha von Suttner Privatuniversität mit den zwei Bachelor-Studiengängen Psychosoziale Interventionen und Soziokulturelle Arbeit. In Kärnten soll im Herbst durch die Umwandlung des Kärntner Landeskonservatoriums noch eine 15. Privatuni dazukommen.

Privatuniversitäten können in Österreich seit dem Jahr 2000 eingerichtet werden. Erste offiziell akkreditierte Privatuni war die Katholisch-Theologische Hochschule Linz 2001, der Gründungsboom fand in den frühen 2000er-Jahren statt. 2005 war mit damals elf Institutionen bereits fast das aktuelle Niveau erreicht. Einige Einrichtungen haben allerdings ihre Pforten im Lauf der Jahre wieder geschlossen. So wurde der International University, der IMADEC-University und der European Peace University die Akkreditierung entzogen, die TCM-Privatuniversität wurde laut ihrem Gründer "Opfer der Wirtschaftskrise", auch die PEF Privatuniversität für Management stellte ihren Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen ein.

Gleichzeitig kamen immer wieder neue Institutionen dazu. Zum Teil ließen sich dabei bereits bestehende Institutionen als Privatuni akkreditieren, so jüngst geschehen beim "Jam Music Lab", 2017 hervorgegangen aus dem Conservatory for Jazz an Popular Music Vienna.

Nur ein Drittel "Privat"

Der Begriff "Privat" wird bei den Privatunis teilweise strapaziert: Nur ein Drittel der Einrichtungen ist tatsächlich privat. Hinter den meisten stehen Bundesländer, Städte, Kammern, die Kirche oder öffentliche Unis. Rund ein Drittel der Mittel für die Privatunis kommt laut einer Studie des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) von öffentlichen Trägern und Förderern im weiteren Sinne. Nur für den Bund gilt grundsätzlich ein Finanzierungsverbot für Privatunis. Die Privatunis dürfen als einziger Hochschultyp auch frei über die Höhe der Studiengebühren entscheiden. Die Spanne reicht dabei von 363,36 Euro pro Semester an der Anton Bruckner Privatuni (entspricht den Studiengebühren an öffentlichen Unis) bis zu 13.000 Euro pro Semester für Zahnmedizin an der DPU Danube Private University Krems.

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