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Doppeltes Budget bei in etwa halber Studentenzahl © APA (dpa)
Doppeltes Budget bei in etwa halber Studentenzahl © APA (dpa)

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Schweizer Unis mit mehr Geld und Fokus auf Kernaufgabe

22.08.2019

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 29/2019 und nicht zwingend tagesaktuell

Schweizer Universitäten verfügen über deutlich höhere Finanzmittel als ihre österreichischen Pendants und schneiden bei diversen Rankings regelmäßig besser ab. Umgekehrt könnten sich aber auch die eidgenössischen Hochschulen etwas von Österreich abschauen, hieß es bei einem gemeinsamen Pressegespräch anlässlich des Hochschulforums beim Forum Alpbach.

Angesichts der vergleichbaren Zahl der Einwohner bzw. der Uni-Standorte drängt sich ein Vergleich zwischen den beiden Nachbarstaaten auf. An den öffentlichen Schweizer Unis studierten 2018 rund 153.000 Personen, das sind deutlich weniger als an ihren österreichischen Pendants (278.000).

Höheres Budget

Umgekehrt verfügen die eidgenössischen Hochschulen über ein deutlich höheres Budget: 2017 betrug dieses umgerechnet rund 7,6 Mrd. Euro, in Österreich waren es 3,2 Mrd. Euro. Nach der deutlichen Budgetsteigerung für die Jahre 2019 bis 2021 steigt dieser Wert für Österreich auf knapp 3,7 Mrd. Euro. Vereinfacht gesagt: Die Schweizer Unis haben bei in etwa der Hälfte der Studentenzahl ein doppelt so hohes Budget.

Die Grundlagen für die eidgenössischen Erfolge bei Hochschulrankings, Nobelpreisen und der Einwerbung von Grants des Europäischen Forschungsrats seien ganz offensichtlich auch struktureller und budgetärer Art, betonte der geschäftsführende Präsident der österreichischen Universitätenkonferenz (uniko), Oliver Vitouch. Abseits von der direkten Uni-Finanzierung förderte etwa der Schweizerische Nationalfonds (SNF), das Pendant zum heimischen Wissenschaftsfonds FWF, 2018 rund 3.000 Forschungsprojekte mit einem Volumen von mehr als einer Milliarde Euro. Der FWF kam 2018 vergleichsweise auf ein Volumen von 231 Millionen Euro und auf 684 Neuprojekte. "Österreichs Universitäten haben die klare Zielsetzung, ihr Bestes zu geben und von den Besten zu lernen", so Vitouch. "Aber auch die österreichische Hochschul-, Wissenschafts-, Forschungs- und Innovationspolitik muss hier dazulernen, und zwar ganz grundlegend."

Die Schweizer Unis seien auch internationaler ausgerichtet, betonte der Präsident der swissuniversities, Michael Hengartner, gegenüber der APA. Die Mehrzahl der Forscher in der Schweiz kämen aus dem Ausland: Halte sich die Zahl der Schweizer und Nicht-Schweizer bei den Doktoranden noch die Waage, kämen zwei Drittel der Professoren nicht aus der Schweiz. Umgekehrt gingen aber auch zahlreiche Schweizer Forscher ins Ausland: "Wir haben weder einen Brain Drain noch einen Brain Gain, wir nennen es Brain Circulation."

Die bessere finanzielle Ausstattung der Schweizer Unis führte Hengartner zum Teil auf das höhere Preisniveau zurück. Es gebe aber auch historische Gründe: "Die Schweiz hat schnell gelernt, dass Innovation wichtig ist für Wettbewerbsfähigkeit eines Landes."

Von österreichischen Unis lernen

Die Schweiz könne aber auch Dinge von den österreichischen Unis lernen - etwa deren Selbstverständnis als Ort der Bildung. "In der Schweiz spüren wir immer mehr, dass Studierende nur eine Ausbildung haben möchten." Es fehle der Wille und die Bereitschaft zur Entwicklung der Persönlichkeiten.

Außerdem seien die österreichischen Unis aktiver mit Politik und Gesellschaft verbunden, während sich die Schweizer auf ihre Kernaufgaben konzentrierten, meinte Hengartner. "Bei uns ist es auch noch nie passiert, dass ein Uni-Rektor Bildungsminister wird." Als weitere Beispiele nannte er das Engagement der österreichischen Unis für Flüchtlinge.

Darüber hinaus sehe man in Sachen Autonomie noch "Entwicklungspotenzial" in der Schweiz. Und schließlich sei Österreich Teil der EU und habe damit uneingeschränkten Zugang zu den EU-Forschungsrahmenprogrammen. "Wir haben dagegen jedes Mal eine Zitterpartie. Es ist absolut unsicher, ob wir beim nächsten Forschungsrahmenprogramm oder Erasmus dabei sind."

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