Bildung

Abstrakten Wortgebilden soll der Kampf angesagt werden © APA (dpa)
Abstrakten Wortgebilden soll der Kampf angesagt werden © APA (dpa)

APA

Einfaches Amtsdeutsch: Uni-Verwaltung kommuniziert oft zu kryptisch

17.10.2019

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 37/2019 und nicht zwingend tagesaktuell

Fremdwörter, Fachbegriffe, lange Sätze: Viele Bürger haben Probleme mit Amtsdeutsch - auch Studierende, wenn es um ihre Rechten und Pflichten an den Hochschulen geht. Die Vereinfachung der Amtssprache im Hochschulbereich hat sich eine Tagung am 21. Oktober in Graz zum Ziel gesetzt.

An wen kann man sich noch wenden, wenn ein "monokratisches studienrechtliches Organ erster Instanz" bereits entschieden hat? Was ist ein "Mangel" und was ein "schwerer Mangel" bei der Durchführung von Prüfungen, und was ist von einem "nicht-konsekutiven Masterstudium" zu erwarten? Die Ombudsstelle für Studierende ist immer wieder mit Anfragen von Studieninteressierten und Studierenden konfrontiert, bei denen es um das Verständnis von Begrifflichkeiten im Rahmen des Studiums geht. Nun will man den abstrakten Wortgebilden, die den Lesern die Schweißperlen auf die Stirn treiben, den Kampf ansagen.

Antrag abgelehnt - aber wieso?

Es sei für Betroffene gelegentlich schwierig, die Auswirkungen für die eigene Situation aus Gesetzespassagen oder höchstgerichtlichen Entscheidungen ableiten zu können, begründete Josef Leidenfrost, Leiter der Ombudsstelle für Studierende, die Initiative zur Tagung in Graz. Etwa bei der Anrechnung von Prüfungen, die an anderen Hochschulen abgelegt wurden: "Wenn alles positiv gewertet wird, kümmern sich Studenten nicht um die teils kryptische Begründung. Problematisch wird es erst, wenn der Antrag abgelehnt wird und sich keiner auskennt wieso", schilderte Leidenfrost gegenüber der APA im Vorfeld der Tagung.

Er gab auch die Auflösung des Begriffes "monokratisches Organ": Dabei könne es sich um mehr als 20 unterschiedliche Instanzen handeln, etwa um den Dekan oder den Rektor. Hier ergebe sich laut Leidenforst das nächste Problem: Die Bezeichnung für die konkrete Zuständigkeit kann jede Universität selbst wählen - das genau wiederum werde für Studierende, die auf mehreren Unis inskribiert sind, zum Problem.

"Herzeigbeispiele" als Vorbilder

Zielgruppe der Tagung im Großen Saal der Landesbuchhaltung sind laut Programm alle an den österreichischen Hochschulen in der Verwaltung und im Service sowie Beschwerdemanagement tätigen Beamten und Mitarbeiter. "Es ist Aufgabe der Hochschulen und der Hochschulverwaltung, Studieninteressierte und Studierende umfassend und in einer Form zu informieren, die Verständlichkeit garantiert", brachte es Elmar Pichl, Leiter der Hochschulsektion des Bildungsministeriums, auf den Punkt. Unter anderem werden die Leiter von Studien- und Prüfungsabteilungen und Studienservices von Grazer Hochschulen auf der Veranstaltung, die gemeinsam mit dem Amt der Steiermärkischen Landesregierung durchgeführt wird, "Herzeigbeispiele" vorstellen. Sie sollen als Vorbild für andere Hochschulinstitutionen dienen.

Das Referat für Kommunikation des Landes Steiermark hat bereits 2017 unter dem Titel "Verständliche Steiermark" einen Reformprozess zur besseren Verständlichkeit von Verwaltungssprache begonnen. Dieses Projekt sei auch maßgeblich verantwortlich dafür, dass die Tagung in der Steiermark angesiedelt wurde. Projektleiterin Inge Farcher wird die Ergebnisse präsentieren. Vonseiten der ÖH erfolgt eine Analyse von Studierendeninformationen online und wie diese bei den Studierenden ankommen können. Zudem werden im Rahmen der Tagung weitere hochschulische Verwaltungsbereiche auf mögliche Vereinfachungen der Sprache abgeklopft und weitere Schritte in Richtung Verbesserung und Gestaltung des Dialogprozesses entwickelt.

Service: Ombudsstelle für Studierende im BMBWF online unter http://www.hochschulombudsmann.at

STICHWÖRTER
Hochschulwesen  | Studenten  | Steiermark  | Bez. Graz  | Graz  | Bildung  | Schule  | Lehren und Lernen  |
Weitere Meldungen aus Bildung
APA
Partnermeldung