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Forscherteam zeigt Ansatzpunkte auf © APA
Forscherteam zeigt Ansatzpunkte auf © APA

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Demograf Lutz für UN-Nachhaltigkeitsziele als Leitmotiv für Regierung

17.10.2019

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 37/2019 und nicht zwingend tagesaktuell

Armut und Hunger beenden, Gesundheit für alle oder der Schutz des Klimas und der Ökosysteme - darauf zielen die UNO-Nachhaltigkeitsziele ab. Der Demograf Wolfgang Lutz forderte kürzlich in Wien, die 17 Ziele auch zum Leitmotiv der neuen Bundesregierung zu erheben. Die Zuständigkeit für deren Umsetzung in Österreich sollte nicht im Landwirtschaftsministerium, sondern beim Kanzler liegen.

Der Katalog der sogenannten Sustainable Development Goals (SDGs) umfasst neben den 17 Hauptzielen auch 169 Unterziele, die diese erläutern und konkretisieren. Die im Jahr 2015 von 160 Regierungschefs beschlossenen Ziele gelten bis 2030 und werden daher auch "Agenda 2030" genannt.

Lutz hat kürzlich als einer von 15 Forschern weltweit einen Bericht über das Erreichen der Ziele an die UNO vorgelegt. Dieser trage nicht umsonst den Titel "The Future is now: Science for achieving sustainable development". Man habe damit versucht, "die Alarmglocke zu läuten", sagte Lutz bei einer Diskussion an der Akademie der Wissenschaften (ÖAW). So wurden zwar etwa bei der weltweiten Armutsbekämpfung Fortschritte erzielt, in anderen Bereichen, wie der wirtschaftlichen Ungleichheit, der dramatisch schwindenden Artenvielfalt oder den unverändert hohen CO2-Emissionen gehe die Entwicklung jedoch in die falsche Richtung. Um "nicht nur düstere Wolken zu zeichnen, sondern auch Positivbeispiele anzuführen", hat das hochrangige Forscherteam Ansatzpunkte aufgezeigt, wie gegengesteuert werden sollte.

Stärkere Beteiligung der Wissenschaft gefordert

Die Wissenschaft müsse sich jedenfalls stärker mit ihrer Expertise beteiligen und an Politik, Gesellschaft und Wirtschaft herantreten. Es reiche eben nicht mehr, nur fundierte Einzelerkenntnisse in mehr oder weniger isolierten Fachjournalen zu publizieren. Man müsse sich mehr auf das Aufzeigen "des größeren Bildes" konzentrieren, so Lutz, der das World Population Program am Internationalen Instituts für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien und das Institut für Demografie der ÖAW leitet.

Tatsächlich könne "die Wissenschaft hier sehr viel beitragen, es kommt aber nicht so gut in der Öffentlichkeit an wie Greta (Thunberg, Anm.)", sagte der ehemalige Rektor der Universität für Bodenkultur und Präsident der Christian Doppler Forschungsgesellschaft (CDG), Martin Gerzabek. Österreich sei im Bereich der Nachhaltigkeitsforschung zwar stark engagiert, von den kommenden Veränderungen aber voraussichtlich auch stark betroffen. So stehe etwa dem in den vergangenen Jahren "enormen Flächenverbrauch" der Befund gegenüber, dass durch die Klimaerwärmung rund ein Drittel der heimischen produktiven Böden verloren gehen könnte, sagte der Bodenforscher.

Das vielfach gezeichnete Bild von "Österreich als Umweltmusterland" habe eigentlich nie zugetroffen, konstatierte auch Sigrid Stagl, Leiterin des Instituts für ökologische Ökonomie an der Wirtschaftsuniversität Wien. Sie forderte von der Wissenschaft, "ihre Zurückhaltung öfter aufzugeben und aus der Komfortzone herauszukommen".

Service: Der Bericht "The Future is now: Science for achieving sustainable development" online: http://go.apa.at/77dPhBfM

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