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3.000 Quadratmeter sollen als Ausstellungsfläche zur Verfügung stehen © APA (Fohringer)
3.000 Quadratmeter sollen als Ausstellungsfläche zur Verfügung stehen © APA (Fohringer)

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hdgö-Evaluation für Neubau am Heldenplatz und gegen Namensänderung

12.12.2019

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 45/2019 und nicht zwingend tagesaktuell

Einen "Neubau am Heldenplatz" hält das von der vorigen Bundesregierung mit der Evaluation des Hauses der Geschichte (hdgö) betraute Expertenteam für die beste Lösung. Eine vom damaligen Kulturminister Gernot Blümel und Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (beide ÖVP) angestrebte Namensänderung unterstützt das Gremium nicht. Eine Anbindung an den Nationalrat hält man dagegen für "gut geeignet".

Laut Kulturminister Alexander Schallenberg wurde der Bericht bereits "den Vertretern der Institution, den Beiräten, der Bundesregierung und dem Nationalratspräsidenten vorgestellt", heißt es in einer Aussendung, in der der Minister dem fünfköpfigen Gremium für seine Arbeit dankt. In dem Bericht werden "Fortführung und Fortentwicklung" der im November 2018 eröffneten Institution befürwortet und eine rechtliche Absicherung mit einem eigenen Gesetz angeregt, gleichzeitig aber der bisherige Verlauf des Projektes kritisiert. Gemessen an den Zielsetzungen seien Budget- und Personalausstattung "nicht ausreichend", zudem werden Zeitdruck, Planungsunsicherheit sowie die räumliche Redimensionierung beklagt.

Klar ist für das aus Barbara Glück (Leiterin der KZ-Gedenkstätte Mauthausen), Hans Walter Hütter (Präsident der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und hdgö-Beiratsmitglied), Constanze Itzel (Leiterin des Hauses der Europäischen Geschichte in Brüssel), Hannah M. Lessing (Generalsekretärin des Nationalfonds der Republik Österreich) und Hans-Peter Wipplinger (museologischer Direktor des Leopold Museums) zusammengesetzte Evaluationsteam: "Die derzeitige Ausstellungspräsentation auf einer Fläche von weniger als 800 Quadratmeter in der Neuen Burg ist nicht ausreichend." Aktuell stehen dem hdgö 750 Quadratmeter Dauer- und 300 Quadratmeter Wechselausstellungsfläche zur Verfügung.

Neubau soll alle Ziele an einem Standort vereinen

Als "optimale Lösung" schlägt man daher "einen Museumsneubau am Heldenplatz" vor. So könnten alle Ziele des hdgö "an einem herausragenden Standort im Herzen von Wien sichtbar gemacht werden. Die zeitlichen und finanziellen Vorgaben sind bei grundsätzlicher Entscheidung für diese Variante durch geeignete Machbarkeitsstudien zu eruieren", bleibt man bezüglich der Kostenfrage eher vage und verweist auf das ursprüngliche Konzept (Haas-Studie) aus dem Jahr 2009. Damals wurde ein Neubau - je nach Dimensionierung - zwischen 43 und 112 Millionen Euro veranschlagt. Neben der Neubau-Variante sei aber auch eine Lösung mit einem "vergleichbaren Gebäude im Zentrum von Wien" oder "eine erweiterte Raumlösung in der Neuen Burg" denkbar.

Was die Größe des Hauses betrifft, sehen die Experten die bereits in der Haas-Studie enthaltene Variante mit einer Gesamtfläche von insgesamt rund 10.000 Quadratmetern in der Poleposition. Davon sollten 3.000 Quadratmeter als Ausstellungsfläche zur Verfügung stehen. Ungefähr 2.500 Quadratmeter entfielen auf die Dauerausstellung, rund 500 bis 600 Quadratmeter wären für Wechselausstellungen gedacht. Der Gesamtaufwand im ersten Betriebsjahr in der mittleren Variante wurde in der Haas-Studie auf rund 6,4 Mio. Euro geschätzt. Im Bericht selbst schreiben die Experten mit Verweis auf die Studie aus 2009 nur, dass das hdgö "finanziell und personell hinreichend und langfristig auszustatten" sei.

Nicht im Evaluationsbericht enthalten ist eine Empfehlung für die von Sobotka und Blümel noch vor der Eröffnung des hdgö angedachte Änderung des Namens unter dem Arbeitstitel "Haus der Republik". Die Experten sprechen sich dafür aus, "die Bezeichnung 'Haus der Geschichte Österreich(s)' fortzuführen". Der Name sei international Usus für derartige Museen sowie "einerseits ausreichend spezifisch, andererseits auch mit Blick auf den präsentierten Zeitraum hinreichend neutral".

Von der Aufklärung bis in die Gegenwart

Inhaltlich sollte die Darstellung der Geschichte "etwa mit der Aufklärung beginnen und in der Gegenwart enden". "Der Gegenwartsbezug ist von herausgehobener Bedeutung, um das Haus lebendig zu halten und die Bürgerinnen und Bürger in ihrem Lebensumfeld zu erreichen", heißt es im Bericht weiter, der u.a. auch eine Verankerung des Hauses mittels eigenem Gesetz und die Einrichtung einer eigenen Sammlung empfiehlt.

Der seitens der Politik geäußerte Wunsch, das Haus aus dem Verband der Österreichischen Nationalbibliothek herauszulösen und stärker an das Parlament anzubinden, wird von dem Gremium als "gut geeignet angesehen". Das hdgö solle jedenfalls als "institutionell selbstständige und wissenschaftlich unabhängige Einrichtung geführt werden". Die Experten empfehlen, die Ergebnisse der Evaluierung "in das künftige Regierungsprogramm aufzunehmen, um so eine rasche Umsetzung einer ständigen Einrichtung zur österreichischen Geschichte zu ermöglichen".

Monika Sommer: Mehr Platz und Geld "essenziell"

Monika Sommer, Direktorin des hdgö, freut sich in einer Stellungnahme gegenüber der APA über das Vorliegen des Expertenberichts. Dieser bilde "eine solide Grundlage für die Entscheidung über die Zukunft des Hauses, die in der Verantwortung des Eigentümers liegt", so Sommer in Richtung des Bundes.

Die Eckpfeiler - "wissenschaftliche Unabhängigkeit, mehr Platz und mehr Geld" - seien auch aus ihrer Sicht "essenziell für ein langfristig in der österreichischen Museumslandschaft verankertes Haus der Geschichte". Wie sich die konkrete Ausgestaltung dieser drei Punkte in Hinblick auf eine angeregte Anbindung ans Parlament, den favorisierten Neubau und die Anhebung des Budgets gestalte, liege nun in Händen der nächsten Regierung. "Aus Sicht des Hauses kann ich sagen, wir haben bereits Erfahrung mit einer Anbindung gemacht und arbeiten sehr gut mit der ÖNB", unterstreicht Sommer die bisherige gute Zusammenarbeit mit der Nationalbibliothek. "Die räumlichen Einschränkungen waren in den aktuellen Rahmenbedingungen gegeben, wir haben soweit das Beste daraus gemacht und mit der Ausstellungsarchitektur soeben einen Preis gewonnen, nämlich den German Design Award", freut sich die hdgö-Direktorin, die aber auch festhält: "Mit den empfohlenen 10.000 Quadratmetern Fläche hätte ein künftiges Haus natürlich ganz andere Möglichkeiten."

Gemeinsam mit ihrem Team werde sie "gern mit Elan und Expertise an dieser nächsten Etappe" mitarbeiten. 120.000 Besucher seit der Eröffnung im Herbst 2018 hätten gezeigt: "Zeitgeschichte bewegt und hat einen Impact auf die Gegenwart." Bis neue Rahmenbedingungen gesetzt sind, werde man jedenfalls "unser Programm und unseren Kurs jedenfalls weiterfahren". Man werde sich "auch gerne mit unserer Erfahrung in diese Prozesse" einbringen. "Mir persönlich wären vor allem zeitnahe Entscheidungen wichtig. Die Zweite Republik würde sich damit - im 75. Jahr ihres Bestehens - selbst ein Geburtstagsgeschenk machen."

Kritik von NEOS und SPÖ bezüglich Anbindung ans Parlament

Weitgehend positiv wurde der Bericht der Evaluierungskommission von politischen Parteien aufgenommen. Dabei wird die Forderung nach Eigenständigkeit ebenso begrüßt wie der Ruf nach einem Neubau, die Anbindung ans Parlament stößt bei SPÖ und NEOS auf Kritik.

SPÖ-Kultursprecher Thomas Drozda plädiert laut Aussendung für ein eigenständiges Bundesmuseum und "eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den Museen" und hebt dabei vor allem das Heeresgeschichtliche Museum hervor. Dieses solle "hier mitgedacht und eine Integration der beiden Museen überlegt werden". Die zuletzt vom ehemaligen Kulturminister Gernot Blümel und Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (beide ÖVP) ins Spiel gebrachte und auch in der Evaluierung unterstützte Anbindung des hdgö an das Parlament sieht er hingegen kritisch. Diese "wäre eher gegen die Ideen des Weißbuchs", so Drozda.

In dieselbe Kerbe schlägt auch NEOS-Kultursprecher Sepp Schellhorn: "Wir wollen ein eigenständiges, völlig von der Tagespolitik unabhängiges Haus der Geschichte. Die Anbindung an das Parlament wäre hier das völlige Gegenteil. Ein unabhängiges Haus der Geschichte mit einem eigenständigen Standort muss das Ziel sein", heißt es in einer Aussendung. Bei der Standortfrage können sich die NEOS sowohl einen Neubau am Heldenplatz als auch eine "andere vorhandene sinnvolle Immobilie vorstellen". Was das im Bericht angesprochene Kuratorium betrifft, solle man auf unabhängige Experten setzen und auf Vertreter der im Nationalrat vertretenen Parteien verzichten. "Nur so kann man die politische Unabhängigkeit des Hauses garantieren", so Schellhorn.

Service: Der Bericht online: http://go.apa.at/giWmbCNa

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