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Ehrlich-Preis für Entdecker der "Blauhelme des Immunsystems"

21.01.2020

Für die Entdeckung der "Blauhelme des Immunsystems" wird der japanische Immunologe Shimon Sakaguchi mit dem Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2020 geehrt. Er hat Mitte der 1990er-Jahre die sogenannten regulatorischen T-Zellen entdeckt, wie der Stiftungsrat in Frankfurt bekanntgab. Der 69-Jährige forscht und lehrt an der Osaka-Universität in Japan.

Die mit 120.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 14. März in der Frankfurter Paulskirche überreicht. Sie gilt als eine der renommiertesten Ehrungen für Grundlagenforscher.

Dank der regulatorischen T-Zellen bleibt das Immunsystem im Gleichgewicht. Es unterscheidet mit ihrer Hilfe, was fremd ist und was zum Körper gehört. Fehler bei dieser Unterscheidung führen zu Autoimmunerkrankungen oder Allergien. Ohne regulatorische T-Zellen drohen Krankheiten wie Multiple Sklerose oder Rheuma, nützliche Bakterien im Darm würden nicht toleriert und ein heranwachsendes Kind im Mutterleib abgestoßen werden.

Auszeichnung für "Weitsicht und Beharrlichkeit"

Sakaguchi wird nicht nur für diese "bahnbrechende" Entdeckung geehrt, betonte der Stiftungsrat, "sondern auch für seine Weitsicht und konsequente Beharrlichkeit". Sakaguchi habe seinen eigenen Experimenten mehr getraut als der bis dahin gängigen Lehrmeinung.

Regulatorische T-Zellen seien exzellente Zielmoleküle für Therapien - "sowohl für Erkrankungen, bei denen das Immunsystem über die Stränge schlägt, als auch für Erkrankungen, bei denen das Immunsystem nicht mit der gebotenen Konsequenz gegen Missstände vorgeht", wie der Stiftungsrat mitteilte. Für die einen müssen die regulatorischen T-Zellen gestärkt werden; gegen Krebs versucht man, ihre Aktivität zu dämpfen. "Inzwischen prüfen zahlreiche klinische Studien diese neuartigen Konzepte", berichteten die Juroren.

Der Nachwuchspreis geht in diesem Jahr an Judith Reichmann vom Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) in Heidelberg. Die 35-Jährige habe gezeigt, warum Maus-Embryonen mitunter die falsche Zahl an Chromosomen haben oder über mehr als einen Zellkern verfügen. Ihre Erkenntnisse zu den Fehlerquellen bei der Bildung von Ei- und Samenzellen bei Mäusen seien auch für das Gelingen menschlicher Fortpflanzung interessant.

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