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Wiesinger-Buch - Autorin: "Ich bin kein wütender Maulwurf"

21.01.2020

NMS-Lehrerin Susanne Wiesinger steht weiterhin dazu, dass sie ihr Buch "Machtkampf im Ministerium" parallel zu ihrer Tätigkeit als "Ombudsfrau für Wertefragen und Kulturkonflikte" verfasst hat. "Ich bin keine Wutlehrerin", sie brenne dafür, Probleme öffentlich zu benennen. Und sie habe auch niemanden im Bildungsministerium ausspioniert. "Ich bin kein wütender Maulwurf", betont sie im APA-Gespräch.

Die ihr vom Ministerium zur Seite gestellten Beraterin Heidi Glück - einst Pressesprecherin von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer und Kanzler Wolfgang Schüssel (beide ÖVP) - hatte Wiesinger unterstellt, sie sei "mehr Maulwurf als Ombudsfrau" gewesen. Wiesingers Anwälte prüfen deshalb eine Klage wegen "Ehrenbeleidigung".

Sie habe das Buch mit dem Untertitel "Wie Parteipolitik unsere Schulen zerstört" geschrieben, weil das Thema in ihren vielen Gesprächen mit Lehrern und Schulleitern derart dominant gewesen sei, schildert Wiesinger. Es sei als das große Problem neben mangelnder Integration vor allem muslimischer Schüler, immer schlechteren Deutschkenntnissen und Strukturproblemen gewesen. "Als offensichtlich wurde, dass das Ministerium kein Interesse an einer unabhängigen Ombudsstelle hatte, habe ich mich entschieden, die parteipolitische Einflussnahme in einem persönlichen Buch zu verarbeiten. Nur wenn man den Bericht und das Buch liest, erhält man ein vollständiges Bild."

Permanentes Gegeneinanderarbeiten

Das permanente Gegeneinanderarbeiten der im Schulsystem dominanten Parteien SPÖ und ÖVP habe massive Auswirkungen auf die Arbeit im Klassenzimmer. Es gebe kein Interesse an Lösungen, nur daran, ein parteipolitisches Programm durchzuziehen. Unter Lehrern und auch Direktoren ortet sie nach ihren vielen Gesprächen als Ombudsfrau hingegen einen starken Wunsch danach, Parteipolitik aus den Schulen draußen zu halten. Allein: "Außer dem Bildungsminister (dem von der ÖVP nominierten Parteifreien Heinz Faßmann, Anm.) gibt es keine parteipolitisch unabhängigen Posten in diesem System."

Das bringe schwarze Leiter ebenso unter Druck wie rote, die ihre pädagogischen Überzeugungen der Parteilinie unterordnen müssten. "Und manchmal werden sie auch zerrieben in einem Kampf Bildungsdirektionen (früher Landesschulräte) und Ministerium, ein Kampf Land gegen Bund, Bund gegen Land." Besonders extrem sei das beim schwarzen Bildungsministerium und der roten Bildungsdirektion. Die Folge: Schulleiter bekämen teils widersprüchliche Infos und Anweisungen.

"Klima der Angst"

Bei ihren Terminen sei es teils gar nicht so leicht gewesen, Lehrer und Schulleiter dazu zu bringen, offen über ihre Probleme zu sprechen. "Das ist ein Klima der Angst - vor Ausgrenzung, dass man isoliert dasteht, und bei Schulleitern sicher vor Konsequenzen bis zu weniger Ressourcen."

Der SPÖ, der sie als frühere FSG-Lehrervertreterin nahesteht, stellt sie für ihre Bildungspolitik ein besonders schlechtes Zeugnis aus. "Das ist reine Opposition. Die machen Oppositionspolitik, ich finde aber sie sollen Schulpolitik machen."

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