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Nach rund sechs Wochen übernimmt die Plazenta die Progesteron-Produktion © APA (dpa)
Nach rund sechs Wochen übernimmt die Plazenta die Progesteron-Produktion © APA (dpa)

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Forscher fanden neuen Hinweis auf Risikofaktor für Fehlgeburten

24.01.2020

Einen neuen Hinweis auf einen Mechanismus, der eine Rolle bei wiederkehrenden Fehlgeburten spielen dürfte, hat ein Forschungsteam aus Wien entdeckt. Einer im Fachblatt "Journal of Lipid Research" erschienenen Studie zufolge dürften bestimmte Zellen, die von der Plazenta zur Gebärmutterschleimhaut wandern, weniger Cholesterol in Progesteron umwandeln. Das erhöht offenbar die Fehlgeburt-Gefahr.

Die Wissenschafter um Sigrid Vondra von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der Medizinischen Universität (MedUni) Wien untersuchten bestimmte Zellen die während der Schwangerschaft an der Produktion des Hormons Progesteron beteiligt sind. Dieses nimmt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Mutterkuchens ein, der aus der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) heraus gebildet wird. Progesteron sorgt dafür, dass sich das Endometrium im Fall einer beginnenden Schwangerschaft verdickt, sich wichtige Blutgefäße herausbilden können und sorgt dafür, dass sich das Immunsystem der Mutter nicht gegen die Versorgungseinrichtungen des Ungeborenen richtet, heißt es in einer Aussendung.

Während unter normalen Umständen die Eierstöcke Progesteron produzieren, übernimmt nach rund sechs Wochen Schwangerschaft die Plazenta die Produktion. Diese Übergabe stellt einen entscheidenden Faktor bei der Aufrechterhaltung von Schwangerschaften dar. Dafür sprechen auch Beobachtungen, wonach die Gabe des Hormones die Chancen auf eine erfolgreiche Geburt leicht erhöhen kann.

Unterschiede zwischen auswandernden und verweilenden Zellen

In der Plazenta wird Progesteron großteils von Zellen produziert, die sich eher an der Oberfläche des Gewebes befinden. Manche dieser Zellen wandern aber auch in die Gebärmutterschleimhaut, wo sie dabei beteiligt sind, Blutgefäße umzustrukturieren. Bei ihrem Vergleich von Zellen, die im Mutterkuchen verweilen, mit solchen, die auswandern, stießen die Forscher nun auf Unterschiede.

Bei Frauen, die bereits mehrere Fehlgeburten hatten, zeigte sich, dass in wandernden Zellen geringere Konzentrationen eines Enzyms zu finden waren, das bei der Umwandlung von Cholesterol in Progesteron eine wichtige Rolle spielt. In jenen Zellen, die an der Plazenta-Oberfläche bleiben, fand das Team, dem auch Forscher aus Oberösterreich und den USA angehörten, keine Reduktion dieses Enzyms. Die Wissenschafter werten ihre Ergebnisse als Hinweis darauf, dass die Progesteron-Produktion in den wandernden Zellen vor allem am Beginn von Schwangerschaften eine entscheidende Rolle spielen könnte.

Service: https://dx.doi.org/10.1194/jlr.P093427

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