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Mortalität mit regelmäßigen Untersuchungen um ein Fünftel reduzierbar © APA (dpa)
Mortalität mit regelmäßigen Untersuchungen um ein Fünftel reduzierbar © APA (dpa)

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Lungenkrebs - Früherkennung und Therapie im Aufschwung

11.02.2020

In Österreich überleben derzeit 61,5 Prozent der Patienten mit neuer Krebsdiagnose die folgenden fünf Jahre. Beim Lungenkrebs sind es bisher nur rund 20 Prozent. Diesen Unterschied wollen die Spezialisten mit neuen Verfahren und Therapien verkleinern, hieß es bei einer Pressekonferenz des Lungenkrebs-Kompetenzzentrums der Klinik Floridsdorf in Wien.

"Wir haben in Österreich pro Jahr rund 4.500 Neuerkrankungen bei Lungenkrebs und rund 4.000 Todesfälle. Nach dem Bauchspeicheldrüsenkrebs mit einer Fünf-Jahres-Überlebensrate von zehn Prozent ist das Lungenkarzinom die tödlichste Krebsart. 75 Prozent der Fälle werden derzeit erst im Stadium III oder IV entdeckt, in dem eine Heilung nur noch schwer möglich ist", sagte Arschang Valipour, Leiter der Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie am Wiener Krankenhaus Nord-Klinik Floridsdorf.

Regelmäßige Untersuchungen können Mortalität reduzieren

Mit regelmäßigen Low-Dose-CT-Untersuchungen von langjährigen Rauchern mit dem höchsten Erkrankungsrisiko lässt sich laut großen internationalen Studien die Lungenkarzinom-Mortalität um ein Fünftel bis ein Viertel reduzieren. Dann werden bis zu rund 60 Prozent der entstehenden Karzinome bereits im heilbaren Stadium I oder II erkannt, ohne das Screening nur in 13 Prozent der Fälle, führte Valipour aus. In Zukunft könnten aber auch Screening-Bluttests auf zirkulierende Tumor-DNA oder Atemgasanalysen in diesem Bereich angewendet werden. Modernste Bronchoskopieverfahren zur Gewinnung von Gewebeproben aus den Bronchien im Verdachtsfall (Ultraschall-gezielt oder per elektromagnetischer Navigation) weisen derzeit eine Treffergenauigkeit von 70 bis 80 Prozent auf. Früher waren es nur 30 bis 50 Prozent.

"Bei Lungenkrebs im Stadium I reicht zumeist die Operation aus. Im Stadium II folgt der Operation eine Chemotherapie. Im Stadium III ist es umgekehrt. Im Stadium IV ist die Operation der Ausnahmefall", sagte Chirurg Michael Müller. Möglichst radikaler Entfernung von Tumor- und befallenem Lymphknotengewebe stünden immer feiner werdende Verfahren der minimal-invasiven Chirurgie gegenüber.

Neue Möglichkeiten durch zielgerichtete Arznei

"Lungenkrebspatienten heute zu behandeln, kann begeistern", betonte Onkologe Maximilian Hochmair. Noch im Jahr 2008 hätte man neben der Chirurgie ausschließlich eine Chemotherapie als Behandlungsform zur Verfügung gehabt. Heute stünden mit zielgerichtet bei einzelnen Unterarten von Karzinomen wirkenden Arzneimitteln und mit der modernen Immuntherapie völlig neue Möglichkeiten zur Verfügung.

Vor allem bei Patienten, deren Lungenkarzinom nicht durch das Rauchen verursacht ist, sondern auf Genmutationen beruht (EGFR-, MET-, ALK-, ROS1-Mutationen etc.), lassen sich mit den entsprechenden Medikamenten Ansprechraten von 90 bis 95 Prozent erzielen. 15 Prozent der Erkrankten überleben länger als fünf Jahre.

Weist der Tumor hingegen keine solchen "Treiber-Mutationen" auf, kann eine Immuntherapie helfen. Dies gilt besonders für jenes Drittel der Patienten, bei denen mehr als 50 Prozent der Tumorzellen das Oberflächenmerkmal PD-L1 tragen. Dann kann auch bei fortgeschrittener Erkrankung eine Immuntherapie allein ausreichen, bei weniger als 50-Prozent-Anteil an PD-L1-positiven Zellen wird sie mit Chemotherapie kombiniert.

"Bei richtiger Detektion und Behandlung können mit dieser Strategie bereits Fünf-Jahres-Überlebensraten von 25 Prozent erzielt werden", betonte Hochmair. Das war bis vor einigen Jahren laut dem Experten praktisch undenkbar. Trotz allem wäre aber beim Lungenkarzinom-Problem die möglichst schnelle Reduktion der Raucherquoten auch in Österreich entscheidend.

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