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"Nicht-Patienten identifizieren, bevor sie erkranken" © APA (dpa)
"Nicht-Patienten identifizieren, bevor sie erkranken" © APA (dpa)

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Experten: Prädiabetes-Screening würde sich auszahlen

18.02.2020

600.000 Österreicher leiden an Diabetes. Eine Intervention im Vorstadium der Erkrankung könnte deren Ausbruch um Jahre verzögern oder sogar verhindern, erklärten Experten am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien. Diesbezügliche Daten gibt es von einer Spezialambulanz der Krankenfürsorgeanstalt der Bediensteten der Stadt Wien (KFA).

"Wir haben in Österreich rund 600.000 Diabetes-Fälle in Österreich", sagte Erich Pospischil (Österreichische Gesellschaft für Arbeitsmedizin). Man könne damit rechnen, dass diese Zahl innerhalb von zehn Jahren auf 800.000 steigt. "300.000 Österreicher wissen nicht von ihrer Krankheit. Hinzu kommen noch geschätzte 700.000 Österreicher, die Frühdiabetes haben", ergänzte Robert Winker, Ärztlicher Leiter des Gesundheits- und Vorsorgezentrums der KFA.

Ein entsprechendes Screeningprogramm mit anschließender (Lebensstil-)Intervention - vor allem Abnehmen, mehr Bewegung, Kontrolle des Blutdrucks und der Blutfettwerte - wäre wichtig. "Es geht darum, Nicht-Patienten zu identifizieren, bevor sie erkranken", sagte Wiens Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres.

Diagnose plus Spätkomplikationen

Das Problem liege darin, dass beim Ausbruch der Zuckerkrankheit - in Österreich zu 90 Prozent Typ-2-Diabetes - zumeist bereits auch schon ein bis zwei der Spätkomplikationen wie Atherosklerose, Nieren- oder Netzhautschäden vorliegen. "Wir haben in Österreich pro Jahr 34.000 Herzinfarkte in Österreich. Jeder Vierte davon ist Diabetiker. 26 Prozent aller Zuckerkranken kommen zur Dialyse", stellte Evelyne Wohlschläger-Krenn, stellvertretende Leiterin des KFA-Gesundheitszentrums, fest.

Wissenschaftlich belegt ist seit Jahren, dass eine Intervention im Prädiabetes-Stadium mit Nüchternblutzuckerwerten von 100 bis 125 Milligramm pro Deziliter Blut und/oder einem HbA1c-Wert (Langzeitwert für Blutzucker; Anm.) zwischen 5,7 bis 6,4 Prozent den Diabetes-Ausbruch verzögern oder verhindern kann. Daten dazu gibt es jetzt auch von der diesbezüglichen KFA-Spezialambulanz. Wenn KFA-Versicherte zur Gesundenuntersuchung kommen, können sie bei einem Prädiabetes-Verdachtsfall dorthin weitergeleitet werden.

Statistisch signifikanter Unterschied

"Man muss bei Prädiabetes mit einer Ein-Jahres-Progressionsrate zum Diabetes zwischen 5,5 und 20 Prozent rechnen", sagte Evelyne Wohlschläger-Krenn. Durch ein fünfwöchiges Schulungsprogramm und entsprechender Lebensstiländerung mit medizinischer und psychologischer Begleitung kam man im Rahmen der Spezialambulanz auf ganz andere Zahlen. Die Expertin: "Bei der Auswertung von 303 Jahreskontrollen aus dem Jahr 2019 kamen wir auf eine Konversionsrate von 0,3 Prozent." Dieser Unterschied zu den Studiendaten ohne Intervention bei Prädiabetikern ist statistisch höchst signifikant.

Das KFA-Zentrum führt pro Jahr rund 10.000 Gesundenuntersuchungen durch. Innerhalb von drei Jahren kamen rund 1.000 Versicherte in die Prädiabetes-Ambulanz. Die Übergangsrate in Richtung Zuckerkrankheit in der vollen Form von 0,3 Prozent deutet darauf hin, dass mit einem solchen Programm in Österreich viel an Krankheit und Leid verhindert werden könnte. Und schließlich: Acht Prozent der Gesundheitsausgaben fließen bereits jetzt in die Versorgung von Diabetikern.

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