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Die coronabedingte Stresssituation sei nicht vorbei © APA (dpa)
Die coronabedingte Stresssituation sei nicht vorbei © APA (dpa)

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Coronakrise - ÖGK-Psychotherapieangebot könnte ausgeweitet werden

22.05.2020

Die Coronakrise hat die Häufigkeit depressiver Symptome in Österreich laut einer Studie der Donau-Universität Krems vervielfacht. Es sei wichtig, das Psychotherapie-Angebot auszubauen, sagte Andreas Huss, stellvertretender Obmann der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), im ORF-Morgenjournal und kündigte für Juni einen Antrag für 20.000 zusätzliche Plätze auf Kassenkosten an.

Derzeit gibt es Stunden-Kontingente und Zuzahlungen für Stunden außerhalb des Kontingents, je nach Bundesland unterschiedlich hoch. "Wir werden bei der nächsten Sitzung des Verwaltungsrates der ÖGK einen Antrag stellen, dass diese Unterschiede österreichweit angeglichen werden, dass es zusätzlich 20.000 Psychotherapie-Plätze für psychisch kranke Menschen auf Kassenkosten gibt", kündigte Huss im ORF-Radio an. Die vorerst 15 Millionen Euro Mehrkosten halte er für leistbar, "weil auf der anderen Seite ja auch wieder Einsparungen stehen". Dabei geht es vor allem um Ausgaben für Medikamente oder Frühpensionen.

In allen Bundesländern soll es Clearing-Stellen geben, wie jetzt etwa in Nieder- und Oberösterreich, berichtete das Morgenjournal weiters. Nach Überweisung durch den Hausarzt erhalten Patienten dort einen Vorschlag für einen Therapieplatz.

"Das ist sicherlich eine Initiative in die richtige Richtung. Unser Ziel wäre, überhaupt Kontingente aufzuheben", reagierte Peter Stippl, Präsident des Bundesverbandes für Psychotherapie (ÖBVP), im Morgenjournal. Er sei zuversichtlich, dass der vorliegende Vorschlag der Arbeitnehmer-Vertreter in der Gesundheitskasse auch durchgehen wird.

Studie: Depressionen haben sich verdoppelt

Zu den psychischen Folgen der Coronakrise für die Bevölkerung sagte Stippl unter Verweis auf die vor rund zwei Wochen vorgestellte Studie, die einen Vergleich mit Großbritannien zieht: "In Österreich haben sich die Depressionen etwa verdoppelt, also 8,4 Prozent der Population, in Großbritannien 24,6 Prozent. Angststörungen sind in Österreich um etwa sechs Prozent, in Großbritannien um 18 Prozent gestiegen und Schlaflosigkeit in Österreich etwa um 15 Prozent und Großbritannien um 28 Prozent." Man sehe, "dass es eine Parallelität zwischen der Maßnahmen und der Klarheit der Regierung und der Auswirkung auf die psychische Befindlichkeit in der Bevölkerung gibt".

Zur Situation der Kinder merkte Stippl an: "Auch von der UNO wurde eine ähnliche Studie, wie in Krems gemacht, speziell für Kinder. Bei Kindern ist das Gefühl der Einsamkeit, Nervosität, Ruhelosigkeit, Reizbarkeit um etwa 30 Prozent gestiegen, Konzentrationsschwierigkeiten sogar um mehr als 70 Prozent."

Die schrittweise Lockerung der Maßnahmen sei "sicher eine Entlastung", weil "zum Beispiel Sportbetreiben in der Natur, Freunde zu treffen, die Freude, in einem Lokal gutes Essen zu genießen" als Belohnungssystem "ein guter Ausgleich für die Belastung durch Disziplin ist". Die Stresssituation sei aber nicht vorbei: "Ich würde sicher davon ausgehen, dass die psychische Belastung noch länger anhält, dass sie vielleicht sogar noch nicht ihren Höhepunkt erreicht hat. Warum? Wir werden Ende des Sommers, Beginn des Herbstes sehen, dass der Urlaub anders war, vielleicht überhaupt nicht stattgefunden hat im Vergleich zu den Vorjahren, und dass die Arbeitslosigkeit noch eine Belastung, ein Stressor sein wird, der uns noch einige Zeit begleiten wird. Und diese beiden Faktoren werden sich negativ auf die Psyche auswirken."

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