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Faßmann: "Kinder spreaden nicht" © APA (Fohringer)
Faßmann: "Kinder spreaden nicht" © APA (Fohringer)

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Maskenpflicht an Schulen fällt sofort

30.05.2020

Die Maskenpflicht an den Schulen fällt mit der Rückkehr der Schüler aus den Pfingstferien am 3. Juni. Das kündigte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) bei einer Pressekonferenz an. Stundenpläne, "Schichtbetrieb" und Abstandsregeln bleiben aufrecht, Turnunterricht wird auf freiwilliger Basis am Nachmittag möglich. Singen im Unterricht ist wieder erlaubt.

In Skandinavien hätten die zum Teil vor Österreich vorgenommenen Öffnungen der Schulen keine Erhöhung der Corona-Infektionszahlen gebracht, begründete Faßmann. Auch an den "großen" Infektionsfällen der vergangenen Wochen wie den Postverteilungszentren in Wien und Niederösterreich oder dem Baptisten-Gottesdienst in Frankfurt seien keine Schulen beteiligt gewesen. "Kinder können angesteckt sein, aber sie spreaden nicht", so Faßmann.

An den Schulen unverändert fortgesetzt wird die Teilung der Klassen ab 19 Schülern sowie der Schichtbetrieb. Auch die aktuellen Stundenpläne bleiben bis Schulschluss aufrecht. "Keep it simple, lautet meine Devise. Kinder, Eltern und Lehrer sollen nicht alle zwei Wochen neue Vorgaben erhalten", so Faßmann.

Turnunterricht freiwillig

Turnunterricht kann schulautonom am Nachmittag an den regulären Unterricht angehängt werden. Für die Schüler ist die Teilnahme freiwillig, das Pflichtfach Bewegung und Sport bleibt ausgesetzt.

Beim Turnunterricht gelten die vom Gesundheitsministerium für den Breitensport erarbeiteten Vorgaben. Bei der Umsetzung vertraut Faßmann auf die Lehrer: Sicher möglich seien etwa wenig körperbetonter Basketball, Völkerball oder Leichtathletik, ausgeschlossen kontaktintensivere Sportarten.

Generell werde der Sportunterricht aber eher draußen stattfinden, so der Minister und die Direktorin des Wiener Realgymnasiums auf der Schottenbastei, Cornelia Arnold. Turnsäle seien vielfach zu Klassenzimmern umfunktioniert worden, zum Teil werde dort Betreuung angeboten.

Maturafeiern möglich

Ebenfalls möglich sein sollen Veranstaltungen zum Schulschluss wie etwa Maturafeiern oder Abschlussfeste. Dabei gelten die normalen Vorgaben für Veranstaltungen. "Mit ein bisschen Kreativität geht sich auch ein gemeinsames Klassenfoto aus", meinte Faßmann.

Eine Bilanz zog er auch über den Schulbesuch in den vergangenen beiden Wochen. Mehr als 90 Prozent der Schüler seien zum Unterricht erschienen, mehr als 80 Prozent der Lehrer über 60 Jahren standen in der Klasse.

Das kommende Schuljahr soll nach den derzeitigen Plänen ohne Einschränkungen normal beginnen. Davor soll es noch das Angebot einer Sommerschule für bestimmte Schülergruppen geben.

SPÖ und NEOS begrüßen Aus

SPÖ und NEOS begrüßen das Aus für die Maskenpflicht. Es seien aber immer noch viele Fragen offen, etwa bezüglich Bildungs- und Betreuungsangeboten im Sommer.

Für SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid ist nicht nachvollziehbar, wieso Sportunterricht nur freiwillig und als Ergänzungsunterricht angedacht ist. Sie wiederholte ihre Forderung nach einem eine Milliarde schweren Corona-Schulpaket für u.a. mehr Schulpsychologen und Sozialarbeiter und kostenlose Tablets oder Laptops für alle Schüler. Außerdem brauche es eine Offensive für eine wohnortnahe, kostenfreie Betreuung im Sommer samt Summer Schools für jene Kinder, die im Homeschooling zurückgefallen sind.

Auch bei Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) fand der avisierte Turn-Unterricht auf freiwilliger Basis am Nachmittag wenig Anklang, Sie forderte erneut die tägliche Turnstunde. Nach der guten Entwicklung der Infektionszahlen müsse man das Thema Gesundheit bis zum Ende denken. "Sport und Bewegung ist Gesundheit und wesentlicher Teil des Gesundbleibens und Werdens." Man dürfe Gesundheit nicht nur auf epidemiologische und virologische Parameter reduzieren. Etwa ein Viertel der österreichischen Schüler sei adipös.

Volksschulen auf Normalbetrieb umstellen

NEOS-Bildungssprecherin Martina Künsberg Sarre hätte sich neben Lockerungen bei den "überzogenen Hygienevorgaben" und der Erlaubnis von Sport- und Musikunterricht auch erhofft, dass an den Volksschulen von Schicht- auf Normalbetrieb umgestellt wird. Das wäre für Eltern und Kinder eine echte Erleichterung gewesen, "die Zahlen hätten es zugelassen". Ärgerlich findet sie, dass sich niemand für die Sommerbetreuung fühle, obwohl viele Eltern für das Homeschooling ihren Urlaub aufgebraucht hätten. Es brauche rasch ein Betreuungskonzept der Regierung für diese Zeit, das auch ein "Aufholkonzept" für jene Schüler sein müsse, die aus verschiedensten Gründen nicht mit dem Heimunterricht zurecht gekommen sind.

Der Volleyball-Zampano Peter Kleinmann kämpft seit Jahren für mehr Sport in der Schule. Zu den aktuellen Entwicklungen meinte der Wiener: "Das ist für mich gesetzlich vorgeschriebene Körperverletzung." Den verkündeten Turnunterricht am Nachmittag auf freiwilliger Basis bezeichnete Kleinmann als "Schildbürgerstreich". Es sei erwiesen, dass man bei morgendlicher Bewegung am ganzen Tag leistungsfähiger sei und einen klaren Kopf habe. "Was geht in diesen Köpfen der Entscheider vor?", fragte Kleinmann.

Die Übertragung der Verantwortung auf die Eltern sei der falsche Ansatz. "Eltern sollen motivieren. Zur Ausbildung gibt es ausgebildete Experten in den Schulen. "Warum ist die Bewegung soviel weniger wert wie Lesen, Schreiben, Rechnen?" Aus Innsbruck meldete sich auch Skisprung-Ass Daniela Iraschko-Stolz. "Sport ist eines der wichtigsten Unterrichtsfächer, wenn nicht sogar das Wichtigste. Man muss sich bewegen."

Sport im Freien sehr einfach möglich

Die Ankündigung Fassmanns, freiwilligen Turnunterricht ab 15.6. zuzulassen, bezeichnete Sport Austria als "halbherziges" Zurücknehmen einer falschen Entscheidung. "Würde man sich im Bildungsministerium intensiv mit Sport und Bewegung auseinandersetzen, müsste eigentlich klar sein, dass eine altersadäquate polysportive Ausführung von Bewegung auf den Sportplätzen im Freien sehr einfach möglich ist", erklärte Sport-Austria-Präsident Hans Niessl in einer Aussendung.

Der Sportunterricht hätte unter Wahrung aller Vorsichtsmaßnahmen von Beginn der Krise an durchgeführt werden können. "Unverständlich ist auch die Tatsache, dass das Bildungsministerium in einer Zeit der Gesundheitskrise, die vorbildliche Aktion 'Kinder gesund bewegen' ausgesperrt hat. Gerade tägliche Bewegung im Freien trägt dazu bei, das Immunsystem zu stärken", erklärte Niessl. Zudem forderte der Sportfunktionär eine Öffnung der Schulsportstätten für Sportvereine. Diese sollten auch im Sommer nicht neun Wochen geschlossen sein.

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