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Immunproteine, Nanoröhren und Nanokristalle als Nobelpreis-Favoriten

© APA (dpa/Nackstrand)

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30.09.2020

Aus dem Kreis hochzitierter Forscher hat der Datenanalysekonzern Clarivate Analytics die diesjährige "Nobel-Klasse" gekürt. Die 24 Zitations-"Kaiser" ("Citation Laureates") aus sechs Ländern gelten damit als Favoriten für den Nobelpreis. Wer heuer in den Wissenschaftskategorien die begehrte Auszeichnung erhält, wird ab dem kommenden Montag bekannt gegeben: Den Auftakt macht Medizin (5.10.), gefolgt von Physik (6.10.), Chemie (7.10.) und Wirtschaftswissenschaften (12.10.).

Die Analysten des zu Clarivate gehörenden Institute for Scientific Information (ISI) identifizieren die "Nobel-Klasse" alljährlich anhand der Publikations- und Zitierungsdaten wissenschaftlicher Arbeiten in jenen Forschungsbereichen, in denen Nobelpreise vergeben werden. Von rund 50 Millionen seit 1970 im "Web of Science" erfassten Artikeln wurden nur 5.700 oder 0,01 Prozent 2.000 Mal oder öfter zitiert. Sie gelten damit als besonders einflussreich - und ihre Autoren dadurch auch als Favoriten für den Nobelpreis.
 
Seit 2001 wurden 360 davon als "Citation Laureates" ausgewählt, 54 davon haben tatsächlich den Nobelpreis erhalten. Heuer wurden 24 neue Favoriten gekürt, die aus sechs Ländern (USA, Kanada, Deutschland, Japan, Südkorea und Großbritannien) kommen. Österreicher ist diesmal keiner dabei, in den vergangenen Jahren wurde etwa der Mediziner Gero Miesenböck oder die Physiker Peter Zoller und Anton Zeilinger genannt.
 
Favoriten für den Nobelpreis in Physiologie oder Medizin
 
Zu den Favoriten für den Nobelpreis in Physiologie oder Medizin zählen für Clarivate heuer Pamela J. Bjorkman (California Institute of Technology) und Jack L. Strominger (Harvard University) für die Aufklärung von Struktur und Funktion der Proteine des Haupthistokompatibilitätskomplexes (MHC), die zur Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen beigetragen hat. Weiters genannt wurden Yusuke Nakamura (Universität Tokio und Universität Chicago) für die Entwicklung genetischer Marker und genomweiter Assoziationsstudien, die personalisierte Ansätze zur Krebsbehandlung ermöglichen, und Huda Y. Zoghbi (Baylor College of Medicine und Howard Hughes Medical Institute) für ihre Entdeckungen über die Entstehung neurologischer Störungen, etwa der genetischen Ursachen des Rett-Syndroms.
 
Für ihre Entdeckung, dass sich zwei oder mehrere chaotische Systeme synchronisieren können, werden Thomas L. Carroll und Louis M. Pecora (beide U.S. Naval Research Laboratory) von Clarivate zu den diesjährigen Favoriten für den Physik-Nobelpreis gezählt. Das gilt auch für Hongjie Dai (Stanford University) und Alex Zettl (University of California, Berkeley), und zwar für die Herstellung und Anwendungen von Kohlenstoff- und Bornitrid-Nanoröhren. Zum Favoritenkreis im Bereich Physik zählen auch Carlos S. Frenk (Durham University), Julio F. Navarro (University of Victoria) und Simon D.M. White (Max-Planck-Institut für Astrophysik) für ihre Studien zur Entstehung und Entwicklung von Galaxien, der kosmischen Struktur und Dunkle-Materie-Halos.
 
Favoriten für den Nobelpreis in Chemie
 
Als Favoriten für die Chemie-Auszeichnung wurden Moungi G. Bawendi (Massachusetts Institute of Technology, MIT), Christopher B. Murray (University of Pennsylvania) und Taeghwan Hyeon (Seoul National University) in die diesjährige "Nobel-Klasse" aufgenommen, und zwar für die Synthese von Nanokristallen mit präzisen Eigenschaften für eine breite Palette von Anwendungen. Ihre "Klassenkollegen" sind Stephen L. Buchwald (MIT) und John F. Hartwig (University of Californa, Berkeley) für ihre Beiträge zur metallorganischen Chemie, insbesondere die Buchwald-Hartwig-Kupplung genannte Reaktion, sowie Makoto Fujita (Universität Tokio) für Fortschritte in der supramolekularen Chemie durch von der Natur inspirierte Strategien zur Selbstorganisation.
 
Als Favoriten für den Nobel-Gedenkpreis für Wirtschaftswissenschaften wurden von Clarivate David A. Dickey (North Carolina State University) und Wayne A. Fuller (Iowa State University) für einen nach ihnen benannten statistischen Test in Zeitreihenanalysen, sowie Pierre Perron (Boston University) für die statistische Analyse von nicht-stationären Zeitreihen genannt. Ebenso im Favoritenkreis ist Claudia Goldin (Harvard University) für ihre Beiträge zur Arbeitsökonomie, insbesondere ihre Analyse zum geschlechtsspezifischen Lohngefälle. Schließlich wurden Steven T. Berry und James A. Levinsohn (beide Yale University) sowie Ariel Pakes (Harvard University) für ihr Modell zur Nachfrageschätzung in die illustre Gruppe aufgenommen.
 
 
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