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Entnahme von Proben aus Feuersteinen in der dänischen Vigsø-Bucht © Michael Brandl/ÖAW
Entnahme von Proben aus Feuersteinen in der dänischen Vigsø-Bucht © Michael Brandl/ÖAW

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Forscher klärten Herkunft von Ballast aus mittelalterlichem Schiff

08.08.2018

Ein vor der Küste Norwegens im 16. Jahrhundert gesunkenes Schiff wurde mit Feuersteinen aus Norddänemark als Ballast beschwert. Das hat ein Forschungsteam mit österreichischer Beteiligung herausgefunden. Die nun im Fachblatt "Plos One" vorgestellten neuen Methoden haben laut den Forschern großes Potenzial, mehr über den Gebrauch der zu allen Zeiten begehrten Feuersteine herauszufinden.

Schon seit der Wikingerzeit wurden Feuersteine als Ballast in Schiffen eingesetzt, um diese auf der rauen See zu stabilisieren. Das Wissenschafter-Team aus Österreich, Deutschland, Norwegen und den USA ging daran, die Herkunft von dreißig unbearbeiteten Feuersteinen mit einem Durchmesser zwischen 15 und 40 Zentimetern zu analysieren, die im Schifffahrtsmuseum von Oslo aufbewahrt werden. Geborgen wurden sie aus dem Wrack eines Schiffes, das zwischen den Jahren 1500 und 1600 vor der südnorwegischen Stadt Kristiansand gesunken ist.

Eigene Methode zur Klärung der Herkunft

Unter der Leitung von Michael Brandl vom Institut für Orientalische und Europäische Archäologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und Forschern des Zentrums für Baltische und Skandinavische Archäologie (ZBSA) in Schleswig (Deutschland) ging man mit einer eigens entwickelten Methode daran, die Herkunft der unscheinbaren Steine zu klären, heißt es in einer Aussendung der ÖAW. Zuerst verglich man ihren Aufbau mit jenem aus bekannten Lagerstätten. Dann analysierten die Wissenschafter im Gestein eingeschlossene Fossilien, die eine Eingrenzung des Alters und der Herkunft ermöglichen.

Nachdem klar war, dass die Steine nur aus Dänemark oder Norddeutschland kommen können, sammelten die Forscher Proben. Im detaillierten Vergleich mit den Feuersteinen aus dem Schiff, das nach seinem Fundort den Namen "Leirvingen 1" trägt, wurde schlussendlich die Vigsö-Bucht an der Küste Jütlands im Norden Dänemarks als Herkunftsort identifiziert. Da zu dieser Zeit in Häfen keine Ballast-Steine gehortet wurden, sei davon auszugehen, dass das Schiff damals in der Bucht auch geankert hat.

Vor allem durch den im Zuge des Forschungsprojekts entwickelten neuen Zugang zur Identifikation von Feuersteinen erhoffen sich die Wissenschafter viele neue Erkenntnisse. Da der Mensch und sogar seine Vorfahren wie der Homo erectus die Steine bereits seit Hunderttausenden Jahren nutzen, sei das Potenzial der neuen Methode sehr groß. "Feuersteine waren zu allen Zeiten so begehrt, dass sie teilweise von weit her beschafft wurden. Von woher genau die Steine kamen, können wir jetzt besser rekonstruieren und damit auch die Vernetzungen und Handelsbeziehungen der Menschen über Jahrtausende", sagte Brandl.

Service: http://go.apa.at/8qakXtZA

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