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Philosoph, Soziologe und Physiker: Rudolf Burger wird 80

06.12.2018

Für einen Philosophen hat Rudolf Burger eine ungewöhnliche Grundausbildung: Der Physiker näherte sich über eine Beamtenstelle für sozial- und geisteswissenschaftliche Forschung und die Wissenschaftssoziologie seinem späteren Thema an. Als Professor für Philosophie und Rektor der Angewandten prägte er zahlreiche Debatten in Österreich mit. Am Samstag (8. Dezember) wird Burger 80 Jahre alt.

Heftige Reaktionen löste er etwa 1992 mit einem Gastkommentar im Nachrichtenmagazin "profil" aus, in dem er gegen die "kriegsgeile" Haltung der österreichischen Außenpolitik im Balkankonflikt Stellung bezog. Wenig später hielt er es am vernünftigsten, die Konflikte innerhalb des ehemaligen Jugoslawiens "ausbluten zu lassen". Auf dem Höhepunkt der Proteste gegen Schwarz-Blau publizierte Burger in der "Europäischen Rundschau" 2001 dann sein "Plädoyer für das Vergessen", mit dem er die "Irrtümer der Gedenkpolitik" in Form eines Essays darlegte.

Aus aktuellen Diskussionen hielt der Wiener sich in den vergangenen Jahren allerdings weitgehend heraus. Weil ihn die Tagespolitik "in meinem Alter nicht mehr wirklich interessiert", sagte er der APA zu seinem 75. Geburtstag.

Publikationsmüde ist Burger allerdings nicht geworden. Im September erschien im Molden Verlag mit "Wozu Geschichte? Eine Warnung zur rechten Zeit" eine überarbeitete Neuauflage seines 2004 veröffentlichten Essays "Kleine Geschichte der Vergangenheit". Der Sonderzahl Verlag legt unter dem Titel "Multikulturalismus, Migration und Flüchtlingskrise" gesammelte Essays und Gespräche vor sowie außerdem "Die angewandte Kunst des Denkens" mit Beiträgen "von, für und gegen Rudolf Burger". Zu Wort kommen darin unter anderem Karl-Markus Gauß, Andreas Khol, Konrad Paul Liessmann, Alfred Noll, Franz Schuh und Marlene Streeruwitz.

Bemerkenswerter Werdegang

Bemerkenswert ist schon der Werdegang Burgers: Er absolvierte ein Physik-Studium an der Technischen Universität Wien und arbeitete anschließend als Assistent am Institut für angewandte Physik sowie am Ludwig-Boltzmann-Institut für Festkörperphysik und im Bereich der Forschungsplanung am Battelle-Institut in Frankfurt/Main. Ende der sechziger Jahre war Burger außerdem im Planungsstab des deutschen Wissenschaftsministeriums in Bonn tätig.

Von 1973 bis 1990 leitete er die Abteilung für sozial- und geisteswissenschaftliche Forschung im Wissenschaftsministerium in Wien. 1979 habilitierte sich Burger für Wissenschaftssoziologie. 1987 kam er als Professor an die Hochschule für angewandte Kunst in Wien, wo er 1991 Vorstand der Lehrkanzel für Philosophie wurde. Von 1995 bis 1999 fungierte Burger als Rektor der "Angewandten", seine Antrittsrede stellte er unter den Titel "Kultur ist keine Kunst". Abgelöst wurde er vom noch immer amtierenden Uni-Chef Gerald Bast.

2000 erhielt der Philosoph den Österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik. 2007 emeritierte Burger an der mittlerweile zur Universität gewordenen "Angewandten". Die akademische Abschiedsfeier wurde mit einem Symposium zum Thema "Von der Unabhängigkeit des Denkens" verbunden.

Service: Bernhard Kraller (Hg.): "Die angewandte Kunst des Denkens", Sonderzahl Verlag, 396 Seiten, 25 Euro

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