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Schwarzbaum erinnerte sich an fast alle Noten © APA (dpa)
Schwarzbaum erinnerte sich an fast alle Noten © APA (dpa)

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Maturazeugnis nach 80 Jahren: Holocaust-Überlebender erhielt Urkunde

17.07.2019

80 Jahre hat es gedauert, nun darf der Holocaust-Überlebende Leon "Henry" Schwarzbaum sein Maturazeugnis endlich in den Händen halten: Acht Jahrzehnte nach Ablegen der Prüfung bekam er es kürzlich in Berlin überreicht.

Der niedersächsische Kultusminister, Grant Hendrik Tonne, übergab dem 98-jährigen Berliner das rekonstruierte, neu ausgestellte Zeugnis. "Ich habe nicht geglaubt, dass ich es jemals bekommen werde", sagte Schwarzbaum in der niedersächsischen Landesvertretung in Berlin.

Schwarzbaum, 1921 Hamburg geboren und zwei Jahre später in das oberschlesische Bedzin - damals eine der größten jüdischen Gemeinden Polens - umgezogen, machte 1939 die Maturaprüfung. Das Dokument über die am jüdischen Fürstenbergus Lyzeum abgelegte Prüfung musste er abgeben, als er nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten und der Besetzung Polens durch Deutschland in das Konzentrationslager in Auschwitz kam.

Der Film "Der letzte Jolly Boy", der Schwarzbaums Leben zeigt, wird in Schulen in ganz Deutschland gezeigt. Ein Schüler einer Schule in Hannover bemerkte nach dem Film, es könne doch nicht sein, dass Schwarzbaum sein Maturazeugnis nicht wiederbekomme. Die Leiterin der Schule fragte daraufhin beim niedersächsischen Kultusministerium nach. Das originale Dokument konnte zwar nicht mehr aufgetrieben werden. Aber ein rekonstruiertes Zeugnis hat Schwarzbaum nun doch erhalten.

Leben ohne Dokumente

"Ich bin erschrocken, dass eine ganze Generation ohne Dokumente durchs Leben gehen musste", sagte die Schulleiterin der evangelischen IGS Wunstorf, Elke Helma Rothämel. Das Zeugnis sei "originalgetreu", denn Schwarzbaum habe sich trotz seines hohen Alters an fast alle Noten erinnert, sagte Rothämel. "Nur die Note für Polnisch haben wir aufgrund seiner Einschätzung gemacht." Die Urkunde sei eine Anerkennung seiner 1939 abgelegten Prüfungen.

Der in Berlin lebende Schwarzbaum berichtet seit Jahrzehnten über seine Erlebnisse von 1939 bis 1945; vor allem vor jungen Menschen in Schulen und Betrieben. Dafür erhielt er das deutsche Bundesverdienstkreuz.

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