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Breites Interesse der Bevölkerung an den Grabungen © APA (JOACHIM THALER)
Breites Interesse der Bevölkerung an den Grabungen © APA (JOACHIM THALER)

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Archäologische Erkundung des Domplatzes in St. Pölten abgeschlossen

21.11.2019

Die archäologische Erkundung des Untergrundes des Domplatzes in St. Pölten ist nach einem Jahrzehnt und Kosten von rund 7,8 Millionen Euro abgeschlossen worden. Laut Angaben der NÖ Landeshauptstadt kann nun mit der Neugestaltung begonnen werden. Bürgermeister Mattias Stadler (SPÖ) freute sich vor allem über die positive Bilanz von "AUSgegraben - 10 Jahre Archäologie am Domplatz".

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Archäologen und Anthropologen seien "sensationell" und in vielen Bereichen müssten die "Geschichtsbücher neu geschrieben werden", erklärte das Stadtoberhaupt. Zudem sei der anfängliche Unmut über die Grabungen einem breites Interesse der Bevölkerung gewichen und mittlerweile interessierten sich neben Wissenschaftern auch die Besucher der Stadt für den Ort.

Unter anderem wurde aus der späten Römerzeit (4. Jahrhundert) ein mehrteiliger Gebäudekomplex, bestehend aus einem Badehaus, einem großen Repräsentationssaal sowie einem Verwaltungs- und Wohngebäudetrakt, entdeckt, der dem Sitz des zivilen Statthalters zugesprochen werden könne. Weiters wurde von den Forschern eine der ältesten Kirchen Niederösterreichs dokumentiert. Für das 9. Jahrhundert gelang der Nachweis der zivilen Siedlung Treisma. Im Spätmittelalter gab es dann insgesamt vier große Kirchen im Bereich des Areals, damit war der heutige Domplatz schon damals ein religiöses Zentrum.

Mit insgesamt 22.134 freigelegten Bestattungen aus dem 9. bis ins 18. Jahrhundert nach Christus habe die Stadt das "weltweit umfangreichste, ortsgebundene Bioarchiv menschlicher Skelette", resümierte Stadtarchäologe Ronald Risy die Grabungsgeschichte der letzten zehn Jahre. Ende 2022 soll die Neugestaltung der Fläche dann abgeschlossen sein. Weiters soll nach der Ernennung zur niederösterreichischen Landeskulturhauptstadt 2024 weitergeforscht werden. Auf Anfrage teilte die Stadt mit, dass die neu gewonnen Erkenntnisse dann bei einer Ausstellung im Stadtmuseum präsentiert werden.

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