Kultur & Gesellschaft

Die Art der Arbeit von Frauen und Männern ist weiterhin klischeehaft © APA (dpa)
Die Art der Arbeit von Frauen und Männern ist weiterhin klischeehaft © APA (dpa)

APA

Frauentag - Frauen gut gebildet, aber seltener in Führungspositionen

02.03.2020

Frauen sind am österreichischen Arbeitsmarkt auf dem Vormarsch. Zwischen 2008 und 2018 kam es zu einer Erhöhung der Erwerbstätigenquote der 15- bis 64-jährigen Frauen von 64,8 auf 68,6 Prozent, während die Erwerbstätigenquote der Männer relativ konstant auf höherem Niveau (2008: 76,8, 2018: 77,4) blieb. Das Problem: Obwohl Frauen gut gebildet sind, landen sie viel seltener in Führungspositionen.

Laut Zahlen der Statistik Austria übten 2018 insgesamt 7,9 Prozent der unselbstständig erwerbstätigen Männer in ihrem Beruf eine führende Tätigkeit aus. Bei den Frauen waren mit 3,5 Prozent dagegen deutlich weniger in führenden Positionen tätig. Selbst bei gleichen Bildungsabschlüssen waren Frauen stärker in mittleren Positionen vertreten, während Männer häufiger in Führungspositionen aufstiegen. Nach dem Abschluss einer Berufsbildenden Höheren Schule (BHS) übten beispielsweise bedeutend mehr Frauen (55,6 Prozent) als Männer (31,5) nur mittlere Tätigkeiten aus, während umgekehrt mehr Männer (37,9 Prozent) als Frauen (24,7) mit BHS-Abschluss höhere und hoch qualifizierte Tätigkeiten verrichteten.

Unterschied bei Uni-Abschluss

Hinsichtlich der Besetzung von Führungspositionen war der Unterschied zwischen Frauen und Männern laut Statistik Austria vor allem bei Personen mit Universitätsabschluss markant. Unter den unselbstständig Erwerbstätigen mit einem Fachhochschul- oder Universitätsabschluss übten 18,9 Prozent der Männer, aber nur 7,3 Prozent der Frauen eine führende Tätigkeit aus. Die Arbeitslosenquote der Frauen lag 2018 jedoch bei 4,7 Prozent und damit unter jener der Männer (5 Prozent).

Typisch für die Arbeit von Frauen ist auch eine hohe Teilzeitquote - diese steigt gleichzeitig mit der wachsenden Erwerbsbeteiligung von Frauen. Der Anteil der teilzeitbeschäftigten Frauen stieg im Abstand von zehn Jahren von 41,6 Prozent im Jahr 2008 auf 47,5 Prozent im Jahr 2018. Die Teilzeitbeschäftigung nahm zwar auch bei den Männern stark zu, ist aber nach wie vor von vergleichsweise geringer Bedeutung. 2008 arbeiteten 8,2 Prozent der Männer Teilzeit, 2018 waren es 11,2 Prozent.

Als Gründe für Teilzeitbeschäftigung waren bei 37 Prozent der Frauen Betreuungspflichten für Kinder oder pflegebedürftige Erwachsene ausschlaggebend, in der Altersgruppe von 30 bis 44 Jahren nannten sogar 67,0 Prozent der Frauen Betreuungspflichten als wichtigsten Grund. Bei den Männern stand dagegen insgesamt die schulische oder berufliche Aus- oder Fortbildung mit 21,4 Prozent bzw. kein Wunsch nach Vollzeittätigkeit (23,7 Prozent) im Vordergrund. Das zeigen die Daten der Statistik Austria.

Klischeehaft gestaltet sich weiterhin die Art der Arbeit von Frauen und Männern, schreibt die Statistik Austria und spricht von einem geschlechtsspezifisch geteilten Arbeitsmarkt. Nach Branchen arbeitete im Jahr 2018 genau ein Viertel der unselbstständig erwerbstätigen Männer in der Herstellung von Waren, 13,6 Prozent im Bauwesen und 12,0 Prozent im Handel. Unselbstständig erwerbstätige Frauen waren hingegen überwiegend im Dienstleistungssektor beschäftigt, mit den höchsten Anteilen im Handel (17,8 Prozent) und im Gesundheits- und Sozialwesen (18,2 Prozent).

Mehr Spitzenpolitikerinnen in Europa

In Europa gibt es mehr Spitzenpolitikerinnen als noch vor einem Jahr. Nicht nur die EU-Institutionen sind im vergangenen Jahr weiblicher geworden, auch auf nationalstaatlicher Ebene hat sich der Frauenanteil in politischen Ämtern erhöht.

Von den 27 Mitgliedern der EU-Kommission sind 12 weiblich, der Frauenanteil stieg von 32,1 Prozent auf 44,4 Prozent an. Mit Ursula von der Leyen steht seit Dezember 2019 außerdem die erste Frau an der Spitze der Behörde. Auch im Europäischen Parlament ist nach der EU-Wahl des Vorjahres der Frauenanteil von 36,4 Prozent auf 40,4 Prozent gestiegen.

Vier Staaten von Frauen regiert

Aktuell werden vier EU-Staaten von Frauen regiert: Dänemark (Mette Fredriksen), Deutschland (Angela Merkel), Belgien (Sophie Wilmes) und Finnland (Sanna Marin), das ist eine Regierungschefin mehr als im Vorjahr. Die Anzahl der Staatspräsidentinnen ist hingegen von vier auf zwei zurückgegangen.

Der Anteil der weiblichen Regierungsmitglieder in den EU-Staaten ist mit 30,6 Prozent nahezu unverändert im Vergleich zum Vorjahr (30,5 Prozent). In vier Staaten liegt der Frauenanteil über 50 Prozent: nämlich in Spanien mit 58,8 Prozent, in Finnland mit 57,9 Prozent, in Österreich mit 53,3 Prozent und in Schweden mit 52,2 Prozent, wie aus einer Aufstellung von Werner Zögernitz, früherer ÖVP-Klubdirektor und Leiter des Instituts für Parlamentarismus und Demokratiefragen, hervorgeht.

In den nationalen Parlamenten ist die Anzahl der Frauen von 27,8 Prozent auf 32,2 Prozent gestiegen. Der Prozentsatz der Bürgermeisterinnen hat sich laut Zögernitz im EU-Durchschnitt von 14,9 Prozent im Jahr 2017 auf 15,4 Prozent erhöht. Wenig getan hat sich bei den Gemeinderätinnen in den EU-Staaten: Hier gab es einen Anstieg von 32,1 Prozent im Jahr 2017 auf nunmehr 32,6 Prozent.

Frauenanteil in Österreichs Politik gestiegen

Der Frauenanteil in der heimischen Politik hat sich im letzten Jahr verbessert. Erstmals in der Geschichte Österreichs besteht die Bundesregierung aus mehr Frauen als Männern. Von halbe-halbe sind die meisten anderen Ebenen zwar noch weit entfernt, die Zahl der weiblichen Nationalratsabgeordneten, der Bundesratsmandatarinnen und der Bürgermeisterinnen ist seit Februar 2019 aber gestiegen.

Acht der 15 Regierungsmitglieder von Türkis-Grün - also Minister und Kanzler - sind Frauen, das macht eine Quote von 53,3 Prozent. Nimmt man die zwei Staatssekretäre dazu, kommt man bei neun von 17 auf fast 53 Prozent. Die Übergangsregierung unter Kanzlerin Brigitte Bierlein hatte einen Frauenanteil von 50 Prozent, in der vor einem Jahr noch regierenden türkis-blauen Koalition waren es 35,7 Prozent.

Der Frauenanteil im Nationalrat ist mit der vergangenen Wahl zum vierten Mal in Folge etwas gestiegen. Die aktuell 72 Mandatarinnen bedeuten einen Anstieg von 37,2 Prozent zu Beginn des Vorjahres auf 39,3 Prozent. Von den 61 Mitgliedern des Bundesrats sind 25 weiblich, das sind zwei Bundesrätinnen mehr.

In den Landesregierungen ist die Zahl der Frauen gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres von 27 auf 30 gestiegen (von insgesamt 73 Mitgliedern; inklusive der vier nicht amtsführenden Stadträte in Wien). Nach wie vor gibt es mit Niederösterreichs Regierungschefin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) aber nur eine Landeshauptfrau.

Leicht gesunken in den Landtagen

Leicht gesunken ist die Zahl der Frauen in den Landtagen: 140 der insgesamt 440 Mitglieder sind weiblich (vorher 141). Den höchsten Frauenanteil hat Vorarlberg mit 42 Prozent, gefolgt von Salzburg mit 36 Prozent. Den geringsten Frauenanteil hat der Kärntner Landtag mit 22 Prozent.

Nach wie vor gibt es nur wenige Ortschefinnen. Die Zahl der Bürgermeisterinnen ist zwar von 165 auf 181 gestiegen - bei 2.096 Gemeinden bedeutet das aber lediglich einen Anteil von 8,6 Prozent. Damit liegt Österreich auch deutlich unter dem EU-Durchschnitt (15,4 Prozent), wie aus Unterlagen von Werner Zögernitz, früherer ÖVP-Klubdirektor und Leiter des Instituts für Parlamentarismus und Demokratiefragen, hervorgeht.

Langsamer Aufholprozess in MINT-Fächern

Der Frauenanteil unter Absolventen von Studien in MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) steigt nur äußerst langsam. An den Unis veränderte sich die Zahl der Absolventinnen seit 2013 sowohl absolut als auch relativ kaum, an den Fachhochschulen (FH) gab es zumindest ein leichtes Plus.

2010 startete die damalige Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) eine MINT-Initiative, durch die Studieninteressenten verstärkt in diese Studienfelder gelockt werden sollten. Später wurde dann als Ziel ausgegeben, auch den Frauenanteil zu steigern. MINT-Absolventen finden im Regelfall schneller einen Job und verdienen mehr.

Im Uni-Bereich tat sich allerdings relativ wenig: 2013/14 schlossen 10.800 Personen ein MINT-Studium ab, 4.000 davon waren Frauen (37 Prozent). 2018/19 kam man auf insgesamt 11.200 Abschlüsse, wovon knapp 4.100 auf Frauen entfielen (36 Prozent).

An den Fachhochschulen gab es dagegen sehr wohl einen leichten Aufwärtstrend, wenn auch von einem deutlich niedrigeren Ausgangswert: 2013/14 wurden 4.500 MINT-Abschlüsse verzeichnet, davon knapp 1.000 Frauen (21 Prozent). Dieser Wert stieg bis 2018 auf 5.200 Abschlüsse, davon 1.300 Frauen (25 Prozent).

STICHWÖRTER
Frauen und Männer  | Arbeit  | Bildung  | Statistik Austria  | Österreich  | Wien  | Österreichweit  | Gesellschaft  | Menschen  | Politik  | Diskriminierung  | Frauentag  |
Weitere Meldungen Kultur & Gesellschaft
APA
Partnermeldung