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Gnaphosiden jagen ihre Beute ohne die Hilfe von Netzen © Michael Hohner (CC BY-SA 3.0)
Gnaphosiden jagen ihre Beute ohne die Hilfe von Netzen © Michael Hohner (CC BY-SA 3.0)

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Wie Plattbauchspinnen ihre Gegner ausschalten

19.06.2017

Mit speziellen Fäden und einer ausgeklügelten Technik jagen einige Plattbauchspinnen (Gnaphosidae) deutlich größere Spinnen. Dieses Verhalten haben Biologen der Universität Kiel mit Kollegen auf spektakulären Videos festgehalten und im "Journal of Experimental Biology" beschrieben. Plattbauchspinnen (auch Glattbauchspinnen genannt) jagen ihre Beute ohne die Hilfe von Netzen.

In älterer Fachliteratur gebe es bereits Hinweise auf die spezielle Technik der Plattbauchspinnen, sagte Studienautor Jonas Wolff. "Darin wurde geschildert, dass diese Spinnen andere Spinnen angreifen und mit Bändern aus klebriger Seide überziehen. Was genau hier vor sich geht, konnten die früheren Autoren allerdings nicht klären, da die Attacken sehr schnell sein können."

Die Forscher sammelten verschiedene Arten von Plattbauchspinnen, darunter Scotophaeus scutulatus und Drassodex heeri, an verschiedenen Orten in Europa, indem sie Steine umdrehten oder auch Rinde von Bäumen schälten. Anschließend nahmen sie die achtbeinigen Tiere genauer unter die Lupe, indem sie sie mit potenziellen Beutetieren wie etwa anderen Spinnen oder Grillen kämpfen ließen.

So fing Wolff beispielsweise bei einer Exkursion in den Südalpen einige Exemplare von Drassodex heeri. Die Art kommt in einigen Teilen Europas vor und hat eine Körperlänge von etwa zehn bis 16 Millimetern (Scotophaeus scutulatus: sieben bis 16 Millimeter).

Im Labor studierte Wolff das Jagdverhalten von D. heeri in der Video-Zeitlupe. "Und zum Glück zeigten die Tiere das Beutefang-Verhalten im Labor auch unter der starken Beleuchtung des Video-Setups, wenn man ihnen andere Spinnen vorsetzte."

Einwickeln mit Klebefäden

Statt wie andere Spinnen bei großer und wehrhafter Beute die Flucht zu ergreifen, gehen die Plattbauchspinnen zum Angriff über, schreiben die Wissenschafter. Die Spinnen heften Klebfäden an den Boden und laufen dann um die Beute herum. Dabei werden die Fäden aus den Spinnwarzen gezogen und bleiben an Boden und Körperteilen der Beute kleben.

Zum Teil wenden die Plattbauchspinnen der Beute auch ihr Hinterteil zu und versuchen, die abgegebenen Fäden um Beine und Mundwerkzeuge des Opfers zu wickeln. "Der Klebstoff härtet innerhalb von weniger als einer Sekunde aus, bleibt aber im Gegensatz zu einem Sekundenkleber sehr dehnbar und ist damit äußerst zäh und schwer zu lösen", erklärt Wolff.

Für ihr Jagdmanöver nutzen Plattbauchspinnen eine spezielle Seidenart. Die wird normalerweise von Spinnen genutzt, um strukturgebende Fäden stabil auf einer Oberfläche zu befestigen. Das ist beispielsweise wichtig für den Bau von Netzen. "Daher hat es uns überrascht, dass die Gnaphosiden diese Fähigkeit fast vollständig verloren haben - zu Gunsten ihrer äußerst effizienten Beutefangtechnik." Das sei ein Bilderbuchbeispiel für einen Funktionswandel, der wesentlich zur Diversifizierung der Lebensformen beitrage.

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