Kultur & Gesellschaft

Hochalpine Arten sind Verlierer der Erderwärmung © APA
Hochalpine Arten sind Verlierer der Erderwärmung © APA

APA

Klimawandel: Bei Flucht nach oben kommen hochalpine Arten unter Druck

01.02.2018

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 04/2018 und nicht zwingend tagesaktuell

Der Klimawandel zwingt Pflanzen in immer höhere Lagen. Bei dieser Flucht nach oben kommen die hochalpinen Pflanzenarten zunehmend unter Konkurrenzdruck, berichten österreichische und Schweizer Wissenschafter im Fachjournal "Pnas". In ihrer Studie zeigen sie, dass der größte Teil der Alpenflora von der Erwärmung eher profitiert, während die hochalpinen Arten die Verlierer der Veränderung sind.

Bisher stand vor allem die Frage im Zentrum, wie sich durch den Klimawandel die obere Verbreitungsgrenze von Alpenpflanzen verschiebt. Ein Team um Sabine Rumpf und Stefan Dullinger vom Department für Botanik und Diversitätsforschung der Universität Wien hat gemeinsam mit Kollegen der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft nun diesen Fokus erweitert, um ein vollständiges Bild der Reaktion der Alpenflora auf die steigenden Temperaturen zu bekommen.

Sie haben dazu die Veränderung entlang der gesamten Höhenverbreitung von 183 Arten untersucht. Sie verglichen dafür Daten von mehr als 1.500 Observationspunkten in Österreich, der Schweiz, Italien, Slowenien und Deutschland aus den Jahren 1911 bis 1970 mit dem aktuellen Stand der Verbreitung der Arten an diesen Orten.

Gewinner und Verlierer

Im Durchschnitt sind im Beobachtungszeitraum sowohl die obere und untere Verbreitungsgrenze als auch der Schwerpunkt der Verbreitung um 20 bis 35 Meter nach oben gewandert. Viele Arten wurden dabei innerhalb ihres Verbreitungsgebiets häufiger. "Der größte Teil der Alpenflora scheint sein gesamtes Verbreitungsgebiet langsam und gleichmäßig nach oben zu verschieben und vom Klimawandel bisher eher zu profitieren", erklärte Rumpf in einer Aussendung.

Diese Aufwärtsbewegung erfolgt allerdings mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Die Pflanzen in tieferen Lagen reagieren offensichtlich schneller als hochalpine Arten: Je tiefer eine Höhengrenze für eine Art historisch dokumentiert war, umso stärker hat sie sich unter dem Einfluss höherer Temperaturen nach oben verschoben. Gleichzeitig sind Arten mit historisch tieferem Verbreitungsschwerpunkt häufiger geworden.

Im Gegensatz zu diesen Profiteuren der Klimaerwärmung sind knapp 20 Prozent der untersuchten Arten Verlierer dieser Veränderungen. Sie sind seltener geworden und besiedeln ein schmaleres Höhenintervall. Diese 33 Arten, zu denen etwa die Alpenaster gehört, sind vor allem in den höheren und höchsten in der Studie untersuchten Lagen zu finden. "Es ist daher zu befürchten, dass alpine Arten neben direkten Klimawirkungen auch zunehmend mit konkurrenzstarken subalpinen und montanen Arten konfrontiert sein werden, die schneller nach oben wandern als sie selbst dazu in der Lage sind", so Dullinger.

Service: http://dx.doi.org/10.1073/pnas.1713936115

Mehr zum Thema:

Weltklima vor 10.000 Jahren prägte heutigen lokalen Artenreichtum

STICHWÖRTER
Biologie  | Klimaerwärmung  | Wien  | Wissenschaft  | Naturwissenschaften  | Umwelt  | Klimawandel  |
Weitere Meldungen Kultur & Gesellschaft
APA
Partnermeldung