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Das Ende der Natur? "Mensch beeinflusst Umwelt massiv"

03.04.2018

Am Dienstag, 17. April, 19 Uhr veranstaltet der Forschungsverbund Umwelt der Universität Wien in Kooperation mit dem Naturhistorischen Museum Wien eine Podiumsdiskussion zum Thema "Das Ende der Natur? Leben im Anthropozän". Der Geologe Michael Wagreich von der Universität Wien zeigt in einem Impulsvortrag, warum die Forschung über ein neues Erdzeitalter diskutiert und wie tiefgreifend der Mensch in den vergangenen Jahrhunderten bereits in das Erdsystem eingegriffen hat. Im Anschluss diskutieren ExpertInnen, wie die Zukunft auf dem Planeten Erde angesichts der alarmierenden Bestandsaufnahme ausschauen kann.

"Klimawandel, Ressourcenknappheit, die Nutzung von Böden, Artenverlust usw. - der menschliche Einfluss auf die Umwelt ist so massiv, dass wir so gesehen schon im Anthropozän angekommen sind", sagt Michael Wagreich. Der Geologe von der Universität Wien ist Mitglied einer internationalen Arbeitsgruppe, die klären soll, was für die Einführung des Anthropozäns - als neues geologisches Zeitalter und Nachfolger des derzeitigen Holozäns - spricht und wann sein Beginn festgesetzt werden könnte. "In vielen Parametern, z.B. beim CO2-Gehalt in der Atmosphäre, bei den Mengen an transportiertem und umgeschichtetem Sediment oder bei der Aussterberate von Organsimen, werden die natürliche Schwankungsbreite und Raten des Holozäns zum Teil weit überschritten. Der Mensch bestimmt viele geologische Prozesse, so dass manche ihn bereits als eine geologische Großmacht ansehen", so Wagreich. Gemeinsam mit Forschern der Universität für Bodenkultur Wien konnte er erst kürzlich zeigen, dass es deutliche menschliche Belastung der Umwelt bereits in der Bronzezeit gab, die vom menschlichen Erzabbau und der Verhüttung von Kupfer-, Eisen- und Römerzeit stammen.

Die Debatte über das Anthropozän ist schon länger keine rein naturwissenschaftliche mehr. Sie hat auch für die Sozial- und Geisteswissenschaften große Bedeutung: "Es geht darum, welche Stellenwert die Gesellschaft der Natur zuschreibt. Der Begriff Anthropozän zeigt uns: Wir haben eine Grenze überschritten. Die Spuren der Umweltveränderung werden für immer in den Schichten der Erde bleiben. Damit wird die Zukunft des gesamten Lebenssystems Erde anders verlaufen als wir das 12.000 Jahre lang gewöhnt waren", erklärt die Germanistin Eva Horn: "Wir müssen jetzt aktiv auf den planetarischen Befund reagieren. Es geht darum, Umweltpolitik nicht als einen Seitenaspekt von vielen zu sehen, sondern als den Grund von Politik", so die Forscherin der Universität Wien, die derzeit an einer Einführung in den Begriff "Anthropozän" arbeitet.

"Böses" oder "gutes" Anthropozän?

Der Begriff Anthropozän steht für einen massiven Umbruch im Verhältnis von Mensch und Natur. Aber ist es überhaupt sinnvoll, vom Menschen als geologische Kraft zu sprechen? Ist nicht viel mehr eine bestimmte Lebensweise für diese Veränderungen verantwortlich? Kann uns der Begriff des Anthropozäns zu einem neuen Verständnis von Natur und Umweltpolitik führen? Steuern wir einer Umweltkatastrophe, dem "bösen" Anthropozän, entgegen oder gibt es Hoffnung auf ein lebenswertes "gutes" Anthropozän durch technologische Lösungen? Diese Fragen diskutieren Michael Wagreich und Eva Horn zusammen mit der Umwelthistorikerin Verena Winiwarter und dem deutschen Bestseller-Autor und Journalisten Christian Schwägerl.

Die Podiumsdiskussion ist die dritte im Rahmen der Veranstaltungsserie "Umwelt im Gespräch", organisiert vom Forschungsverbund Umwelt - Netzwerk für Umweltwissenschaften der Universität Wien. Mit "Umwelt im Gespräch" möchte der Forschungsverbund in Kooperation mit dem Naturhistorischen Museum Wien aktuelle Herausforderungen im Umgang mit unserer Umwelt aufgreifen und wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage für das gesellschaftliche Handeln bereitstellen.

Das Anthropozän bei der Langen Nacht der Forschung

Was genau das Anthropozän ist und wo auch in Wien Spuren davon zu finden sind, lässt sich im Rahmen der Langen Nacht der Forschung erkunden. Als eine von über 40 Wissenschaftsstationen beim Forschungspfad am Schottentor zeigt ein interdisziplinäres Forschungsprojekt der Universität Wien gemeinsam mit der Universität für Angewandte Kunst Wien den menschlichen Einfluss in Wien in Raum und Zeit. Mithilfe von Videos, aber auch einem Bohrkern und Artefakten wird das Anthropozän somit am 13. April 2018 ab 17 Uhr "angreifbar".

Veranstaltung: Das Ende der Natur? Leben im Anthropozän

Zeit: Dienstag, 17. April 2018, 19:00 Uhr

Ort: Naturhistorisches Museum Wien, 1010 Wien, Maria-Theresien-Platz (Haupteingang)

Begrüßung durch Christian Köberl (Generaldirektor Naturhistorisches Museum Wien und Professor der Universität Wien), Jean-Robert Tyran (Vizerektor für Forschung der Universität Wien) und Thilo Hofmann (Leiter Forschungsverbund Umwelt der Universität Wien)

Einführungsvortrag Von Michael Wagreich, Sedimentologe der Universität Wien: "Das Anthropozän - Ist der Mensch eine neue geologische Großmacht?"

Im Anschluss Podiumsdiskussion:

Eva Horn, Professorin für neuere deutsche Literatur und Kulturwissenschaft an der Universität Wien, Christian Schwägerl, Wissenschaftsjournalist und Autor des Bestsellers "Menschenzeit: Zerstören oder gestalten? Die entscheidende Epoche unseres Planeten", Michael Wagreich, Sedimentologe und Ao. Professor der Universität Wien, Mitglied der Anthropozän-Arbeitsgruppe/Internationale Kommission für Stratigraphie (ICS), Verena Winiwarter, Professorin für Umweltgeschichte an der Universität für Bodenkultur, Wien und "Wissenschafterin des Jahres 2013"

Die PodiumsteilnehmerInnen stehen MedienvertreterInnen bei Interesse für Interviews zur Verfügung.

Anmeldung erbeten: Link

Einladung

Weitere Informationen: umwelt.univie.ac.at

Lange Nacht der Forschung

Rückfragehinweis:
Univ.-Prof. Michael Wagreich
Geodynamik & Sedimentologie
Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie
Universität Wien
T +43-1-4277- 534 65
michael.wagreich@univie.ac.at
Univ.-Prof. Eva Horn
Germanistik
Philologische und Kulturwissenschaftliche Fakultät
Universität Wien             
T +43-1-4277- 42128
eva.horn@univie.ac.at
Aussender:
Stephan Brodicky
Pressebüro der Universität Wien
Forschung und Lehre
1010 Wien, Universitätsring 1
T +43-1-4277-175 41
stephan.brodicky@univie.ac.at
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