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Claus Graf Schenk von Stauffenberg, der Kopf hinter dem Aufstand © APA (dpa)
Claus Graf Schenk von Stauffenberg, der Kopf hinter dem Aufstand © APA (dpa)

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75 Jahre 20. Juli - Die Operation "Walküre" in Wien

16.07.2019

Vor 75 Jahren - genau am 20. Juli 1944 - wurde der letzte Versuch unternommen, durch einen Militärputsch das Nazi-Regime zu beseitigen. Ebenso wie in Deutschland schlug die Aktion auch in Wien, der Hauptstadt der damaligen "Ostmark", fehl, doch wurden im Rahmen der Operation "Walküre" hier zumindest vorübergehend nahezu alle führenden Vertreter des Nazi-Regimes festgenommen.

Unbestrittener Kopf des "Aufstandes des Gewissens" war Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der am 20. Juli in der "Wolfsschanze" bei Rastenburg (Ostpreußen), dem damaligen deutschen Hauptquartier, einen Attentatsversuch auf Adolf Hitler unternahm. Durch einen Zufall wurde Hitler von der in einer Aktentasche versteckten Bombe nur leicht verletzt. Stauffenberg, der - im Glauben, Hitler getötet zu haben - nach der Bombenexplosion die Wolfsschanze verließ und nach Berlin flog, um den Aufstand auszulösen, wurde dort noch am selben Tag verhaftet und gegen Mitternacht mit drei weiteren Verschwörern erschossen.

Österreicher hatte Schlüsselrolle inne

Zu den engsten Mitarbeitern Stauffenbergs in Berlin zählte der Österreicher Robert Bernardis, damals Oberstleutnant des Generalstabs. Von ihm schreibt der Historiker Ludwig Jedlicka in seinem Buch "Das einsame Gewissen", Bernardis habe im Rahmen der Ereignisse des 20. Juli 1944 "in einer Schlüsselstellung eine bedeutsame Rolle" gespielt. Bernardis "Leben und Sterben" sei "in vieler Hinsicht für den Idealismus der kleinen Gruppe um Stauffenberg charakteristisch" gewesen.

In Wien hielten österreichische Patrioten - in den Uniformen von Offizieren der deutschen Wehrmacht - in dieser Zeit engen Kontakt zur Gruppe um Stauffenberg in Berlin. Dabei war Bernardis Stauffenbergs Verbindungsmann zu Major Carl Szokoll, der seinerseits als "Stauffenberg von Wien" bezeichnet wird. Szokoll - damals Hauptmann und Leiter des Organisationsreferates in der Abteilung I b/Org des Wehrkreiskommandos XVII und für die Bildung neuer Ersatztruppenteile verantwortlich - traf schon Monate vor dem 20. Juli in seinem Wirkungsbereich die notwendigen Vorbereitungen für den Putsch. Dabei machte er sich die Maßnahmen zunutze, die im Rahmen der Operation "Walküre" für den Fall von inneren Unruhen im Reichsgebiet geplant waren.

Major Szokoll funktionierte diese Maßnahmen für den Aufstandsplan um. Damals standen auf österreichischem Boden etwa zehn Bataillone und an der vorgelagerten Südostfront drei Divisionen und zwei Brigaden, die mit Österreichern durchsetzt waren und für den Plan Szokolls in Betracht kamen. Dieser Aufstandsplan hätte - wenn es in Berlin nicht schiefgegangen wäre - nach Ansicht von Historikern durchaus Erfolg haben können.

Fehlalarm: "Hitler ist tot"

Als am 20. Juli 1944 in Wien das Telegramm "Hitler ist tot" eintraf, standen in kurzer Zeit alle Garnisonen des Wehrkreises XVII in Alarmbereitschaft. Die Besetzung taktisch wichtiger Punkte und Gebäude wurde in Wien laut Plan "Walküre" vorgenommen. Die Partei- und SS-Führer, die Gauleitung, der Polizeipräsident von Wien und die Gestapo-Chefs wurden zu einer "dringenden Besprechung" in das Gebäude des Wehrkreiskommandos im heutigen Regierungsgebäude am Stubenring eingeladen.

Insgesamt waren es rund 30 Personen - ausnahmslos führende Vertreter des NS-Regimes - die der "Einladung" von Oberst Heinrich Kodre - einem Mitstreiter Szokolls - Folge leisteten. Sie wurden entwaffnet und unter Bewachung gestellt. Als aus dem Führerhauptquartier die Nachricht kam, Hitler habe den Anschlag überlebt, nahm Szokoll sofort mit Berlin Kontakt auf. Es gelang ihm sogar noch, mit Stauffenberg persönlich zu telefonieren. "Ihr werdet doch nicht auch schlapp machen!", soll dieser gesagt haben.

Allerdings sprach sich die veränderte Situation blitzartig im Gebäude des Wehrkreiskommandos herum. Ungehindert konnte die Wiener NS-Spitze das Haus wieder verlassen. Oberst Kodre wurde verhaftet, vor ein Ehrengericht gestellt und nach längerer Haft in das KZ Mauthausen eingeliefert. Szokolls Rolle innerhalb der Verschwörung wurde der Gestapo niemals bekannt. Überhaupt konnte die Widerstandsgruppe in Wien sich immer wieder auf das Stichwort "Walküre" berufen und so Verdächtigungen entkräften.

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