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Extreme Einkommensunterschiede sind Gift für sozialen Kooperationswillen © APA
Extreme Einkommensunterschiede sind Gift für sozialen Kooperationswillen © APA

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Große Ungleichheit gefährdet Aufrechterhaltung staatlicher Leistungen

22.08.2019

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 29/2019 und nicht zwingend tagesaktuell

Gibt es in einem Land große Einkommensunterschiede, sind bald weder die Reichen noch die Armen bereit, staatliche Leistungen mit Teilen ihrer Gehälter zu finanzieren. Das fanden österreichische Forscher anhand eines mathematischen Modells heraus. Kleine Ungleichheiten durch unterschiedliche Qualifikationen und Leistungswillen stören die Kooperation jedoch nicht, heißt es im Fachjournal "Nature".

Ungleichheit sei nicht kategorisch als schlecht anzusehen, erklären die Forscher um Christian Hilbe vom Institut für Science and Technology (IST) Austria in Klosterneuburg und den österreichischen Biomathematiker Martin Nowak von der Harvard University (USA). "Wenn manche Menschen mehr Erfahrung oder eine höhere Lösungskompetenz bei gewissen Aufgaben vorweisen können, kann eine gewisse Einkommensungleichheit sogar von Vorteil sein, um sicherzustellen, dass weiterhin alle beitragen", schreiben sie in einer Aussendung. Ein höheres Gehalt als andere motiviere hochproduktive Menschen, auch größere Summen an die Gemeinschaft abzutreten.

Extreme Ungleichheit wäre hingegen kontraproduktiv. Gibt es diese, seien zunächst ausgerechnet diejenigen mit höherem Einkommen "weniger geneigt, ihren Anteil zu staatlichen Aufgaben beizutragen", so die Forscher. Dies wiederum reduziert den Kooperationswillen der Menschen mit niedrigsten Einkommen drastisch.

Dadurch ende die Zusammenarbeit schnell, was sowohl für die reicheren wie ärmeren Schichten von Nachteil ist und die Finanzierung wesentlicher Dienste für die Gesellschaft gefährdet. "Diese Ergebnisse könnten für politische Entscheidungsträger, die für die kontinuierliche Unterstützung öffentlicher Güter und Dienstleistungen wie Steuern, Gesundheitswesen und Bildung verantwortlich sind, von Interesse sein", so die Wissenschafter.

Service: https://doi.org/10.1038/s41586-019-1488-5

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