Kultur & Gesellschaft

Bis 2026 will man am IST auf 90 Forschergruppen anwachsen © Daniel Hinterramskogler
Bis 2026 will man am IST auf 90 Forschergruppen anwachsen © Daniel Hinterramskogler

APA

IST Park soll Grundlagenforschung "marktfähig" machen

03.10.2019

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 35/2019 und nicht zwingend tagesaktuell

Mit einem neuen Technologie- und Forschungszentrum in direkter Nachbarschaft zum Institute of Science and Technology (IST) Austria soll in Klosterneuburg ein Ökosystem für forschungslastige Start-ups und Spin-offs entstehen. Der "IST Park" wurde am 30. September nach eineinhalbjähriger Bauzeit als gemeinsames Projekt des IST und der niederösterreichischen Wirtschaftsagentur Ecoplus eröffnet.

Der IST Park besteht derzeit aus zwei Gebäuden, die auf einem Hügel in unmittelbarer Nähe zum IST Campus errichtet wurden. Auf insgesamt 2.400 Quadratmetern stehen den Jungunternehmern flexibel anpassbare Büroräumlichkeiten sowie Molekularbiologie- und Zellkulturlabors zur Verfügung. "Uns ist es ganz wichtig, dass wir die Brücke zwischen Forschung und Praxis schlagen. Es gibt einen irrsinnigen Bedarf an forschungsintensiven Unternehmensansiedlungen", sagte Ecoplus-Geschäftsführer Jochen Danninger gegenüber APA-Science.

Danninger geht davon aus, dass die zukünftigen Mieter des IST Parks in erster Linie einen Bezug zum IST Austria haben, man werde sich aber auch anderen Bereichen nicht verschließen: "Wir glauben, dass dort relativ rasch eine kritische Masse von Start-ups überschritten werden kann, die dann voneinander profitieren." An der Projektgesellschaft "IST Park GmbH" hält Ecoplus 74,9 Prozent und das IST 25,1 Prozent. Die Baukosten von 15 Mio. Euro wurden aus Mitteln des EFRE-Strukturfonds und der Ecoplus Regionalförderung finanziert. Der IST Park ist das insgesamt sechste Technologie- und Forschungszentrum in Niederösterreich, das seit 2000 gegründet wurde.

Langfristiges Ziel umgesetzt

Das IST Austria öffnete Anfang Juni 2009 die Pforten für exzellente Wissenschafterinnen und Wissenschafter aus aller Welt. Die Forschungseinrichtung mit Promotionsrecht entstand nach einer Idee des Wiener Experimentalphysikers Anton Zeilinger und widmet sich der Grundlagenforschung. Mittlerweile arbeiten mehr als 700 Personen aus 60 Ländern am IST, 53 Gruppen forschen in den Bereichen Mathematik, Informatik, Physik, Chemie, Neurowissenschaften und Biologie. Mit der Eröffnung des Technologiezentrums wird laut Markus Wanko, Leiter des Bereichs Technologietransfer am IST, ein langfristiges Ziel umgesetzt, das bereits im Gründungsdokument des IST festgelegt war. Darin sei klar formuliert, "dass sich Firmen ansiedeln können und es ein langfristiges Ziel sein muss, dass sich hier ein lokales Ökosystem entwickelt".

Bereits in der neuen Anlage angesiedelt hat sich zum Beispiel ein Spin-off-Projekt einer Forschungsgruppe des IST Austria um Professorin Gaia Novarino, deren Ziel es ist, aus den Forschungsergebnissen der Gruppe eine Anwendung in der Autismus-Diagnostik zu entwickeln. Das Spin-off ist einer der ersten zehn Mieter, die dort eingezogen sind. Geht es nach den Kooperationspartnern, sollen rasch mehr folgen. "25.000 Quadratmeter sind gewidmet, es könnte gut drei bis vier Mal so groß werden, wie es jetzt ist", so Wanko.

Welche Art von Spin-offs aus dem IST kommen, ist entsprechend der Ausrichtung auf Grundlagenforschung völlig offen und auch die Gruppen sind in ihrer Forschung a priori nicht auf eine Kommerzialisierung eingestellt. "Internationale Beispiele wie das Weizmann-Institut (ein multidisziplinäres Institut für naturwissenschaftliche Forschung und Ausbildung in Rechovot, Israel; Anm.) haben aber gezeigt, dass aus exzellenter Grundlagenforschung immer etwas Anwendbares entsteht - man weiß nur nicht was", sagte Georg Schneider, der als Managing Director die Verwaltung des IST leitet, zur APA.

Klare Kommerzialisierungs-Regelung

Gelingt die Kommerzialisierung eines Forschungsprojekts, dann gibt es eine klare Regelung. Das geistige Eigentum (IP) gehört dem IST, während alle Gewinne aus Verwertungstätigkeiten im Verhältnis 60 zu 40 zwischen dem Institut und der Forschungsgruppe aufgeteilt werden. Andererseits unterstützt das Institut dabei, genauer die Abteilung für Technologietransfer (Technology Transfer Office), diese Verwertung professionell durchzuführen. Zusätzlich wurde ein eigenes Fellowship-Programm eingeführt, das es PostDocs mit einer konkreten Kommerzialisierungsidee ermöglicht, ein Jahr länger am Institut zu bleiben.

Die Grundlagenforschung auf der einen, und die Kommerzialisierung auf der anderen Seite, sind nicht nur organisatorisch, sondern auch räumlich bewusst getrennt. Im Fall des Projekts mit der Autismus-Diagnostik gibt es nun zwei Fellows, die sich am IST Park ganz dem Spin-off widmen, während die restliche Gruppe weiterhin am Campus an den genetischen und molekularen Grundlagen neurologischer Entwicklungsstörungen forscht. Hilfe und Unterstützung vor Ort bietet auch ein "Coworking Space" des auf akademische Ausgründungen spezialisierten Venture Fonds IST Cube.

Potenzial in allen Gebieten

Potenzial für Ausgründungen sehen die Experten grundsätzlich in allen Gebieten, an denen am IST geforscht wird - wobei ein Bereich ein wenig hervorsticht. Der Trend, dass die Life Scienes gerade in Wien und Ostösterreich einen Höhenflug erleben, spiegle sich auch am IST Austria wieder. Seit Gründung des IST Cube Anfang 2018 habe man sich gut 400 Ideen angesehen, ein Drittel stammte aus den Lebenswissenschaften.

Bis 2026 will man am IST auf 90 Forschergruppen anwachsen. "Das Ziel ist es, dass davon ein Drittel aus den Life Sciences kommt, eines aus Physik, Chemie und Materialwissenschaften, und ein weiteres Drittel aus den Formalwissenschaften, also Computerwissenschaft und Mathematik", so Schneider: "Die Grundlage für Gründungen ist da."

Weitere Meldungen Kultur & Gesellschaft
APA
Partnermeldung