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Chemische Schädlingsbekämpfung macht den Faltern zu schaffen © APA (dpa)
Chemische Schädlingsbekämpfung macht den Faltern zu schaffen © APA (dpa)

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Schmetterlingssterben: Kleine Naturschutzgebiete reichen nicht

21.10.2019

Schmetterlinge verlieren zusehends ihre Lebensräume. In tieferen Lagen sind bereits zwei Drittel der Falter verschwunden. Und die schlechte Nachricht: Kleine Naturschutzgebiete werden nicht reichen, um die Artenvielfalt zu erhalten, warnte der Biologe Jan Christian Habel von der Universität Salzburg. Gemeinsam mit dem Haus der Natur arbeitet er nun an einer Studie über Schmetterlinge in Salzburg.

Habel hat in einer aktuellen Arbeit gemeinsam mit den Naturkundemuseen Stuttgart und Karlsruhe Schmetterlinge flächendeckend für ganz Baden-Württemberg über die letzten 150 Jahre analysiert. Mit 36.000 Quadratkilometern ist dieses Bundesland fast halb so groß wie Österreich. Die Untersuchung ergab, dass zwar alle Schmetterlingsarten noch existierten, allerdings in viel geringerer Zahl. "Irgendwo auf dieser riesigen Fläche sieht man zumindest noch einige wenige Vertreter jeder Art", so der Biologe in einer Aussendung der Universität Salzburg. Vor allem in den letzten zwei Jahrzehnten habe die Zahl der Falter abgenommen, zwei Drittel aller ursprünglichen Vorkommen seien inzwischen verschwunden.

Hauptgrund sei die Landwirtschaft mit chemischer Schädlingsbekämpfung, dem oftmaligen Mähen und dem intensiven Düngen, wodurch blumenreiche Wiesen als Nahrungsquelle für Schmetterlinge verschwinden und nur wenige Grasarten überleben. Weniger Schmetterlinge wie generell weniger Insekten wirkten sich wiederum auf die Nahrungskette aus: Als Folge sei auch die Zahl der Vögel in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen.

Politik und Gesellschaft informieren

Mit Naturschutzgebieten wird laut Habel langfristig der Verlust der Artenvielfalt nicht aufgehalten werden können. Eine seiner Studien hat aufgezeigt, dass die Schutzgebiete oft zu klein und isoliert sind und deshalb viele Schmetterlingsarten verschwinden. "Eine lokale Population kann schnell aussterben, besonders wenn sie bereits klein und geschwächt ist. Zu einer Wiederbesiedlung kommt es danach nicht mehr." Noch sei aber nicht alles verloren, so der Biologe. Wichtig sei es vor allem, dieses Wissen an Politik und Gesellschaft heranzutragen, um ein weiteres Artensterben aufzuhalten. Manche Schmetterlingsarten könnten sich an geänderte Umweltbedingungen anpassen. Und auch einfache Maßnahmen wie das Anlegen naturnaher Gärten oder Blühstreifen würden sich positiv auswirken.

Für die Arbeit über Schmetterlinge in Salzburg kann Habel auf einen umfangreichen Datensatz des Hauses der Natur über die letzten 100 Jahre zurückgreifen. Auch in Salzburg sind seien Angaben zufolge in den letzten Jahren Arten ausgestorben, etwa der Alexis Bläuling. Schlecht gehe es vor allem den Faltern im Tiefland, weil hier die Flächen intensiver genutzt würden, was in den Bergen nicht möglich sei. Allerdings gehe Lebensraum durch "Verbuschung" auch in höheren Lagen verloren. Denn wo sich eine Nutzung wirtschaftlich nicht lohnt, werde häufig die Bewirtschaftung aufgegeben. Diese Flächen wachsen mit Büschen zu, wodurch zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten verschwinden.

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