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Unternehmen forschen an verschiedenen Mitteln © APA (dpa)
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Coronavirus - Experten suchen nach wirksamen Therapien

05.02.2020

Angesichts der Ausbreitung des neuen Coronavirus suchen Ärzte und Forscher in aller Welt nach einem wirksamen Mittel. Auch Arzneien zur Behandlung der Immunschwäche HIV, sogenannte anti-retrovirale Medikamente, werden eingesetzt. Da die Wirksamkeit dieser Therapie unsicher ist, wird auch mit anderen Präparaten experimentiert und an einer auf den Erreger 2019-nCoV angepassten Behandlung geforscht.

Warum anti-retrovirale Medikamente?

Bei der normalen Grippe und ähnlichen Erregern wird oft das antivirale Medikament Tamiflu verordnet. Die Influenza unterscheide sich aber sehr stark von dem neuartigen Coronavirus, sagt Sylvie van der Werf vom Pariser Pasteur-Institut.

Vor zwei Wochen bestätigten Ärzte in China, dass sie Infizierten in Peking Anti-HIV-Mittel gaben. Sie verwiesen auf eine 2004 veröffentlichte Studie, wonach die Therapie bei der ebenfalls durch ein Coronavirus ausgelösten Atemwegserkrankung SARS eine "günstige" Wirkung hatte. Bei HIV-Patienten verringern die Mittel Lopinavir und Ritonavir die Zahl der HI-Viren im Blut eines Patienten. Bei der Behandlung von 2019-nCoV haben Ärzte diese beiden Mittel mit dem Grippemittel Oseltamivir kombiniert.

In Thailand war eine 71-jährige infizierte Chinesin 48 Stunden, nachdem sie diesen Medikamentencocktail erhalten hatte, virenfrei. Ihre Ärzte mahnten aber, die Mittel dürften wegen möglicher starker Nebenwirkungen nur unter ärztlicher Aufsicht verabreicht werden.

Wirkt die anti-retrovirale Therapie tatsächlich?

Das lässt sich bisher nicht mit Sicherheit sagen. Experten in China zufolge zeigte die Studie von 2004, dass die anti-retroviralen Mittel bei SARS-Patienen einen "substanziellen klinischen Nutzen" hatten. Eine Studie mit 41 zufällig ausgewählten Patienten mit dem neuen Coronavirus, die am 24. Jänner im Fachblatt "The Lancet" veröffentlicht wurde, offenbarte aber "Einschränkungen" bei der Wirksamkeit der neuen Therapie.

In anderen Studien ist hingegen von "vielversprechenden" Ergebnissen die Rede. In der chinesischen Millionenmetropole Wuhan, von der das Virus im Dezember seinen Ausgang nahm, wurde eine klinische Studie dazu gestartet.

Was unternimmt die Pharma-Industrie?

Im Kampf gegen das Virus forschen Unternehmen an verschiedenen Mitteln. Die kalifornische Biotech-Firma Gilead Sciences nimmt nach eigenen Angaben in Zusammenarbeit mit den chinesischen Behörden klinische Tests mit dem SARS-Mittel Remdesivir vor. Auch an völlig neuen Mitteln wird gearbeitet. Die US-Gesundheitsbehörde ist mit dem Pharma-Unternehmen Regeneron eine Partnerschaft eingegangen, um sogenannte monoklonale Antikörper gegen 2019-nCoV zu entwickeln. Solche im Labor hergestellten Antikörper haben die Sterberate bei Ebola-Patienten verringert.

Hilfreich für die Suche nach einem Heilmittel ist die Tatsache, dass es weltweit mittlerweile drei Forscherteams gelungen ist, das neue Coronavirus im Labor nachzuzüchten. Die Arbeit der Wissenschafter in China, Australien und im Pariser Pasteur-Institut könnte helfen herauszufinden, wie sich das Virus in menschlichen Zellen vermehrt, sagt der wissenschaftliche Leiter des Pasteur-Instituts, Christophe d'Enfert.

Wie sieht es mit alternativen Heilmethoden aus?

Zwischenzeitlich hieß es, ein Trank der traditionellen chinesischen Medizin aus Geißblatt und anderen Pflanzen blockiere das Virus im Körper. In China löste dies einen Ansturm auf die Hersteller des Tranks aus. Später wurde in den chinesischen Staatsmedien aber zurückhaltender über die Wirksamkeit des Mittels berichtet und auf mögliche Nebenwirkungen verwiesen. In Indien, wo es bisher nur drei bestätigte Infektionsfälle gibt, pries die Regierung Homöopathie in Ayurveda als Therapiemöglichkeiten an. Eine Wirksamkeit dieser alternativen Heilmethoden ist aber nicht bewiesen und Schulmediziner raten weiterhin, sich bei Verdacht auf eine 2019-nCoV-Infektion im Krankenhaus behandeln zu lassen.

Auch im Internet kursierten schon einige krude Therapievorschläge. So wurde in Australien fälschlicherweise Sole als Viren-Killer propagiert. In Thailand kursierte in Online-Medien der Ratschlag, ein bestimmtes Desinfektionsmittel in den Mund zu sprühen. Der Hersteller des Mittels wies dies zurück.

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