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Praktische Erfahrungen in Notfallsituationen sammeln © APA (dpa)
Praktische Erfahrungen in Notfallsituationen sammeln © APA (dpa)

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Medizin-Studenten üben Notfall in steirischem Simulationskrankenhaus

20.02.2020

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 07/2020 und nicht zwingend tagesaktuell

Um Studierende heute bestmöglich auf ihren medizinischen Einsatz von morgen vorzubereiten, steht der Med-Uni Graz ein ganzes Spital zur Verfügung. Im ehemaligen LKH Eisenerz können sie in einem mehrtägigen Training mit Laiendarstellern im realistischen Setting Notfälle bis hin zum Corona-Verdachtsfall und dem Überbringen schlechter Nachrichten an Angehörigen üben.

Im obersteirischen Eisenerz ist im vergangenen Jahr ein Campus entstanden, in dem sich Einsatzkräfte durch realitätsnahe Simulationen auf Notfall-, Krisen und Katastrophensituationen vorbereiten können. Ein zentraler Teil des SIM-Campus ist das ehemalige LKH Eisenerz mit seiner gesamten Einrichtung. Studierende der Med-Uni Graz haben dort Ende Februar das erste Mal die Möglichkeit, praktische Erfahrungen in Notfallsituationen des Krankenhausalltags zu sammeln. Sie begeben sich am 27. und 28. Februar in eine "Vollsimulation", wie es Thomas Wegscheider, Leiter des Medical-Skills-Centers der Med-Uni Graz und zugleich Geschäftsführer des SIM-Campus in Eisenerz, im Gespräch mit der APA nannte.

Fokus auf realistischer Notaufnahme

"Die Grazer SIMLine" nennt sich die Lehrveranstaltung, die den Fokus auf eine realistisch simulierte Notaufnahme legt. Rund 30 Studierende der Humanmedizin, Zahnmedizin sowie Gesundheits-und Pflegewissenschaften können sie als freies Wahlfach absolvieren. Ihnen stehen laut Wegscheider mehr als 40 voll ausgestattete Räume im aufgelassenen obersteirischen Spital zur Verfügung.

In der Vorwoche wurden die Studierenden an zwei Tagen in Graz vorbereitet. Es ging um Warnsignale, anhand derer die Studierenden Krankheiten und Zustände erkennen sollen. Besprochen wurden weiters Maßnahmen bei Infektionskrankheiten, wie etwa auch das Corona-Virus. Die Vortragenden kommen größtenteils aus den Unikliniken für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Kinder- und Jugendheilkunde, Innere Medizin sowie Medizinische Psychologie und Psychotherapie.

Nicht zu viel verraten

Am 20. Februar geht es das erste Mal mit dem Bus nach Eisenerz, wo kleinere Workshops abgehalten werden. Sie umfassen auch die Evakuierung eines Krankenhauses, die sich nur praktisch üben lässt. Zur "Vollsimulation" am 27. und 28. Februar will Wegscheider noch nicht allzu viel verraten. "Die Studierenden wissen zwar ungefähr den Pool an Fällen und Krankheiten, aber sie wissen nicht was wann und unter welchen Umständen passiert", so Wegscheider. Ob Augen- und Schädelverletzungen, ein Herzinfarkt oder Infektionskrankheiten - die Palette ist groß.

Der Schwerpunkt der Eisenerzer Übung liege darin, die Krankheiten und Zustände zu erkennen, den Patienten zu versorgen und über Aufnahme, Verlegung oder Entlassung zu entscheiden, hieß es. Durch die neue Dimension der realistischen Simulation lasse sich auch die Bettenzuteilung realistisch üben. Hier spielt auch die zeitliche Komponente eine wichtige Rolle.

Bis zu zwölf Patienten pro Schicht

Die Dienstschichten in der Simulation dauern maximal acht Stunden. In dieser Zeit sollen die Studierenden bis zu zwölf herausfordernde Patienten behandeln. Alles soll so realistisch wie möglich gestaltet sein, deswegen wird es auch sogenannte Unterforderungs- und Überforderungsphasen geben. So sollen die Studierenden ein Gespür für den Alltag in einem Krankenhaus bekommen und lernen, in welchen Intervallen sie selbst essen oder trinken müssen.

Bis zu 20 Personen sollen eingebunden werden, damit die Notfallszenarien so realistisch wie möglich durchgeführt werden können. Als Patienten dienen sowohl Laiendarsteller, Statisten als auch Simulationspuppen. Die "echten" Patienten werden im Vorhinein gebrieft, trainiert und professionell geschminkt, erklärte Wegscheider. "Die neuen Bedingungen sind wirklich top und ich würde sagen europaweit einzigartig", zeigte sich Wegscheider begeistert. Im Sommersemester soll die Lehrveranstaltung wieder angeboten werden.

Bis Ende Juni 2018 war das Eisenerzer Spital noch als Landeskrankenhaus in Betrieb. Wegen fehlender Fallzahlen und veränderten Strukturen wurde es aber geschlossen. Im September 2019 eröffnete das Simulations- und Trainingsspital als Teil des "SIMCampus". Einsatzkräfte, zum Beispiel vom Roten Kreuzes oder von der Bergrettung, können sich hier auf Notfall-, Krisen und Katastrophensituationen durch realitätsnahe Simulationen vorbereiten.

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