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Labor ermöglicht Arbeit mit gefährlichen Mikroorganismen © Med Uni Graz
Labor ermöglicht Arbeit mit gefährlichen Mikroorganismen © Med Uni Graz

APA

Speziallabor für hochinfektiöses Material in Graz

26.03.2020

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 12/2020 und nicht zwingend tagesaktuell

Die Forschung auf dem Gebiet von Hochrisikopathogenen wie dem SARS-CoV-2-Erreger erfordert strengste Sicherheitsvorkehrungen. Die Med-Uni Graz verfügt über ein österreichweit einzigartiges Speziallabor für den Umgang mit hochinfektiösem Material. Die Nachfrage von Forschergruppen sei enorm, berichtete Kurt Zatloukal vom Diagnostik- und Forschungszentrum für molekulare Biomedizin im APA-Gespräch.

Kameraüberwachung und mehrfache Zutrittskontrollen, Unterdruck im gesamten Labor, pathogen- und flüssigkeitsdichte Schutzanzüge mit Respiratoren, die die Luft filtern und einen Überdruck im Anzug erzeugen, chemische Duschen zur Dekontamination: Das ist laut Zatloukal nur ein kleiner Teil der Ausstattung, die für das Labor der biologischen Sicherheitsstufe 3 (BSL-3) am Institut der Pathologie am neuen Med Campus zum Standard gehört. "Wir haben mit Abstand den höchsten Sicherheitsstand in ganz Österreich. Formell ist es ein BSL-3-Labor, aber von unserer Ausstattung her erfüllen wir bereits viele Anforderungen von BSL-4 Laboren, der höchsten möglichen Sicherheitsstufe", schilderte der Grazer Pathologe. Wegen der aufwendigen Schutzmaßnahmen gebe es weltweit nur eine geringe Anzahl von BSL-4-Laboratorien, österreichweit gar nicht.

Das Labor ermögliche die Arbeit mit Mikroorganismen, welche zu schweren Erkrankungen und Epidemien führen können, wie es aktuell beim Erreger SARS-CoV-2 der Fall ist, der die Erkrankung Covid-19 verursacht. Dafür ist es mit einem Schleusensystem und abgeschlossenen Luftkreislauf mit Filtersystemen ausgestattet. Der Laborbereich wird unter Unterdruck gehalten, um ein Austreten von potenziell verseuchter Luft zu verhindern. "Bei der Konzeption des BSL-3 Labors haben wir die Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit mehreren europäischen Hochsicherheitslaboren im Rahmen von EU-Forschungsprogrammen umgesetzt, um einen optimalen Schutz von Mitarbeitern und Umwelt zu erreichen", blickte Zatloukal zurück. Die Grazer Forscher vom Institut für Pathologie waren dazu auch federführend am EU-Programm ERINHA beteiligt, das eine europäische Forschungsinfrastruktur für hochpathogene Agentien zum Ziel hatte.

Vielzahl an Anfragen für Forschungsprojekte

Die Laborausstattung und das in mehreren EU-Projekten speziell trainierte Team mache die Grazer Infrastruktur derzeit heiß begehrt, berichtete Zatloukal: "Wir werden aktuell nahezu überrannt von Anfragen für Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Es gibt einfach zu wenig Labors, die das alles bieten können." Derzeit seien Forschungskooperationen zur Testung von möglichen Medikamenten gegen SARS-CoV2 mit der Medizinischen Universität in Wien wie auch innovativen Unternehmen in Vorbereitung. Des Weiteren wird das Labor zurzeit zur Verbesserung von diagnostischen Assays (Methoden zum Nachweis einer Substanz, Anm.) gemeinsam mit führenden Diagnostikaherstellern und kleineren Unternehmen sowie für die Teilnahme an EU-Programmen zur Bekämpfung von Covid-19 eingesetzt. Darüber hinaus haben Forschungsprojekte auch die Testung von Desinfektionsmitteln und Schutzausrüstungen zum Ziel.

Das BSL-3-Labor wurde auch zur Durchführung von Autopsien, Schnellschnittdiagnostik und Probenaufbereitung für die molekulare Erregerdiagnostik errichtet. Dies kann erforderlich sein, wenn es sich um Todesfälle durch nicht diagnostizierte Erreger handelt, zur Risikobeurteilung bei beginnenden Epidemien und zur Evaluierung der Rolle von Begleiterkrankungen.

"Wir untersuchen die Verstorbenen, um festzustellen, welche Rolle die bereits vorhandenen Erkrankungen und welche Rolle das Virus gespielt hat. Das ist sehr wichtig für die Risikobeurteilung und letztlich wollen wir verstehen, wie das Virus die Organe schädigt, denn erst das Verständnis von Krankheitsmechanismen, die individuelle Krankheitsverläufe bestimmen, wird wesentlich zum Fortschritt der Medizin beitragen und neue Therapieansätze ermöglichen", erklärte Zatloukal. In der Schnellschnittdiagnostik arbeitet man mit einem dekontaminationsresistenten digitalen Mikroskop. Diese digitale Vernetzung ermöglicht, dass sich die besten Köpfe aus unterschiedlichen Ländern gemeinsam einer Untersuchung widmen können, da digitalisierte histologische Schnitte elektronisch versendet und mit führenden Zentren weltweit geteilt werden können.

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