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Weltweit eine Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht © APA (dpa)
Weltweit eine Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht © APA (dpa)

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Studie: Festhalten am Wirtschaftswachstum gefährdet Artenvielfalt

16.04.2020

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 15/2020 und nicht zwingend tagesaktuell

Das Festhalten am Wirtschaftswachstum gefährdet die biologische Vielfalt massiv. Das zeigt eine Studie von Wissenschaftern aus zwölf Ländern, darunter Österreich, die in der Fachzeitschrift "Conservation Letters" veröffentlicht wurde. Sie fordern darin ein Umdenken hin zu alternativen Szenarien, da die meisten Strategien zum Erhalt der Artenvielfalt weiterhin auf Wirtschaftswachstum setzen würden.

Dass weltweit dem Weltbiodiversitätsrat zufolge eine Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht ist, geht stark auf die Übernutzung der natürlichen Ressourcen des Ökosystems Erde zurück. Wie das Wirtschaftswachstum zum Verlust biologischer Vielfalt beiträgt, hat ein internationales Forscherteam, darunter sieben Wissenschafter der Universität für Bodenkultur Wien, der Universität Wien und des Umweltbundesamts, anhand globaler Daten analysiert.

Höhere Emissionen durch Wirtschaftswachstum

"Wirtschaftswachstum führt zur Steigerung des Ressourcenverbrauchs und zu höheren Emissionen, die den Klimawandel antreiben. Neben diesen Faktoren tragen auch die steigende Nachfrage nach Produkten aus Land- und Forstwirtschaft und die damit intensivere Landnutzung massiv zum Verlust der biologischen Vielfalt bei", erklärte Karl-Heinz Erb vom Institut für soziale Ökologie der Universität für Bodenkultur Wien in einer Aussendung.

Von technologischer Seite ist dabei keine Verbesserung bei der Ressourcennutzung und den Treibhausgas-Emissionen zu erwarten. "Die Effizienzgewinne wurden durch fortgesetztes Wirtschaftswachstum zunichte gemacht", so Franz Essl vom Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien.

Forscher schlagen Alternativen vor

Die Autoren zeigen auch, dass die Mehrheit der Strategien zum Schutz der Biodiversität in der internationalen Biodiversitäts- und Nachhaltigkeitspolitik auf ein weiteres Wirtschaftswachstum setzt. Die Wissenschafter schlagen deshalb Alternativen zum Wirtschaftswachstum vor, die dennoch den allgemeinen Wohlstand steigern und gleichzeitig den weltweiten Rückgang der biologischen Vielfalt stoppen.

"Politiker müssen anerkennen, dass es einen Konflikt zwischen Wirtschaftswachstum und dem Erhalt der biologischen Vielfalt gibt", betonte Essl. Um eine Trendwende in der globalen Biodiversitätskrise zu erreichen, müsse die Wissenschaft alternative sozioökonomische Pfade jenseits des Wachstumsparadigmas entwickeln. Auch eine Begrenzung des Land- oder Ressourcenbedarfs von gehandelten Produkten oder der Ausbeutung von Rohstoffen in biodiversitätsreichen Gebieten könnte eine wichtige Rolle spielen.

Die Wissenschafter verweisen auf die Corona-Krise, die zwinge, viele Gewohnheiten zu ändern. "Daraus könnten wir lernen, in welchen Bereichen - dann ohne eine Bedrohung wie etwa dem Coronavirus - andere wirtschaftliche Praktiken möglich sind, ohne unser Wohlergehen zu bedrohen", betonen die Forscher.

Service: http://dx.doi.org/10.1111/conl.12713

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