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Fossile Wirbel geben Einblick in mysteriöse Urzeit-Haie

23.04.2020

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 16/2020 und nicht zwingend tagesaktuell

1996 wurden an der Nordküste Spaniens Teile einer Wirbelsäule und Hautzähnchen entdeckt, die Forscher der Uni Wien nun der ausgestorbenen Gruppe der "ptychodonten Haie" zuordnen konnten. Ihre Auswertungen zeigten, dass die Wirbel zu einem bis zu sieben Meter großen Hai gehört haben, der rund 30 Jahre alt und wahrscheinlich erst im Teenageralter war, berichten sie im Fachjournal "Plos One".

Die fossilen Überreste wurden in meterhohen Kalksteinwänden in der Nähe der Stadt Santander entdeckt, die in der Kreidezeit vor etwa 85 Millionen Jahren entstanden sind. Paläontologen fanden dort Teile einer Wirbelsäule sowie sogenannte Placoidschuppen. Diese schuppenartigen Hautzähnchen treten bei Knorpelfischen auf und bedecken deren Körper.

Aus unbekannten Gründen ausgestorben

Das Team um Patrick Jambura vom Institut für Paläontologie der Universität Wien hat diese Funde nun den ptychodonten Haien zugeordnet. Diese Gruppe war in der Kreidezeit außergewöhnlich artenreich, starb aber aus bisher unbekannten Gründen noch vor den Dinosauriern gegen Ende der Kreidezeit aus. Die mysteriösen Urzeit-Haie waren bisher vor allem für ihre abgeflachten Quetschzähne bekannt, mit denen sie hartschalige Beute wie Muscheln und Ammoniten knacken konnten.

Von Haien und Rochen sind nur selten Wirbelkörper als Fossilien erhalten geblieben. Dabei speichern sie - ähnlich wie Bäume - in Form von Jahresringen Informationen wie Alter, Größe und Wachstum. Mit Hilfe von statistischen Modellen und dem Vergleich mit großen, noch lebenden Haiarten konnten die Wissenschafter nun Rückschlüsse auf den Urzeit-Hai ziehen.

Wachsen bis ans Lebensende

"Unsere Berechnungen ergaben, dass diese Wirbel zu einem vier bis sieben Meter großen Hai gehörten, der zirka 30 Jahre alt war. Beeindruckend war, dass dieser Hai bis an sein Lebensende konstant an Größe zunahm", erklärte Jambura in einer Aussendung der Uni. Üblicherweise verlangsamt sich bei Haien das Wachstum nach der Geschlechtsreife. "Da dies bei unserem Hai nicht der Fall war, ist davon auszugehen, dass es sich bei unserem Tier immer noch um ein Jungtier, wahrscheinlich einen Teenager handelt - und das mit einem Alter von 30 Jahren und der genannten Körpergröße", so der Paläontologe.

Den Forschern zufolge wuchsen diese Tiere langsam, erreichten aber enorme Größen und konnten offensichtlich auch sehr alt werden. "Ihre Geschlechtsreife erlangten sie erst sehr spät im Vergleich zu anderen Haien. Vielleicht ist das auch der Grund, der zu ihrem Untergang führte", so Jambura. Möglicherweise konnten sie sich nicht schnell genug an Umweltveränderungen anpassen.

Die Wissenschafter verweisen in diesem Zusammenhang auf die vielen Hai-Arten, die heute vom Aussterben bedroht sind, weil sie langsam wachsen, spät geschlechtsreif werden und auf Grund des Drucks, der vom Menschen ausgeht - zum Beispiel durch Überfischung und Umweltverschmutzung -, nicht schnell genug Nachwuchs bekommen können, um die Art zu erhalten.

Service: https://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0231544

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