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Hydrothermales System im Chicxulub-Krater © V.O. Leshyk, LPI
Hydrothermales System im Chicxulub-Krater © V.O. Leshyk, LPI

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Chicxulub-Krater war jahrtausendelang riesiger dampfender Kessel

29.05.2020

Jener Krater, der vor 66 Millionen Jahren im heutigen Golf von Mexiko beim Einschlag eines Asteroiden entstanden ist, war jahrtausendelang ein riesiger dampfender Kessel. Das zeigen Analysen von Bohrproben aus dem Chicxulub-Krater, die ein internationales Wissenschafterteam nun im Fachjournal "Science Advances" veröffentlicht hat. Die Folgen des Einschlags führten zum Aussterben der Dinosaurier.

Der Chicxulub-Krater hat einen Durchmesser von rund 180 Kilometern. Die Spuren des Einschlags eines rund zehn Kilometer großen Himmelskörpers auf der mexikanischen Halbinsel Yucatan am Ende der Kreidezeit sind zum größten Teil unter Hunderten Metern Meeresablagerungen im Golf von Mexiko verborgen. 2016 hat ein internationales Forscherteam erstmals Bohrungen im Ringgebirge ("Peak Ring") durchgeführt, das sich im Zentrum des Kraters gebildet hat. Dem Team, das die so zutage geförderten Gesteinsproben analysiert hat, gehörte auch der Impaktforscher Ludovic Ferrière, Kurator der Meteoritensammlung am Naturhistorischen Museum (NHM) Wien an. Er ist auch Ko-Autor der aktuellen Arbeit.

Heiße Tropfen auf heißem Stein

Die Bohrkerne zeigen, dass sich nach dem Einschlag ein ausgedehntes sogenanntes hydrothermales System im Krater gebildet hat. Dabei zirkulierte heißes Wasser, in dem zahlreiche Mineralien gelöst waren, durch die zertrümmerten und aufgeschmolzenen Gesteine des Ringgebirges und veränderte mehr als 100.000 Kubikkilometer der Erdkruste chemisch und mineralogisch, schreiben die Wissenschafter um David Kring von der Universities Space Research Association (USA).

Das Wasser floss dabei rund um eine etwa drei Kilometer dicke Magmablase, die beim Einschlag entstanden ist und strömte zum Teil auch in das über dem Kraterboden befindliche Meer. Besonders intensiv war dieses hydrothermale System in dem Ringgebirge ausgebildet, das sich mit einem Durchmesser von 90 Kilometern rund um das Zentrum des Kraters erstreckte. Die Gesteinsproben sind von fossilen hydrothermalen Röhren durchzogen, an deren Wänden sich mehrfarbige Mineralien abgelagert haben.

Die identifizierten Mineralien deuten darauf hin, dass das hydrothermale System anfangs mit Temperaturen von 300 bis 400 Grad Celsius sehr heiß war. Entsprechend lange dürfte es auch gedauert haben, bis es sich abgekühlt hat. Anhand von Mineralen, die die Fähigkeit haben, Veränderungen im Magnetfeld der Erde aufzuzeichnen, konnten die Forscher berechnen, dass die hydrothermale Aktivität im Krater mindestens 150.000 Jahre lang anhielt. Als weiteren Beleg für die Langlebigkeit dieses Systems werten die Forscher die ungewöhnlich hohe Mangankonzentration in den Sedimenten des Meeresbodens über dem Krater.

Bei den Bohrungen wurden nur an einer Stelle Proben des einstigen hydrothermalen Systems genommen. Die Ergebnisse würden aber darauf hindeuten, "dass es eine etwa 300 Kilometer lange Kette von Heißwasserschloten auf dem Peak Ring gegeben hat und dass zusätzliche Öffnungen über den Kraterboden verstreut waren, als sich die Einschlagschmelze abkühlte", so Kring. Das ist insofern von Bedeutung, als derartige Systeme Lebensraum für mikrobielles Leben schaffen könnten. Auch in früheren Phasen der Erdgeschichte, als die Erde noch einem viel stärkeren Bombardement durch Meteoriten ausgesetzt war, könnten so Nischen für Leben entstanden sein. "Das Leben könnte sich in einem Einschlagskrater entwickelt haben", so Kring.

Service: http://dx.doi.org/10.1126/sciadv.aaz3053

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