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EU ohne Großbritannien. Im EIS werden die Gesamtindizes üblicherweise auf den EU-Mittelwert sieben Jahre zuvor bezogen, was die Lesbarkeit einschränkt, ohne die Reihenfolge zu beeinflussen © Modifiziert/nach Europäische Kommission (2020a)
EU ohne Großbritannien. Im EIS werden die Gesamtindizes üblicherweise auf den EU-Mittelwert sieben Jahre zuvor bezogen, was die Lesbarkeit einschränkt, ohne die Reihenfolge zu beeinflussen © Modifiziert/nach Europäische Kommission (2020a)

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Österreich auf Platz 8 im European Innovation Scoreboard 2020: Analyse und Interpretation der Ergebnisse

01.07.2020

Der European Innovation Scoreboard (EIS) misst die Innovationsleistung der EU-Mitglied- sowie einiger weiterer Staaten, vergleicht sie und ordnet sie im globalen Kontext ein. Dabei gliedert der EIS die Staaten in vier Gruppen: 1) Innovationsführer (Gesamtindex von über 125 % des EU-Mittelwerts, "innovation leaders"); 2) starke Innovatoren (über 95 %, "strong innovators"); 3) mäßige Innovatoren (über 50 %, "moderate innovators") und 4) bescheidene Innovatoren (unter 50 %, "modest innovators"). Der EIS stellt damit auch für Österreich die zentrale Referenz für die Erreichung der FTI-Strategie-Ziele dar, hat sich doch die Bundesregierung via FTI-Strategie 2020 zum Ziel gesetzt, bis 2020 zur Gruppe der Innovationsführer anzugehören.

Österreich ist im European Innovation Scoreboard 2020 (im Folgenden "EIS 2020"), der überwiegend auf Daten für das Jahr 2019 beruht, gegenüber dem Vorjahr um einen Platz nach vorne gerückt; d.h. Österreich belegt aktuell Platz acht. Das liegt allerdings ausschließlich daran, dass Großbritannien in der aktuellen Reihung nicht mehr berücksichtigt wird. Wie in Abbildung 1 dargestellt, gehört Österreich auch im EIS 2020 der Gruppe der starken Innovatoren an.

Betrachtet man die Gruppe der Innovationsführer, so umfasst diese 2020 (nach vier im Vorjahr) fünf EU-Mitgliedstaaten; d.h. zu Schweden, Finnland, Dänemark und den Niederlanden gesellt sich nun wieder (wenn auch sehr knapp) Luxemburg. Im Vergleich dazu gehört Österreich - gemeinsam mit Belgien, Deutschland, Irland, Frankreich, Estland und Portugal - der Gruppe der starken Innovatoren an. Diese weisen sich dadurch aus, dass sie bei einer Innovationsperformance zwischen 95 % und 125 % des EU-Mittels (für das jeweilige Jahr definitionsgemäß 100 %) liegen.

Ergebnisse in den einzelnen Dimensionen

Der EIS ist ein Gesamtindex und gibt den Mittelwert von 27 Einzelindikatoren wieder, die ihrerseits in zehn Dimensionen zusammengefasst werden. In sieben von zehn Dimensionen konnte sich Österreich verbessern, in drei stagnierte Österreich oder hat sich verschlechtert. Deutliche Verbesserungen sind in den Dimensionen "Humanressourcen", "Finanzen" sowie bei den "Auswirkungen der Innovation auf die Beschäftigung" zu erkennen. Verschlechtert hat sich Österreich v.a. im Bereich der "Unternehmensinvestitionen". Hätte Österreich in dieser Dimension den Wert vom Vorjahr halten können (v.a. durch mehr unternehmensinterne IKT-Weiterbildung), läge der Gesamtindex nun bei 119,5 % und somit höher als im Vorjahr.

Österreich verbessert sich ebenso wie die meisten EU-Mitgliedstaaten kontinuierlich. Die Innovationsleistung der gesamten EU hat sich um 8,9 % und damit etwas schneller als jene Österreichs mit 7,5 % verbessert. Mit Ausnahme von drei Mitgliedstaaten (Deutschland, Rumänien und Slowenien) konnten sich seit 2012 alle Staaten verbessern. Allerdings war der Anstieg der europäischen Nicht-EU-Mitgliedstaaten Großbritannien, Norwegen und Schweiz im selben Zeitraum größer. Daraus folgt, dass sich Österreich auch zu diesen Ländern seit 2012 relativ verschlechtert hat.

Ergebnisse der Einzelindikatoren

Das Abschneiden eines Landes im Rahmen des EIS wird von 27 Einzelindikatoren, die in den zuvor beschriebenen zehn Dimensionen zusammengefasst werden, bestimmt. Jeder der Indikatoren verfügt über dieselbe Gewichtung. Um die Einzelindikatoren zum Gesamtindex zusammenzuführen, werden sie normalisiert, indem sie einen Wertebereich zwischen null und eins annehmen. Der Gesamtindex entspricht schließlich dem Mittelwert der 27 normalisierten Einzelindikatoren. Da der zum Ausweis als Innovationsführer erforderliche Gesamtindex von 125 % des EU-Mittels bei 0,634 liegt, kann dieser Wert als Benchmark verstanden werden, den Österreich im Durchschnitt erreichen muss. Im EIS 2020 liegt Österreich bei 14 von 27 Indikatoren über dem Wert von 0,634, bei 13 Indikatoren darunter. Den höchsten Wert erreicht Österreich bei "KMU mit Innovationskooperationen" (0,964), dahinter folgen "F&E im Unternehmenssektor" (0,869), "F&E im öffentlichen Sektor" (0,853) und "KMU mit Marketing-/Organisationsinnovationen" (0,827). Die geringsten Werte erreichte Österreich bei den Indikatoren "Beschäftigung in schnell wachsenden Unternehmen" (0,170) und "Wagniskapitalinvestitionen" (0,224) - dies sind Bereiche, die fast schon traditionell als Herausforderung für das Innovationsland Österreich gelten.

Im Vergleich zum Vorjahr konnte sich Österreich bei 14 tatsächlich gemessenen Werten verbessern. Bei drei Indikatoren sind speziell große Verbesserungen zu verzeichnen, das sind "Breitbanddiffusion", "Beschäftigung in schnell wachsenden Unternehmen" und "Wirtschaftsfinanzierung von öffentlicher F&E". Bei sieben Indikatoren kam es zu keiner Änderung im Vergleich zum Vorjahr. Ein negatives Wachstum weist Österreich hingegen in insgesamt sechs Dimensionen auf, nämlich bei den Indikatoren "IKT-Weiterbildung" mit dem mit Abstand niedrigsten Wachstum, "chancengetriebene Gründerinnen und Gründer", "lebenslanges Lernen", "Geschmacksmusteranmeldungen", "PCT-Patentanmeldungen" und "Top-10 %-Publikationen".

Analysen im Detail

Detailanalysen aller zehn Dimensionen und 27 Einzelindikatoren im Vergleich zum Vorjahr und zum EU-Durchschnitt, sowie zahlreiche Abbildungen finden Sie auf der Homepage von WPZ Research:

https://www.wpz-research.com/wp-content/uploads/2020/07/EIS-2020_%C3%96sterreichs-Innovationsperformance-im-internationalen-Vergleich.pdf

Ergänzung zum Forschungs- und Technologiebericht: Ecker, B., Sardadvar, S. (2020): Österreichs Innovationsperformance im internationalen Vergleich: Österreich auf Platz 8 im European Innovation Scoreboard 2020 - Analyse und Interpretation der Ergebnisse

Literatur

BKA, BMF, BMUKK, BMVIT, BMWFJ und BMWF (2011): Der Weg zum Innovation Leader: Strategie der Bundesregierung für Forschung, Technologie und Innovation, Wien. https://www.bmvit.gv.at/innovation/publikationen/forschungspolitik/downloads/fti_strategie.pdf

Europäische Kommission (2019): European Innovation Scoreboard 2019, Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union, Luxemburg. https://ec.europa.eu/docsroom/documents/35949/attachments/1/translations/en/renditions/native

Europäische Kommission (2020a): Regional Innovation Scoreboard 2020, Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union, Luxemburg. https://ec.europa.eu/growth/sites/growth/files/ris2019.pdf

Europäische Kommission (2020b): Europäischer Innovationsanzeiger 2020, https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/qanda_20_1150

Europäische Kommission (2020c): Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft (DESI) 2020: Österreich. https://ec.europa.eu/digital-single-market/en/scoreboard/austria

Keuschnigg, C. und Sardadvar, S. (2019): Wagniskapital zur Finanzierung von Innovation und Wachstum, Studie im Auftrag des RFTE und der AVCO, St. Gallen und Wien. https://www.rat-fte.at/files/rat-fte-pdf/fti-dokumente/RFTE_Wagniskapitalfinanzierung_20190604.pdf

Quelle: WPZ

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